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Montag, 31. Dezember 2007

Jahreswechsel und die Endlichkeit

Unendlichkeiten haben eine göttliche Dimension.


Die Menschen feiern den Jahreswechsel ziemlich ausgelassen. Für mich ist der Jahreswechsel - mehr als es ein Geburtstag ist - ein deutlicher Hinweis auf unsere Endlichkeit. Wahrscheinlich deshalb, weil ich meinen eigenen Geburtstag eher weniger ausgelassen feiere.

Alles in unserer Welt ist endlich auch wenn das Universum in seiner Größe bereits in dieser Endlichkeit alles übersteigt, was man sich vorstellen kann. Einstein hat witziger Weise die menschliche Dummheit als das einzige im Universum bezeichnet, was das Attribut unendlich verdient.

Und ebenso interessant, dass uns der Begriff "Unendlich" keine großen Probleme bereitet, außer eben den, dass man sich das dahinter liegende Gebilde nicht wirklich vorstellen kann.

Das einfachste geometrische Gebilde neben dem Punkt, die Linie hat schon alle Attribute dieses Unendlichen.

Keine Linie in dieser Welt ist unendlich ausgedehnt. Weder jene auf unserer Erde, denn da wissen wir, dass wir durch die Endlichkeit unseres Lineals die Krümmung der Oberfläche übersehen und schließlich wieder am Ausgangspunkt zurückkehren. Aber auch nicht im Universum, denn wo auch immer unsere Linie hinweist, sie kehrt schließlich wieder an ihren Ausgangspunkt zurück. Oder anders gesagt, die Linie ist so gerade wie der Raum gekrümmt ist.

Wenn daher im Geometrieunterricht von unendlichen ausgedehnten Linen die Rede ist, berühren wir unbeabsichtigt eine göttliche Dimension, jedenfalls aber etwas, was es auf dieser Welt nicht gibt.

Wenn daher bereits in der Bibel vom unendlichen Gott die Rede ist, dann würden alle unseren geometrischen und mathematischen Verweise auf Unendlichkeiten Verweise auf Attribute dieses Gottes sein. 

Dass wir als endliche Wesen in der Lage sind, Grenzübergänge zu bewältigen und dabei dem unendlich Kleinen oder unendlich Großen begegnen, ist eigentlich erstaunlich, mehr noch, Physik-, Geometrie- und Mathematikunterricht haben eine göttliche Dimension und haben mehr mit Religion zu tun als es auf den ersten Blick scheint.

Bellsche Ungleichungen

Im Bereich der Quantenphysik tickt die Welt ganz anders. Ob sich das auch auf unser Weltbild auswirken kann, ist die Frage.


Heute bin ich bei der Lektüre des Buchs "Die berühmtesten Formeln der Welt" auf die abenteuerliche Bellsche Ungleichung gestoßen, eine Quelle für allerlei Spekulationen von Science Fiction-Autoren. Nach einem Zitat von Anton Zeilinger wird man sich wohl früher oder später vom Realismus verbschieden müssen, der besagt, dass die Welt, wie wir sie wahrnehmen auch ohne uns in gleicher Weise existiert. Aber eigentlich bezieht sich die Bellsche Ungleichung auf die Quantenmechanik. Ob sie unser Weltbild gravierend verändern wird, hängt davon ab, welchen Rolle diese Quantenphänomene und der makroskopischen Welt haben. Wenn ich das richtig verstanden habe, gibt es in der klassischen Physik vier Fixpunkte, die in allen unseren Handlungen und Erfahrungen als a priori gültig angenommen werden.
  • Realismus
  • Lokalität (Ursache-Wirkung)
  • (kontrafaktische) Bestimmtheit
  • freier Wille

Realismus besagt, dass alles was wir wahrnehmen auch tatsächlich existiert, unabhängig davon, ob wir sind oder nicht sind.

Lokalität besagt, dass Ereignisse, die einander bedingen auch zeitlich nacheinander stattfinden, dass es also nicht sein kann, dass man etwa mit Überlichtgeschwindigkeit die Vergangenheit manipuliert.

Bestimmtheit besagt, dass eine Sache, welche mehrere Eigenschaften haben kann, zu einer Zeit nur eine dieser Eigenschaften aufweist und nicht etwa gleichzeitig eine andere. "Ein grüner Apfel kann nicht gleichzeitig rot sein."

Freier Wille sagt, dass unsere Entscheidungen nicht von dem beobachteten Phänomen zusammenhängen. Wenn wir also eine Geschwindigkeitsmessung machen, hat das bewegte Objekt keinen Einfluss auf unsere Messung.

Bereits Einstein erkannte die Unverträglichkeit quantenmechanischer Experimente mit diesen Annahmen und meinte, mit zusätzlichen Parametern den Realismus wieder herstellen zu können.  

Die Bellsche Ungleichung besagt nun, dass bei quantenmechanischen Experimenten wenigstens eines dieser A Prioris nicht gilt. In Wirklichkeit geht es um die Unvereinbarkeit quantenphysikalischer Experimente mit den Gegebenheiten der realen Welt.

Für uns Nicht-Quantenphysiker ist dabei interessant, inwiefern die Quantenmechanik Einfluss auf makroskopische Beobachtungen haben kann. Die Quantenmechanik zeigt phantastisch anmutende Möglichkeiten auf, die aber im Großen nicht real sind. Oder ist es so, dass diese Möglichkeiten auch makroskopisch existieren aber nur von uns nicht wahrgenommen werden?

Wird es einmal möglich sein, den Zeitpfeil umzukehren, ähnlich wie man bei einem Computer eine Löschung wieder rückgängig machen kann oder bei einer bereits vergangenen Entwicklungsstufe fortsetzen kann und den beschrittenen Irrweg zu verwerfen? Etwa so, dass man in eine Parallelwelt wechselt, von der man weiß, dass dort die Entwicklung anders verlaufen ist?

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Das hatten wir doch schon einmal...

...Bewaffnete, die im Morgengrauen erscheinen und Familien zum Mikommen auffordern und Beamte, die nur ihre Pflicht tun....


