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Montag, 1. Mai 2006

Gott ist unbeweisbar

Was immer Gott ist, es ist außerhalb menschlicher Dimension. Und das es außerhalb der menschlichen Einsichten liegt, kann es auch nicht mit menschlichen Mitteln erschlossen werden. Könnte man es, dann wäre es in Reichweite menschlicher Vorstellung. Daher ist Gott nicht beweisbar.


Dietrich Bonnhöffer schreibt: "Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht". Hans Küng schreibt: "Gott ist per definitionem das Un-definierbare."

Wir müssen aber nicht so weit gehen und Gott zu erklären versuchen. Es genügt, wenn wir bei uns selbst bleiben oder in unserer Welt.

Was ist die Welt?

Einer, der das Verständnis von Religion, Philosophie und Naturwissenschaft wie kein zweiter revolutioniert hat, war Kurt Gödel. Wenn wir seinen Gedanken folgen, ist es einem Wesen in einem System nicht möglich, den Sinn und das Wesen des Systems vollständig zu beschreiben. Er müsste dazu außerhalb des Systems stehen, um das zu können.

Wir Menschen sind Wesen, die in der Haut einer Kugel leben. Wir können in erstaunlicher Weise Aussagen über unsere Welt machen obwohl wir die entfernten Teile dieser Kugel gar nicht erreichen können. Es gibt sogar Vermutungen, dass man sich unter bestimmten Bedingungen nicht nur in der Haut der Kugel bewegen kann, sondern dass man die Kugel - ähnlich wie ein Wurm - durchqueren kann, doch fehlt es in diesem Punkt an konkreten Beweisen. Wir wissen sogar, dass sich unsere Kugelwelt ausdehnt. 

Allein, was das alles soll, wozu diese Kugel dient, ob sie ein Luftballon ist oder ein Fußball, das könnte uns nur ein Beobachter von außen sagen, weil unser eigener Blick erreicht nur die Hülle unserer Kugel.

Was ist der Mensch?

Aber ist nicht jeder einzelne Mensch auch ein Gefangener in einer Hülle, die er zeitlebens nicht verlassen kann? Auch hier zeigt sich, dass der Mensch über sich selbst nur subjektive aber keine wahren Aussagen treffen kann. Erst durch den Kontakt mit anderen Menschen erfahren wir uns selbst. Aus uns selbst wäre das nicht möglich.

Kurt Gödel selbst ist ein tragisches Opfer dieses Umstands. Rudolf Taschner bezeichnet Kurt Gödel als den größten Logiker seit Aristoteles und Leibniz. Dennoch erkannte selbst er nicht, dass seine Angst vor Vergiftung ihn in den Tod trieb und er schließlich verhungerte. 

Und genau so, wie wir über unseres eigenen Wesens selbst nicht klar sind, so können wir auch über unsere Welt keine letzte Klarheit erlangen. 

Wir können unsere Kugel immer besser beschreiben, wenn es ein Fußball wäre, kennen wir die Nahtstellen, wundern uns darüber, kennen wir den Lufteintrittspunkt und wundern uns darüber, kennen den Druck, den Radius... soviel wir eben erfahren können. Aber welche Begeisterung dieser Ball in einer Fußballarena auslösen kann, werden wir nie erfahren. Es sei denn, wir erhalten einmal die Gelegenheit, die Welt des Balles von außerhalb zu sehen.