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Donnerstag, 27. April 2006

Wozu Kriege?

"Sie breiteten ihren Picknickkorb auf einer schönen Lichtung im Auwald aus. Überall Blüten, Grün, zwitschernde Vögel...".


"Sie machten eine Pause während ihres Bummels in der Fußgängerzone und beobachteten das bunte Treiben der Menschen, das friedliche Miteinander einer multikulturellen Stadt."

Bilder, die von Waldmüller oder von einem Urlaub am Meer stammen können. Sie vermitteln Entspanntheit, Frieden, Urlaub oder wenigstens Freizeit. Allerdings ist der Rahmen für die Romantik der handelnden Personen Kampfgebiet pur. Unsere Rast im Auwald oder die Rast auf der Bank in der Fußgängerzone findet in einer Zone des brutalen Wettbewerbs statt. Hier um Licht, jeden Quadratzentimeter eigenen Reviers, die Wohnung in der Baumkrone, besseren Boden, dort der tägliche Kampf um Kunden, den besseren Standort, das bessere Angebot. Hier aber geht es um das reine Überleben eines Individuums, einer Art, dort aber der Kampf einer Idee, eines Produkts mit einem anderen, ein Wettbewerb, der nicht die Gene des Individuums vernichtet oder gar die ganze Population sondern nur eine Geschäftsidee, ein Produkt. Welch ein Fortschritt, der Mensch muss nicht mehr als Idee seiner selbst in den Kampf sondern lässt seine Geschäftisdee, sein Produkt an seiner Stelle den Kampf austragen.

Wie steht es aber mit den Kriegen? Hier stimmt diese These nicht, hier scheint sinnloser Tod an Stelle zielgerichteter Selektion getreten zu sein. Nicht ganz; die Idee, die es hier zu vertreten gilt, ist ja nicht der einzelne sondern ein Staat, dessen Repräsentanten einander die Köpfe einschlagen. Und warum? Weil man auf der Ebene der frühen Horden, späteren Stadtstaaten, und den modernen Staaten die Hierarchie die Organisationsform einer Horde zugrundegelegt hat. Jene mit einem Häuptling, der anfangs durch eine körperliche und geistige Überlegenheit seine Führungsansprüche in der Gruppe durchgesetzt hat. Da es aber sehr mühsam ist, diese Position immer wieder zu erkämpfen, trat Machtanspruch durch Abstammung an die Stelle der Bestimmung des optimalen "Leithengstes". Solche hierarchischen Systeme bilden nun einen Markt, ob sie wollen oder nicht. Äußere Selektoren können vielfältig sein: Unterschiede im Wohlstand, Neid, Rache, Not, Gier (des jeweiligen Herrschers) und schon wird unter den Häuptlingen ein Machtkampf fällig, so, wie es auch schon in der Affenhorde der Fall ist. Das Unangenehme ist aber, dass die Menschen selbst es sind, die diesen Kampf auszufechten haben.

Ob es hier einen Ausweg gibt? Wahrscheinlich keinen endgültigen aber die Erkenntnisse der letzten Hundert Jahre lassen uns Hoffnung schöpfen, als man erkannt hat, dass Regierungsformen, die sich nicht selbst in Frage stellen, sowohl der allgemeinen Entwicklung des Landes als auch der friedlichen Absichten eines Landes gegenüber anderen entgegen stehen. 

Karl Popper hat diese Grundlagen entwickelt und die Verbreitung von Demokratien in der Welt würde eine friedliche Welt begünstigen. Ob man allerdings jede Autokratie mit militärischer Gewalt beseitigen kann und damit meint, der Idee der Demokratie Vorteile zu verschaffen, ist eine andere Frage. Die Idee der Demokratie hat ja eine lange, blutige Vergangenheit, die zu bewältigen war, bevor es soweit war. (Das gilt übrigens auch für andere Segnungen der westlichen, wenn man sie in andere Kulturen verpflanzen wollte).