Ein 15jähriges Mädchen zeigt auf, was ansonsten hundert- und tausendfach unbemerkt und mit unserer Zustimmung abläuft, dass Menschen mit Gewalt aus einem vermeintlichen Paradies vertrieben werden. 

Ein Minister, der nichts als seine Pflicht tut und seine Hände in Unschuld wäscht.

Wenn sich nichts Gravierendes an der demoskopischen Front ereignet, werden wir uns in einigen Jahrzehnten an die guten alten Zeiten erinnern, als noch Ungarn, Süd-, Nord- und Ostslawen um Aufnahme baten und aus Kurzsichtigkeit abgewiesen wurden und sogar Türken werden uns vertraut erscheinen, wenn dann der Run auf Einwander einsetzen wird, die aus Ländern kommen werden, die weit weniger mit uns zu tun haben.

Wozu soll der Wohlstand denn sonst dienen als ihn gerecht zu verteilen? 

Wieso darf sich die ÖVP "christlich-sozial" nennen ohne dass die Kirchenvertreter dagegen protestieren?

Wieso nennt sich die SPÖ "sozial" und stimmt diesen Gesetzen zu?

Kann man sich die eigenen Kinder aussuchen? Warum versucht man denn dann Zuwanderer auszusuchen? Kann eine Gesellschaft existieren, wenn sie nur aus "benötigten Spezialisten" besteht? Welche Perspektive hat ein solcher Spezialist in einem Land, das ihm den Familiennachzug verwehrt, das ihm nicht erlaubt, einen kleinen Teil seiner Heimat mitzunehmen?

Die Kälte der heutigen Zeit ist beklemmend und schlimm ist es zu sehen, dass Minister bei jeder ihrer Äußerungen lediglich die nächsten Wahlen im Visier haben, weniger aber ihre Grundsätze als Mensch zur Schau stellen. 

Die Steuerung der Rechtslage durch den rechten Rand ist schon so stark, dass man makaber an vergangen geglaubte Zeiten erinnert wird. 

Heute wird man aber nicht mehr in Lastwagen sondern im Flugzeug außer Landes gebracht. Man hat keine Koffer mehr, vielmehr muss man seine Habe im Plastiksack mitnehmen. Die anderen Güter, die man sich im Haushalt angeschafft hat, wird wohl der Nachmieter erben. Ob es - wenn einmal der Kosovo, Bosnien, Serbien, Albanien... zur EU gehören - wieder eine Art Wiedergutmachung und Restitution geben wird?

Donnerstag, 20. September 2007

Kann es eine Frage sein, ob eine Moschee gebaut werden darf?

Im dritten Jahrhundert nach Josef II gibt es immer noch Leute, die den Bau von Moscheen verbieten wollen.


Ich frage mich, wieso eine Partei, die einem Verfassungsgrundsatz entgegensteht, überhaupt kandidieren darf. Das betrifft sowohl den Versuch, den Bau von Moscheen zu verbieten, als auch den Versuch, die Aufstellung von zweisprachigen Ortstafeln zu verhindern.

Gleiches Recht für alle?

Unser Recht beruht auf einem Konsens über gemeinsam anerkannte Werte. Wie aber geht man mit Menschen um, die eine andere Werteskala haben?


Der kulturellen Unterschied zwischen einem afghanischen Klan und einer westlichen Demokratie ist sehr groß. Wenn man einen dortigen Beschuldigten, zum Beispiel Osama Bin Laden, nach den Regeln westlicher Rechtssprechung verurteilt, wird man wahrscheinlich ausgelacht. 

Man kann sich ja in Analogie eine Reise in die Zeiten des Papstes Urban II vorstellen und versuchen, über diesem Papst zu Gericht zu sitzen. Wir urteilen über ihn mit einer Werteskala, die damals völlig unbekannt war und dasselbe gilt auch für unseren Umgang mit dem Islam.

Ich fürchte, dass wir bei einem Ausflug in eine andere Welt auf deren Werte achten müssen, wenn wir nicht untergehen wollen.

Der Papst und der Dalai Lama

Das Christentums dürften in den Menschen mehr verankert sein als manche Statistiken sagen. Auch wenn jemand keiner Religion mehr angehört, er kann die christlichen Wurzeln unserer Kultur nicht abschütteln. Und dazu gehört, dass unsere Anteilnahme und Hilfe den Verfolgten zu gelten hat.


Nicht nur, dass der Dalai Lama aus seinem Land vertrieben worden ist und keine klinkenputzende Wirtschaftsdelegation das in China ansprechen würde, will ihn auch heute so mancher Politiker nicht kennen. 

Irgendwie kommt das auch einem gar nicht bibelfesten Beobachter bekannt vor.

Dienstag, 4. September 2007

Gott ist die Liebe...

...plakatiert die Kirche die Worte des Papstes. Ein Irrtum, der gerne geglaubt wird, wie mir scheint.


Dieser Satz zeigt, dass Gott eine rein menschliche Fiktion ist, die höchste Instanz menschlicher Hierarchien. Gott ist so, wie wir wollen, dass er ist. Denn welche Beziehung hat Gott zu Tieren, Dingen, Materie, Raum? Keine? Kann wirklich jemand glauben, dass Gott Milliarden Jahre mit dem Warten auf Menschen zugebracht hat?

Dieser Satz ist vielleicht nicht ganz vollständig. Liest man ihn etwa anders, wird er zudem gefährlich: "Unser Gott ist die Liebe", was sich liest wie "Wir sind die Guten", ganz im Sinne Bush'scher Machtpolitik.

Schließlich ist ein Schöpfer-Gott, so wie ihn die Kirche sieht, verantwortlich für alles, was ist. Das Gute gleichermaßen wie das Böse. Eine Reduktion Gottes auf das Gute ist eine Reduktion Gottes auf einen Teilbereich der menschlichen Welt und lässt Platz für andere Götter, zum Beispiel für den Teufel. Da aber widerspricht der These, dass es nur einen Gott geben solle. 

Ziemlich unlogisch diese Theologen.

