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Montag, 3. April 2006

Sein Wille geschehe

Der Glaube an die Allmacht Gottes reduziert diesen auf eine Art Kümmerer, der über Details dieser Welt wacht.


  • Ein Ziegelstein, der dich zufällig trifft und tötet.
  • Ein Ziegelstein, der dich zufällig am Kopf trifft und schwer verletzt.
  • Ein Ziegelstein, der dich zufällig Kopf trifft und verletzt.
  • Ein Ziegelstein, der dich zufällig niemanden trifft.
  • Ein Ziegelstein, der zufällig den neben dir Gehenden trifft.
  • Ein Ziegelstein, der zufällig einen dir nahe Stehenden trifft.
  • Ein Ziegelstein, der jemanden in einem fernen Land trifft.

Diese Liste kann beliebig fortgesetzt werden.

Für den einen ist es Zufall, für den anderen ist es Gottes Wille, manchmal wird es auch als eine Strafe, manchmal als Belohnung verstanden.

Wer unterscheidet zwischen Zufall und Fügung? Gibt es überhaupt einen Unterschied?

Ich bin offenbar selbst die Ursache für den Glauben an Schicksalhaftes. Denn einen Ziegelstein in einem fernen Land werde ich zunächst überhaupt nicht wahrnehmen und auch wenn, in den Bereich des Zufalls abschieben. Wenn es dagegen mir passiert, dann kommen gleich die möglichen Vorwürfe: "Wäre ich doch rechtzeitig aus dem Haus gegangen!".

Das Wichtigste ist es, alle diese Ereignisse von der subjektiven Komponente zu befreien: Ziegelsteine dieser Welt fallen entweder alle aus einem höheren Grund oder einfach nur zufällig. Und wo genau liegt der Unterschied?

Unendliches ist uns genauso unverständlich wie Allmächtiges. Natürlich könnte man etwas (Gott) ersinnen, das alle zufälligen Vorgänge dieser Welt steuert; es wäre aber eine kümmerliche Allmächtigkeit, die nicht in der Lage wäre, solche Randthemen wie fallende Ziegelsteine rationeller in den Griff zu bekommen, als auf jeden einzelnen aufzupassen.

Der Zufall, der Ereignisse auslösen kann, ist ein allen Dingen dieser Welt innewohnendes Phänomen, das allein verdient dass man davon sagt, es sei "Gottes Handschrift".

Warum muss man weiter suchen und hinter den Zufällen auch noch Absichten vermuten?

Alle Dinge dieser Welt besitzen - bei aller Regelmäßigkeit - zufällige Komponenten. Kein Stein gleicht dem anderen, kein Ziegelstein ist wie der andere, kein Fingerabdruck wie der andere, kein Mensch ist wie sein gegenüber.

Hier der Mensch, der versucht, eine determinierte Welt zu schaffen, in der Produktion möglichst identische Produkte herstellt, dort der Zufall, der alle diese Bemühungen behindert.

Der Mensch denkt und Gott lenkt.

Was anderes als der Zufall lenkt hier?

Versuchen Sie einmal, Zufall zu spielen. Sagen Sie, wann es regnen soll, wann die Sonne zu scheinen hat, wann welcher Ziegelstein zu fallen hat usw. Seien wir froh, dass uns das erspart bleibt. Lassen wir "ihn" arbeiten.