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Dienstag, 18. April 2006

Jesus, Donald und Asterix

Ewige Helden haben keine irdischen Bindungen.


Ein Zufall ist es nicht, dass in den Biografien dieser "Personen" gewisse Ähnlichkeiten bestehen. Man würde sofort einwenden wollen, dass ja im Unterschied zu Donald und Asterix Jesus sehr wohl eine Person, die anderen aber nur fiktive Gestalten seien.

Doch ganz so ist es nicht. Jesus von Nazareth hat mit großer Sicherheit gelebt, darüber sind sich Historiker einig; aber allein an der Aussage "mit großer Sicherheit" kann auch das nicht zweifelsfrei als erwiesen gelten, gibt es ja gar keine schriftkundigen Zeitzeugen, die etwas Authentisches aufgezeichnet hätten.

Jesus existiert daher nur in dem Bild, das uns die Evangelisten geben, deren Namen nur aus taktischen Gründen mit den Namen der Evangelisten gleich gesetzt wurden, um die Authentizität der Schriften zu erhöhen. Aber in Wahrheit sind das nur tradierte Erzählungen, die von keinem der Autoren persönlich erlebt wurden.

Jesus wird als Jude und Rabbi geschildert. Im Judentum ist ein Rabbi ein Mann der es zu etwas gebracht hat, d.h. Familie hat und Kinder. Und außerdem ist er mit den Schriften bewandert. Ein unverheirateter Rabbi ist praktisch nicht vorstellbar, insbesondere nicht in der damaligen Zeit. An ein Zölibat hat damals niemand gedacht. Ein unverheirateter Wanderprediger wäre nicht - so wie Jesus - anerkannt worden.

Es ist aber nicht schwierig, in einer Erzählung Elemente wegzulassen und sich auf wichtiger erscheinende Ereignisse zu konzentrieren. Dass sich die Jünger um ihre Familien kümmern mussten, dass sie auch hin und wieder arbeiten mussten, von all dem wird ja nicht berichtet, nur eben das, was sie gemeinsam unternommen haben. Die anderen banalen Dinge des Lebens waren nicht der Erzählung wert und werden daher nicht erwähnt.

Da sie aber nicht erwähnt werden, weil sie dem Erzähler unwichtig sind, bedeutet aber nicht, dass es sie nicht gegeben hat.

Wenn es dagegen wirklich Textkürzungen im Nachhinein gibt, dann hat man Frauen ganz tüchtig aus dem Leben Jesu wegretuschiert. Nur Maria Magdalena ist an einigen Stellen vorzufinden, wo man es entweder übersehen hat oder weil das nur schwer zu entfernen war. Dass sie eine Sünderin gewesen wäre, kann man dem Text nicht unmittelbar abgewinnen. Es kann durchaus sein, dass es sich um die Ehefrau von Jesus gehandelt haben kann.

Warum wurde sie aber "wegretouchiert"?

Der Grund dürfte sein, dass die Schilderung einer einmaligen Person, der man ein göttliches Mäntelchen umhängen will, problematisch wird, wenn diese Person irdische Bindungen eingeht und demnach auch Nachkommen zeugt.

Nehmen wir an, es wäre so und Jesus wäre ein Rabbi mit Familie gewesen; wonach würden alle gleich fragen? Vielleicht: "Wie geht es seiner Familie?" Wer sorgt nach seinem Tod für Maria Magdalena? Welchen Status hätte denn seine Familie und seine Nachkommen? Halbgötter?

Das Problem hat man elegant aus der Welt geschafft, indem man eine kinderlose Person zeichnete.

Man könnte einwenden, dass es eben nicht so war und dass er eben keine Kinder gehabt hat!

Ja, aber er hätte sie haben können, und dann wäre doch die ganze Geschichte in einem anderen Licht erschienen. Weil er ein Mensch war, musste er menschlich handeln. Um sich in seiner Gemeinde Achtung zu verschaffen, musste er Frau und Kind haben. Und er hat sie wahrscheinlich auch gehabt, nur sind sie der Zensur der Evangelisten oder jener der späteren Konzilien zum Opfer gefallen.

Daher ist die Behauptung, Jesus wäre eine "gezeichnete" Figur nicht ganz abwegig. Man formte seine Biografie nach den Bedürfnissen der neuen Bewegung.

Einem Juden kann man die Geschichte von dem kinderlosen Rabbi nicht gut einreden, den Römern aber schon. Was aber tun mit Nachkommen eines Gottes? Die Theorien dazu sind wohlbekannt. Maria Magdalena wurde eine Ausreise nach Südfrankreich finanziert, um sie abzusichern und aus der Welt zu schaffen. Das Geheimnis um die Angelegenheit wurde nicht zur Gänze vergessen sondern schlummert in verschiedenen Sagen und Legenden als Gralssage.

Jesus ist also eine künstlich gecastete Figur, deren weltliche Anhängsel man im Neuen Testament durch Weglassungen bereinigt hat.

Damit hat man jene unantastbare Person, die ohne irgendwelche irdische Bezüge und Verpflichtungen in den Himmel auffahren kann.

Unter derselben ungeschlechtlichen Lebensweise leiden auch die Kultfiguren Donald und Asterix. Sie werden damit ewig "haltbar", sie altern nicht. Ihre Handlungen beziehen sich allein auf die gegebene Geschichte, sie müssen bei ihren Handlungen auf keine Familie Rücksicht nehmen. Weder bei ihren halsbrecherischen Abenteuern, bei denen sie gottähnlich immer überleben und auch ist es kein Problem, wochenlang das Heim zu verlassen; sie sind also unabhängige Singles, die "freigespielt" sind für ihre Aufgaben als Helden, als Götter.

Leider ist der geniale Autor Gosciny nach dem Asterix-Band XXIV verstorben und sein Erbe Uderzo hat diesen elementaren Aspekt eines ewigen Helden nicht weitergepflegt und durch "Frauengeschichten" durchsetzt. Die späteren Asterix-Ausgaben können auch an den Erfolg der ersten Ausgaben nicht anschließen.

Während aber Donald und Asterix wirklich nur gezeichnete Fiktion sind, ist Jesus eine im Nachhinein geformte Person im Sinne des Erfolgs der Geschichte.