Samstag, 11. August 2007

Atheismus ist auch eine Religion

Kardinal Schönborn meint in einem Kurier-Artikel zu seinem neuen Buch, dass zwar die Religion eine Grunddimension des Menschen wäre, der Atheismus in Europa aber ein Sonderphänomen sei.


Religion ist die Vereinbarung eines Kollektivs, sich an vereinbarte überlieferte Konventionen zu halten. Ein Einzelner kann daher keine Religion haben, es handelt sich um ein Gruppenphänomen. Die Gruppe bestärkt sich wechselseitig in der Richtigkeit ihrer Haltungen und Handlungen. Beispielsweise besteht eine dieser Konventionen im Glauben an einen Gott. Wenn ein anderes Kollektiv an einen Gott nicht glauben kann, dann ist das auch eine kollektive Haltung und daher auch religiös. Ein Atheist wird vielfach als unreligiös bezeichnet, doch ist er gerade das nicht. Seinen Glauben an Keinen Gott teilt er mit allen anderen Atheisten und ist somit religiös, wenn auch nicht im Sinne einer organisierten Kirche. Doch eine den Atheismus predigende Partei hat nicht wenige Attribute einer Kirche. Sie versucht, den Menschen glaubhaft zu machen, dass es eben keinen Gott gäbe, gerade umgekehrt wie es Deisten tun.

Ein Atheist unserer Tage kann sich auch nie seiner kollektiven deistischen Vergangenheit entziehen, die immer eine kirchlich religiöse war. Auch eine atheistische Gesellschaft benötigt Werte, die sie natürlich aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit (die sehr wohl gottbezogen war) entlehnt.

Dienstag, 7. August 2007

Ein Modell zur Erklärung aktueller Konflikte

Das bizarr anmutende Zusammentreffen moderner westlicher Waffentechnologie und bärtigen Muslims mit Sprenggürteln, beide die Wahrheit verkündend wirft viele Fragen auf, insbesondere, ob die Methoden der Konfliktlösung angemessen und richtig sind. Peter Neuling bietet ein Erklärungsmodell.


Angeregt durch eine Diskussion mit dem Autor in einer Rundfunksendung kaufte ich mir dieses Buch. Ohne auf die anschauliche Argumentationslinie im Detail einzugehen, hier eine Schlussfolgerung, die ich für mich aus dem Buch gezogen habe:

In den zentralen Konflikten der heutigen Zeit zwischen dem Westen und den islamischen Ländern oder zwischen Nord und Süd blicken wir als aufgeklärte modernen Menschen auf unsere eigene Vergangenheit zurück. Nicht, weil wir besser wären sondern schlicht, weil wir wohlhabender sind. Und mit zunehmendem Wohlstand wandelt sich unsere Werteskala so, dass wir mit Abscheu auf Selbstmordkommandos blicken und auch auf Hexenprozesse aber die islamische Welt mit wahrscheinlich derselben Abscheu auf unbekleidete Menschen am Strand und mit Unverständnis auf die Gleichberechtigung von Frau und Mann. wir meinen, im Islam einen Wertemangel, der Islam meint bei uns einen Werteverfall festzustellen.

Beide Sichtweisen enthalten aber den Fehler, dass es sich nicht um einen Werteverfall oder -mangel sondern um einen Wertewandel handelt, der uns in einer kurzen Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg (und durch die Ideen der Aufklärung unterstützt) einen anderen Standpunkt verschafft hat aus dem allerdings - und das ist jetzt meine Interpretation - die führenden Politiker unserer Zeit oft die falschen Schlüsse ziehen. Jeder bewaffnete Angriff auf religiös gefestigte Gesellschaften wie die des Islam verstärkt deren Ablehnung und deren Fanatismus. Was allein zielführend sein kann, den kulturellen Wettbewerb auf eine nicht-militärische Ebene zu bringen, wäre die Förderung von Prozessen, die den Wohlstand in den armen Regionen dieser Welt erhöhen helfen. Eine ungleich schwierigere Sache als eine Militäraktion. Etwas weniger hohe Twintowers würden da schon genügen und vor allem - die Lektüre von Peter Neulingers Buch, der alle Aspekte der acht Wohlstandsgesetze penibel recherchiert, sich aber jeder Schlussfolgerung enthält. Die überlässt er dem Leser. 

Ohne, dass darauf in diesem Buch eingegangen worden wäre muss man logischerweise annehmen, dass umgekehrt eine Verarmung einer Gesellschaft gleichzeitig den Rückfall in längst vergessen geglaubte Werteskalen bedeutet.

Sonntag, 5. August 2007

Warum Bush nicht Recht hat und "das Böse" nicht besiegen wird

Kaum hat die Welt dank Gorbatschov den Kalten Krieg überwunden, gerät sie erneut in ein Spannungsfeld, diesmal in einen kulturellen Gegensatz, der eine echte Herausforderung darstellt. Doch die Methoden der westlichen Frontmacht USA zeigen von Unwissen, Unverständnis und Unvermögen. Keine Lösung ist in Sicht.


Was wir im Konflikt zwischen dem Westen und den islamischen Ländern erleben, erscheint wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. So, als würden wir in unsere eigene Geschichte besser wissend eingreifen. So, als würden wir ein Kopfgeld auf Papst Urban II (11.Jhdt.) aussetzen, um seiner tot oder lebendig habhaft zu werden und seine unsägliche Agitation für einen Kreuzzug zu unterbinden. Und aus unserer Loge des 21. Jahrhunderts meinen, es besser zu wissen.

Welche Methoden wird wohl der Papst und seine Zeit gegen einen überlegenen Gegner aber mit Gott im Gepäck angewendet haben? Verhandlungen? Mit Ungläubigen?

Wie kann es sein, dass Vertreter desselben Glaubens, hier Christen, zu so unterschiedlichen Moralvorstellungen gelangen? Wie können Werte, wie Menschenrechte und Toleranz, die wir als hoch erachten, bei Papst Urban keinen Wert haben und warum verstehen wir nicht, dass ein Kampf zur Ehre Gottes für Ritter des 11. Jahrhundert der höchste Wert überhaupt ist?

