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Freitag, 28. April 2006

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Wenn an einer bestimmten Stufe der Evolution eine quasi unmögliche Auswahl stattfinden müsste, dann fehlen uns in der Folge der evolutorischen Schritte offensichtlich Glieder (Natürlich wäre es auch legitim zu sagen, dass dort die Evolution anderswie funktioniert hätte. Warum aber sollte das so sein? Warum sollte ein bisher nicht beobachtetes Prinzip wirksam werden, wo dieses doch in anderen Bereichen auch nicht beobachtet werden kann. Gravitation ist ja auch überall, wo Körper sind; ohne Ausnahme.)


Beispiel 1: Wenn es einfachste Wesen gibt, die bereits die Fähigkeit haben, sich zu ernähren, d.h. umgekehrt auch anderen das Futter wegzunehmen oder gar diese zu fressen, dann wird es bei Mutationen zu erfolgreichen Arten kommen, die ihre jeweiligen Konkurrenten so radikal vernichten (etwa im Sinne einer Monopolbildung), dass wir im Nachhinen keine Hinweise auf diese Stufen mehr erkennen. Die Beobachtung zeigt, dass diese Urtierchen "aus dem Nichts" entstanden wären. Aber es kann sein, dass alle ihre Vorstufen wegselektiert wurden. Wir wissen daher nicht, wie genau diese Wesen entstanden sind, weil uns die Vorstufen dazu fehlen.

Beispiel 2: Nehmen wir an, ein Volk in der Zukunft würde auf der Müllhalde der Geschichte Ausgrabungen in Europa durchführen und Reste eines Handys finden. Das einige Jahrzehnte weiter zurück liegende Fundstück wäre etwa ein Kurbeltelefon. Es wäre sehr erstaunt, wie rasch aus dem simplen drahtgebundenen Telefon ein hochkomplexes Handy werden konnte. (Wir wissen, dass eine ganze Ära der drahtlosen Telegrafie/Telefonie von den Funksprüchen der Titanic über die Radiosender, den zweiten Weltkrieg, die ersten Fernseher, die Elektronik, die Mikroelektronik, der Computer alles evolutorische Stufen dazwischen waren aber wegen der zeithistorischen Kürze des Evolutionsvorgangs und dem Fehlen von Fundstücken aus dieser Zeit sieht man nur einen gigantischen Schritt, der mit Zufall allein nicht erklärbar ist.

Der Unterschied zwischen 1 und 2 sind die betrachteten Zeithorizonte. 1 mag eine Million Jahre gedauert haben, 2 aber nur 100 Jahre, wie wir wissen.

Was also ist der Mensch eigentlich? Er ist eine Beschleunigungsmaschine für die Evolution.

Und wozu braucht man die? Ich glaube dass wir ein Versuch der Natur sind, das Endliche in der Welt zu überwinden. Nicht als Individuum sondern als Art. Wir müssen in der Lage sein, kosmische Zufälle zu überwinden, wollen wir überleben. Noch sind wir nicht in der Lage dazu. Ein solcher Versuch der Evolution ist misslungen, wie wir am Beispiel der Saurier wissen. Vielleicht schaffen wir es! Sonst halt die Nächsten, vielleicht hier, vielleicht anderswo.

Und wozu? Nicht dass ich das wüsste, aber es schaut für mich so aus. Jedenfalls erfreuen wir uns allein daran, es zu ergründen. Es macht uns Spaß.

In diesen Tagen feiert man Kurt Gödel, den genialen Mathematiker. Nach seinen Aussagen muss man in vielen dieser Fragen eher pessimistisch sein, denn die Zahl der Erkenntnisse unseres Systems ist gigantisch im Vergleich mit jenem Teil davon, den wir erschließen können.