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Montag, 15. Mai 2006

Religion und das Gute

Gut und böse sind subjektive Attribute ohne Möglichkeit zu einer allgemein gültigen Definition. Sehr schön kann man das in der Tierwelt beobachten, die durch den Menschen gerne in gute und böse Tiere geteilt wird. Ein Lamm ist geradezu das klassische Symbol für das Gute, dagegen ein Wolf, der es reißt, wird gerne als ein Symbol für das Böse apostrophiert.


Gut oder böse für wen?

Das Schicksal des gerissenen Lamms ist evident, es wird aber gerne übersehen, dass ein Wölf ohne Nahrung ebenso nicht überleben kann.

Aus der Sicht des Lamms ist der Wolf böse, aus der Sicht des Wolfs ist die Umwelt böse, die ihm keine Nahrung bietet.

Der Mensch überträgt diesen relativen Standpunkt auf die menschliche Kultur.

Eine bunte Frühlingswiese wird gerne als idyllisch romantisiert, dass aber all die Pracht ein erbitterter Kampf um Existenz der Individuen (Licht, Wasser) und der Arten (Bestäubung, Samenverbreitung) ist, wird gerne übersehen. Ein Bienenstich durch einen unbeabsichtigten Tritt auf eine Blume lässt uns zweifeln, ob jetzt die Biene zu den Guten oder zu den Bösen gezählt werden soll.

Spätestens seit den Zehn Geboten wird festgehalten, was gewünscht und daher gut und was nicht gewünscht und daher böse zu sein hat. Im Mittelalter gab es ein ganzes Register von Todsünden, die diese Unterscheidung noch detaillierter festlegten.

Heute sind diese Standpunkte gar nicht mehr so ganz klar, wie man sich das früher gerne vorgestellt hat. Menschen, die durch ihre soziale Schicht geprägt sind, haben es schwer, im rechtsfähigen Alter klare Entscheidungen für gut (=rechtskonform) und böse (=kriminell) zu treffen. Gerichtsurteile rechnen die Herkunft bereits als mildernden Umstand an. Die Grenzen zwischen Gut und Böse scheinen zu verschwimmen.