Es ist einfach der Wohlstand (Siehe Peter Neuling in seinem Buch "Die acht Wohlstandgesetze"), der zur Folge hat, dass die Werte sich bei zunehmendem Reichtum der Bevölkerung wandeln. Jede Gesellschaft hat daher andere Werte und es ist nicht möglich, Papst Urban II im Nachhinein für seine Haltung zu verurteilen, da er seinen Appell zum Kreuzzug durchaus im Sinne der Werte seiner Zeit an die Ritter gerichtet hat.

Wenn wir aber unsere eigene Geschichte in diesem Licht betrachten, dann müssen wir akzeptieren, dass die höchsten Werte in der islamischen Gesellschaft eben Ehre und Religion sind und diesen Gesellschaften mit unserer Werteskala, die wieder Menschenrechte und Demokratie an erster Stelle hat nicht umgehen können, wie auch umgekehrt.

Ein Blick auf den Islam von heute ist daher wie ein Blick auf unsere eigene Vergangenheit. Aus heutiger Sicht erscheinen uns Kreuzzüge sehr grausam und ungerecht, weil wir eine andere Werteskala haben. Die Terroristen sind ebenso "das Böse" wie es die Kreuzritter vor einem Jahrtausend waren - oder eben nicht, weil aus ihrer jeweils subjektiven Sicht tun sie das Bestmögliche.

Wenn wir daher versuchen, in islamischen Ländern die Demokratie einzurichten, dann wird das scheitern, weil die dortige Werteskala die Demokratie nicht als hohen Wert anerkennt. Und das wird auch mit Waffengewalt nicht gelingen.

Daher sind Afghanistan und Irak nicht auf diese Weise zu demokratisieren. Die einzige - und sehr langfristige - Möglichkeit besteht in einer Aufwertung des Islam durch Investitionen in Bildung, Wirtschaft durch Austauschprogramme und was einem sonst noch einfällt, die alle das Ziel haben, die Armut in diesen Ländern zu verringern. Erst wenn diese überwunden ist, kann man hoffen, dass eine Bewegung im Sinne der europäischen Aufklärung einsetzt und einen Demokratisierungsprozess einleitet.

Dazu brauchen wir keine Waffen und keine Kriege, nur Geduld und Geld. Wenn wir unsere Wohlstandstürme nicht ganz so hoch in den Himmel richten, verarmen wir deswegen noch nicht aber diese Geld könnten wir in einen neuen Marschall-Plan investieren. Allerdings dürfen wir nicht erwarten, dass dieser Plan so, wie seinerzeit nach dem zweiten Weltkrieg in einem Jahrzehnt erfolgreich ist, zu groß ist der Aufholbedarf aber ich bin sicher, ein solcher Plan würde das Antlitz des Islam verändern, vielleicht in eine Form, wie er sich von einem Jahrtausend bereits präsentiert hat.

Samstag, 28. Juli 2007

Eigentum verpflichtet

Eigentum_verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.


Diesen Satz im Deutschen Grundgesetz finde ich äußerst wohltuend und vermisse diesen Grundsatz und auch viele klare Bestimmungen über die Grundrechte des Einzelnen des Deutschen Grundgesetzes in der österreichischen Verfassung.

Der Bürger und seine Rechte wird in der Österreichischen Verfassung nur in den Artikeln 6 und 7 des ersten Teils erwähnt. Link

Donnerstag, 26. Juli 2007

Geld verdirbt die Moral

Sprichwörter haben etwas Wahres - meint man; man wiederholt sie aber oft nur deshalb, weil sie prägnant etwas Augenscheinliches ausdrücken, aber ohne wirklich darüber nachzudenken.


Peter Neuling beschreibt in seinem Buch "Die acht Wohlstandsgesetze", dass in keiner Entwicklungsstufe die Moral fehlt, es werden nur die Werte anders gewichtet. Während in armen Gesellschaften Werte wie Religiosität, Tapferkeit, Stolz und Ehre, Patriotismus und Sittenstrenge an erster Stelle stehen, sind es in reichen Gesellschaften Toleranz, Sicherheitsstreben, Pluralismus, Demokratie und Gleichberechtigung der Geschlechter.

Insgesamt betrachtet "verbessert" sich in reichen Gesellschaften die Moral aber, in dem in ihnen die Werte anders gewichtet werden.

Obwohl etwa Eigentumsdelikte in unseren Breiten enorm zahlreich sind, werden sie nicht so geächtet, wie das in ärmeren Gegenden der Fall wäre. Einfach, weil die Reicheren einige Euro weniger nicht wirklich treffen, die Armen aber schon.

Erst kommt das Fressen, dann die Moral

Dieser berühmte Spruch von Bertold Brecht gehört wohl auch in den Bereich der Milchmädchenrechnungen, die man ohne besseres Wissen anstellt.


Peter Neuling beschreibt in seinem Buch "Die acht Wohlstandsgesetze", dass in keiner Entwicklungsstufe die Moral fehlt, es werden nur die Werte anders gewichtet. Während in armen Gesellschaften Werte wie Religiosität, Tapferkeit, Stolz und Ehre, Patriotismus und Sittenstrenge an erster Stelle stehen, sind es in reichen Gesellschaften Toleranz, Sicherheitsstreben, Pluralismus, Demokratie und Gleichberechtigung der Geschlechter.

In armen Gesellschaften werden Eigentumsdelikte mehr geahndet als Persönlichkeitsdelikte; in reichen Gesellschaften ist es dagegen genau umgekehrt.

Der Satz müsste nach Peter Neuling daher besser lauten "Reichtum verändert die Moral".

Sonntag, 22. Juli 2007

Wozu Glaube?

Woher kommt die Notwendigkeit der christlichen Religion, an Wunder glauben zu müssen? Wozu überhaupt braucht man den Glauben?


Der Rückgang der Zahl der aktiven und gläubigen Christen bedeutet nicht unbedingt auch einen Rückgang an Religiosität. Das Freiraum, den der Wegfall des Glaubens hinterlässt, will gefüllt werden. Mit Hobbies, Überzeugungen, alternativen Lebensstilen und Anderem. In jeder dieser Gruppen machen sich Menschen bemerkbar, die die jeweilige Idee in einem religiösen Sinn auslegen und damit zunächst auffallen und deren Verhalten später dieselben Verhaltensmuster aufweist wie der als überwunden geglaubte Glaube.

