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Sonntag, 2. April 2006

Die Macht bröckelt

Kirche und Gewerkschaft verlieren Anhänger in dem Ausmaß in dem sie an Glaubwürdigkeit verlieren.


Was für ein Selbstbewusstsein muss ein Mensch gehabt haben, der die Welt mit "Gott und ich" beschrieb. Es stellte ihn auf die Stufe mit dem Mächtigsten, das man sich vorstellen kann.

Religionen stärken dieses Gefühl, indem sie den Menschen den Zugang zum Mächtigsten weisen. Sie versprechen den Menschen Gottähnlichkeit zu erlangen und geben ihm damit die Kraft, die größten Belastungen zu ertragen.

Während man sich im Mittelalter den jenseitigen Problemen und Gottesbeweisen widmete, startete die Neuzeit mit der Hinwendung zum Diesseits eine Demontage des Gottesbildes.

Die Erklärung der Welt wird wichtiger als die Erklärung Gottes.

Kopernikus, Darwin, Freud, Einstein nehmen Gott in weltlichen Belangen die Autorität und daher beschränkt sich die Verehrung Gottes immer mehr auf die eigentlichen Kernthemen. Der Mensch wird vom Partner Gottes zum unbedeutenden Staubkorn im Universum.

Auf der Habenseite steht der Erkenntnisgewinn des Menschen durch die Wissenschaft (nicht des einzelnen Menschen sondern der Menschheit). Dem steht aber eben ein Verlust an Bedeutsamkeit gegenüber. Kein Wunder also, wenn Kardinal Schönborn sich an Reste von Göttlichkeit bei der Erschaffung des Menschen klammert und proklamiert, dass es trotz Darwin irgendwo einen göttlichen Funken geben müsse.

Der Bedeutungsverlust des Menschen geht mit dem Bedeutungsverlust der Kirche einher, die seine göttliche Bestimmung verwaltet.