Die religiöse Verfolgung einer Idee resultiert in einer Fixierung, die jede Diskussion oder Relativierung ausschließt. Beispiele: das verwendete Computerbetriebssystem, der immer gleiche Urlaubsort, Umweltschutz, Verzicht auf Kernenergie, eine bestimmte Automarke, ein Fußballverein...

Kaum wird etwas so wichtig, dass es den Menschen bedingungslos erfasst, endet die Diskussion, endet die Möglichkeit, seinen Standpunkt neu zu definieren, heftet man sich mit Haut und Haar an diese Idee.

Wenn man die Bemühungen der Limnologen betrachtet, die man heute setzen muss, um die Fahrrinne für Schiffe im Bereich der Donau östlich von Wien ausreichend tief zu gestalten, muss man sich fragen, ob man nicht besser beraten gewesen wäre, doch ein Kraftwerk in Hainburg zu erreichten, welches dieses Problem bestens gelöst hätte und auch gleichzeitig das Überleben des Naturschutzgebietes garantiert hätte.

Ähnlich verhält es sich mit dem Verzicht auf ein österreichisches Atomkraftwerk, weil es durchaus sein kann, dass die Klimaentwicklung die Wahl des Kraftwerktyps erzwingen kann, weil man das Risiko des Kernkraftbetriebs der Sicherheit einer unbewältigbaren Klimaveränderung gegenüberstellen muss.

Die religiös vertretene Idee hat den großen Nachteil, dass sie sich auch dann nicht anpasst, wenn sich die äußeren Randbedingungen verändern.

Veränderung ist aber in der heutigen Welt jene Größe, die es zu bewältigen gilt.

Wenn wir daher den alten Glauben durch neue Glaubensrichtungen ersetzen, dann hat das den Nachteil, dass diese modernen Glaubensrichtungen ständig angepasst werden müssen und die Anpassung geht auf Kosten jener Gruppe, die sie zur Religion erhoben haben.

Der alte Glaube hingegen hat den Vorteil, das er unveränderlich ist und es für den Einzelnen möglich ist, eine aktuelle Idee zu verwerfen ohne gleich ein Wendehals bezeichnet zu werden, denn er kann immer am Fixpunkt seines Glaubens festhalten.

Warum aber ist unser christlicher Glaube so voll wundersamen Ereignissen durchsetzt, die es dem modernen Menschen so schwer und oft unmöglich machen, bedingungslos daran zu glauben? Ist man blöd, wenn man eine Auferstehungsgeschichte nicht - wie andere - glauben kann oder ist man es, wenn man daran glaubt? Wie kann eine Elite von hochgebildeten Theologen allen Ernstes glauben, Wasser würde zu Wein verwandelt, wie kann sie es verantworten, den Menschen diesen Glauben zu verordnen, was steckt dahinter? Und was genau glauben oder wissen die Theologen? Was glaubt der Papst? Glaubt er das auch?

Was wäre, wenn die Geschichten rund um Jesus von Nazareth einfach frei von Wundern wären? Wenn man sie so erzählt, wie sie sich möglicherweise wirklich zugetragen haben? Der moderne Mensch würde diese Entmystifizierung sicher ertragen und erleichtert sein, unerträglichen Ballast abgeworfen zu haben.

Es gibt wahrscheinlich mehrere Motive, Wunder als wahr zu postulieren.

(1) In jener Zeit ging es den Christen um eine Gegenwelt zur griechisch-römischen Götterwelt. In dieser Zeit hatte man es mit einer Bevölkerung zu tun, die kein Problem mit Erzählungen hatte, die weder je jemand gesehen oder erlebt hat und die alle ins Wundersame verklärt waren. Diese Fähigkeit durch eine nüchterne aber wahre Erzählung über eine Vision einer neuen Welt zu ersetzen, wäre marketingtechnisch wenig erfolgversprechend gewesen, weil ja die Menschen durchaus bereit waren, mystischen Ideen zu folgen.

(2) Die Idee der Hoffnung im christlichen Gedankengut sollte jene der Götterwelt ablösen. Der neue Gott musste seine Macht demonstrieren. Und da diese Macht nicht auf dem in der römischen Welt üblichen Prunk beruhen konnte aber trotzdem unübersehbar sein sollte, wurde das Wirken Gottes durch einen "Hilfssheriff" auf dieser Welt demonstriert. Es ging darum, mystisch begabte Menschenmassen auf eine neue Idee einzuschwören. Es genügt leider nicht Nächstenliebe und Ewiges Leben zu predigen auch wenn sich die Idee letztlich darauf reduzieren lässt. Ein Glaube der die römische Götterwelt ersetzen konnte, brauchte nicht nur eine Idee sondern auch ein begreifbares Substitut für die Götter. Die Geschichte von Jesus von Nazareth war dazu bestens geeignet, wenn sie auch in vielen Details in einer Art Selbstzensur angepasst wurde, um die römische Eitelkeit nicht zu verletzen. Die Wunder waren einfach notwendig, um die Macht des neuen Gottes zu unterstreichen. Eine Art Referenz für die Wirksamkeit. Die Wunder sind das Werbemittel, eine Art Trägermaterial für die Botschaft der Hoffnung und Nächstenliebe.

(3) Ein gemeinsamer Glaube erzeugt inneren Frieden aber nur, wenn er nicht konkret ist. Wäre er konkret, könnte jemand das Eine und ein andere etwas Anderes glauben und es entsteht ein Konflikt.

Beispiel: Jemand glaubt, Hitler wäre ein guter Mensch gewesen, weil er Autobahnen bauen ließ und ein anderer glaubt, dass die Autobahnen eigentlich der Kriegsvorbereitung dienten; diese beiden "Gläubigen" kommen irgendwie auf keinen grünen Zweig, wenn sie ihre Wahrheit zur Religion erklären. Die Autobahnen wurden real gebaut, die Frage ist nur, warum?

Wenn hingegen etwas geglaubt wird, das offensichtlich nicht im Bereich des irdisch Möglichen ist, entzieht sich dieser Glaube jeder Kritik, weil er ja offensichtlich einen real unmöglichen Sachverhalt beschreibt. Wenn daher eine Gruppe von Menschen an diese gemeinsame Unmöglichkeit glaubt, besteht keine Möglichkeit, diesen Glauben anzugreifen, er beruht offensichtlich aus einer Unmöglichkeit.

Daher ist das Wunder der Verwandlung von Wasser in Wein außerhalb jeder Erfahrung und daher unwahr im irdischen Sinn. Wenn daher Menschen sich dennoch darauf einigen, es zu glauben, sind sie sich klar darüber, dass sie eine Unmöglichkeit zu akzeptieren bereit sind, etwas, was nicht widerlegbar ist sondern nur eben glaubbar.

Daher sollten innerhalb der Gruppe der Gläubigen, keine Konflikte über diesen Glauben entstehen können, weil Irreales nicht beweisbar ist und daher ist es gar nicht so abwegig, abseits der laufend sich ereignenden Veränderungen an etwas festzuhalten, was unveränderlich bleiben kann. Man erleichtert sich damit die Änderung seiner Haltung gegenüber einer sonst als religiös definierten Idee. Christliche Österreicher können daher leichter ein Atomkraftwerk akzeptieren als fundametalistische Umweltschützer, weil ein Atomkraftwerk dem Christen die Religion nicht nimmt, wohl aber dem Umweltschützer. Und daher sollte die Religion nicht von dieser Welt sein.

Montag, 4. Juni 2007

Gebt dem Zufall eine Chance!

Ein streng geordnetes System bietet keinerlei Freiheiten und wenn auch nur Kleinigkeiten die Ordnung stören, kann es versagen.


Ameisen vollbringen großartige Leistungen. Organisation von Futter ist eine solche Sache. Im Grunde funktioniert das ganz einfach. Der Algorithmus für eine Futter-suchende Ameise lautet, einfach der Ameise vor ihr zu folgen. Und da alle vorangehenden Ameisen schon zum Futterplatz unterwegs sind, finden auch die nachfolgenden Ameisen dorthin.

Wenn aber die Futterquelle versiegt, ist auch dieser Algorithmus nicht mehr hilfreich, das Ameisenvolk würde kein Futter mehr finden und verhungern.

Es gibt einen kleinen Prozentsatz von "Abweichlern" unter den Ameisen. Das sind Typen, die nicht "brav" sind und sich nicht an die Spielregel halten. Sie verlassen die Ameisenstraßen und vagabundieren in der Gegend herum. In dieser ungeordneten, zufallsgesteuerten Bewegung liegt aber die Chance, anderswo Futter zu finden. Und genau das ist der Fall.

Wenn man daher nicht klar erkennen kann, "wo es lang geht", dann ist eine beliebige Strategie von Vorteil, vielleicht ähnlich wie ungezwungenes Brainstorming.

In Zeiten der Monarchie bekamen erfolgreiche Abweichler den Maria-Theresien-Orden.

Freitag, 1. Juni 2007

Warum mussten und müssen Christen an die sonderbarsten Dinge glauben?

Wer einmal glaubt, ein Wunder sei etwas Reales, der glaubt auch andere Dinge, er ist gewissermaßen auf Glauben konditioniert.


Die ersten Protagonisten eines neuen Glaubens hatten die Vision, die Menschenmassen gewaltfrei zu leiten. Weg vom brutalen Regime der Römer, hin zu einer friedvollen Existenz mit neuen Grundsätzen. Dazu boten sich die Geschichten rund um Jesus von Nazareth in idealer Weise an.

Die Frage der christlichen Tradition des Glaubens hängt nach meiner Ansicht mit der Frage zusammen, wie man in historischen Zeiten mit der großen Masse des Volkes umgegangen ist, mit der Frage, wie sich Macht bilden und erhalten lässt.

In Zeiten ohne allgemein zugängliche Bildung ist ein Kennzeichen für die jeweilige Kultur, wie man politische Entscheidungen rechtfertigt und kolportiert. Sie sind vergleichbar mit der Reaktion von Eltern gegenüber fragenden Kindern. Was sagt man zum Beispiel auf die Frage des Kindes nach einem verstorbenen Verwandten: "Wo ist der Onkel Josef jetzt?" Die einzig richtige Antwort wäre, dass man es nicht weiß und dass es eine Frage der jeweiligen Weltanschauung wäre. Damit wird aber die Relation des Kindes zu den als allwissend erscheinenden Eltern stark gestört. Auch wenn man eine gut fundierte Antwort auf eine Kinderfrage hat, ist man gut beraten, sie kindgerecht zu verpacken und den Sachverhalt vereinfacht darzustellen, damit man das Kind nicht verunsichert. Und was eignet sich besser als eine universell verwendbare Antwort: "Er ist sicher im Himmel!"

In derselben Situation ist ein früher Astronom, der wahrscheinlich diese Berufsbezeichnung noch gar nicht hatte, wenn er die Zusammenhänge zwischen dem Sonnenstand und den Jahreszeiten verstanden hat oder vielleicht auch nur ahnte. Er kann seinem Volk raten aber viel glaubhafter ist der Rat, wenn er von einer übergeordneten Instanz abgeleitet ist.

Dasselbe taten Herrscher alle Epochen, die Pharaonen, die Könige und Kaiser. Die Last der Entscheidung trägt sich leichter, wenn man sich auch als Herrscher in die Rolle des Befehlsempfängers begibt.

Damit aber diese Rollenverteilung allgemein anerkannt wird, muss auch das Volk diesen Zusammenhang verinnerlichen. Andere Kenntnisse ist nicht nötig, nur diese gemeinsame Abhängigkeit. Alles andere ist Vertrauen in die Wirksamkeit dieses Pakts.

Wenn jetzt der Machthaber eine unangenehme Maßnahme verfügen muss, kann der Bezug zum jeweiligen Glauben viel vom Schrecken nehmen sogar, wenn es um einen Krieg oder eine Verurteilung oder ein einschränkendes Gesetzt geht. Eines der eindrucksvollsten Beispiele für eine solche Autorisierung sind die Zehn Gebote, die den Israeliten von Moses verordnet wurden.

Donnerstag, 31. Mai 2007

Menschenopfer und Kloster, ein Zusammenhang?

Möglicherweise sind uns unverständlich grausame Menschenopfer eine archaische Methode der Geburtenkontrolle, zumindest wird diese Theorie in "Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends" vom Autor Josef H. Reichholf aufgestellt.


Veränderungen der politischen Landkarte werden in vielen Fällen von Veränderungen des Klimas hervorgerufen oder wenigstens begünstigt. Beispiele dazu sind:
  • Völkerwanderung (kälteres Klima bewirkt Migrationsdruck auf Germanenstämme)
  • Mongolenreich unter Dschingis Khan (wärmeres Klima in Zentralasien)
  • Zurückdrängen der Mauren bei Tours und Poiters (wärmeres Klima in Mitteleuropa und gleichzeitige Austrockung von Nordafrika)
  • Russlandfeldzüge von Napoleon und Hitler

Ungünstiges Klima bedroht die Versorgung mit Nahrung und die Lösung auf verschiedenen Kulturstufen ist im Rückblick sonderbar:

In Südamerika könnten uns als grausam bekannten Kulturen, etwa die Mays, Menschenopfer eingesetzt haben, um Morde von Männern und (Jung)frauen unter dem Mantel eines gottbefohlenen Rituals zu rechtfertigen, mit dem Ziel, die Bevölkerungszahl klein zu halten.

Das rasche Wachstum der Städte im Mittelalter erzeugte einen inneren Bevölkerungsdruck, den man in zweifacher Weise zu bekämpfen suchte: einerseits durch die Errichtung von Klöstern und anderseits durch das Werben um Freiwillige für Kreuzzüge.

Dagegen wirken die gesetzlichen Maßnahmen im diktatorischen China eher human und werden möglicherweise bald gar nicht mehr nötig sein, weil der wachsende Wohlstand in derselben Weise wirkt.

Der Unterschied zwischen Menschenopfer, Kloster, Krieg, Regelung einerseits und Wohlstand anderseits ist aber, dass die Ersteren vom jeweiligen Machthaber gezielt eingesetzt wurden und werden, der Wohlstand aber eine Selbstregulierung darstellt.

Die gespenstische Frage ist aber "Was glaubt ein Papst?". Was glaubte ein Papst, wenn er Klöster und Kriege propagierte und dabei das Himmelreich versprach?

War es so, dass er das, was er predigte, wirklich geglaubt hat und es hat dann einfach ergeben, dass die Maßnahmen in regulierender Weise wirkte oder wusste er, was er tat?

Und was können wir aus diesen Möglichkeiten auf die heutige Situation schließen? Wenn ein Papst heute im Namen der Religion was immer verkündet, welche Absicht steckt dahinter?

Freitag, 18. Mai 2007

Warum geht (oder ging) jemand ins Kloster?

Geändert am 2011-09-02 12:09 von Franz Fiala — Kategorisiert als: Religion

Dass die Auflösung verschiedener Klöster unter Josef II etwas mit Klimaveränderungen zu tun hätte, ist ein ziemlich überrascher Umstand.

Gehört in einer Buchvorstellung heute in Ö1 zwischen 9:00 und 10:00. Aus dem Buch "Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends" von Josef H. Reichholf, Professor für Zoologie in München.

Das beginnende Mittelalter war geprägt durch Stadtgründungen und durch einen großen Bevölkerungszuwachs, der zu zunehmenden Druck führte. Um diesen Druck abzubauen gibt es die Ventile: Auswanderung, Krieg oder Geburtenkontrolle. Für Auswanderung gab es kein Ziel (so wie dann später in der Neuzeit) und daher blieben Krieg und Geburtenkontrolle. Den sanktionierten Krieg brachte Papst Urban mit dem durch keinen besonderen Grund erfolgten Aufruf zu Feldzügen in das Heilige Land; die Geburtenkontrolle erfolgte durch die zahlreichen Klostergründungen.

Die Klöster verhalten sich in weiterer Folge wie jede andere Organisationseinheit: sie bleiben bestehen auch wenn der ursprüngliche Grund gar nicht mehr vorliegt. Erst Josef II hat hier lenkend eingegriffen.

Der eigentliche Grund für den Bevölkerungszuwachs ist aber in der Warmzeit des Mittelalters zu suchen, die etwa Almwirtschaft bis in die höchsten Regionen erlaubte und auch die Besiedelung von Grönland (Grünland) durch die Wikinger. Sie erklärt auch die Bewohnbarkeit heute unwirtlich erscheinender Burgen. 

Mathematische Unendlichkeiten

Mathematiker stehen auf Du mit der Unendlichkeit, sie kennen sogar viele verschiedene Unendlichkeiten und können sogar zeigen, dass es eine immer noch größere und daher keine größte gibt.


Vater der mathematischen Unendlichkeiten ist der Mathematiker Georg Cantor als Begründer der Mengenlehre (Georg Cantor). Auf physikalische Gegebenheiten wird natürlich nicht geachtet, es sind ja dimensionslose Größen, daher sind die Begriffe "streng" unendlich.  

Begriffe

Potenzielle und Aktuale Unendlichkeit (Grenzgebiet zwischen Philosophie und Mathematik

Potenziell Unendlich: wie die natürlichen Zahlen: es gibt einfach immer ein noch größere.

Aktual Unendlich: eine unendliche Menge an sich, auch wenn man nicht weiß, wie sie entsteht. Ein Beispiel sind die reellen Zahlen: man kann bestimmen, ob eine gegeben Zahl reell ist oder nicht, es gibt aber kein mathematischen Verfahren, alle reellen Zahlen anzugeben, wohingegen die natürlichen Zahlen sehr wohl angegeben werden können. Interessant ist folgende Aussage: "Von Konstruktivisten dagegen wird der Übergang vom potentiell zum aktual Unendlichen als die Stelle angesehen, wo der menschliche Geist den Anspruch aufgibt, noch präzise sagen zu können, womit er sich befasst."

Hier hat die Geometrie meiner Meinung nach die Nase vorn, denn die Linie umfasst tatsächlich ein Kontinuum, während die Mathematik nicht in der Lage ist, das Kontinuum der reellen Zahlen zu beschreiben. Anderseits kann die Geometrie die Linie zwar denken oder zeichnen, aber konstruieren kann sie die reellen Zahlen auch nicht.

Mächtigkeit

Die Mächtigkeit veranschaulicht die Anzahl der Elemente einen unendlichen Menge, d.h. die Art der Unendlichkeit. Es gibt einen interessanten Schlusssatz in dem Artikel, dass es nämlich keine mächtigste Menge gibt.

Abzählbar/Überabzählbar

Es ist interessant, dass die an sich unendliche Menge der natürlichen Zahlen als "abzählbar" bezeichnet wird. Trotz ihrer Unendlichkeit gibt es Mengen, die größer sind als die an sich schon unendliche Menge der natürlichen Zahlen, zum Beispiel die Menge der reellen Zahlen, die erst die Eigenschaft eines "Kontinuums" haben.

Beweise


Hier ist interessant, dass es möglich ist, mit (unendlich dünnen) Linien eine Fläche vollständig auszufüllen. Damit wird gezeigt, dass mehrdimensionale Zahlen dieselbe Mächtigkeit haben wie eindimensionale Zahlen.


Beweise, dass reelle Zahlen überabzählbar sind, d.h. Zahlen sind, bei denen zwischen allen Nachbarn sich immer eine weitere Zahl befindet, die keine Endpunkte haben und die auch keine Lücken kennen.

Algebraische und irrationale Zahlen

Während die algebraischen Zahlen abzählbar sind (das sind Zahlen, die durch ein Polynom darstellbar sind), sind irrationale Zahlen überabzählbar, es gibt sozusagen "mehr" als algebraische Zahlen (obwohl natürlich von beiden unendlich viele existieren). Interessanterweise kennen wir aber von dieser Unendlichkeit nur ganz wenige Zahlen "persönlich" (Pi, e, Winkelfunktionen, Wurzelzahlen).

Mittwoch, 16. Mai 2007

Die Linie und das Unendliche

Die Linie ist ein geometrisches Abbild der Zahlen; unendlich ausgedehnt, unendlich dicht. Reale Linien sind aber nicht unendlich ausgedehnt. Die Unendlichkeit ist eine gedachte, keine reale Größe.


Eine Linie ist eine geometrische Abbildung der Zahlen.

Während man aber mit dem Ziehen der Linie alle möglichen Zahlen mit einem Pinselstrich abbildet ohne sie wirklich kennen zu müssen, muss man diese Zahlen in der Mathematik beschreiben. Die Linie ist gewissermaßen umfassender, weil man sie schon ziehen konnte, bevor noch alle diese Zahlenformen wirklich bekannt waren und wer weiß, vielleicht finden sich noch weitergehende Zahlenformen, die auch noch Platz in der Linie haben und die wir noch gar nicht kennen.

So, wie die natürlichen Zahlen unendlich sind, ist es auch die Linie.

So, wie zwischen den natürlichen Zahlen unendlich viele rationale und "dazwischen" wieder unendlich viele irrationale Zahlen Platz finden, tun sie das auch auf einer Linie.

Die Linie ist unendlich in der Ausdehnung aber auch in der Anzahl der gedachten Punktbestandteile innerhalb eines Intervalls natürlicher Zahlen.

Die Unendlichkeit dürfte aber eine Konstruktion des menschlichen Geistes sein. Wir selbst und alle unsere täglichen Beobachtungen sind ausschließlich endlich. Wir kennen das "Unendlich" nicht aus eigenem Erleben. Die Linearität unserer Gedankenwelt vermutet aber hinter jedem Objekt noch ein weiteres und das erzeugt den Unendlichkeitsbegriff.

Linien können nur in Ebenen oder Räumen platziert werden. Eine reale oder auch eine gedachte Linie orientiert sich an der Raumwelt. Doch da diese Raumwelt nicht unendlich ist, kann es auch jede Linie in dieser Welt nicht sein. Was wir bräuchten, um unserer Unendlichkeitssehnsucht zu entsprechen, wäre ein ungekrümmter Raum und der würde auch eine unendlich ausgedehnte Zeit erfordern.

Da es aber den unendlichen Raum nicht gibt, gibt es auch keine unendlichen Linien - in dieser Welt, in Gedanken schon.

Wenn wir dennoch Unendlichkeiten postulieren (ewig, allmächtig, unendlich), so liegt das an der Unfähigkeit sich etwas Endliches als die eigentliche Realität vorzustellen, denn unser Verstand verlangt immer ein "Davor" oder ein "Dahinter" oder ein "Warum".

Was war vor dem Zeitpunkt t=0? Was ist "hinter" dem Universum? Wozu das Ganze?

Nichts!

Das ist genauso schwierig zu verstehen wie das Unendliche! Es ist nämlich ein zum Unendlichen inverser Zustand.

Ein Ausdruck wie 5 / Unendlich ist in der Mathematik wohl definiert. Er ist nämlich Null. Jede Zahl durch Unendlich dividiert ergibt Null und umgekehrt ergibt jede Zahl dividiert durch Unendlich Null. Daher kann rein mathematisch der unbegreifliche Zustand Unendlich ohne Problem in den ebenso unbegreiflichen Zustand Null übergeführt werden.

Dienstag, 15. Mai 2007

Was ist unverständlicher: unendlich oder endlich?

Raum und Zeit als "unendlich" zu bezeichnen ist vielfach bequemer als sich mit Endlichkeit von Zeit und Raum auseinander zu setzen, weil das Unendliche die Frage nach dem "davor" und "dahinter" beantwortet, das Endliche aber offen lässt.


Die kontinuierliche Linie

Das Wort "kontinuierlich" enthält eigentlich dieselbe unglaubliche Kategorie wie das Wort "unendlich". Betrachtet man die Linie als eine Folge von diskreten Punkten (ganze Zahlen), dann kann man unendliche viele Punkte aus dem Bereich der rationalen Zahlen zwischen diesen Punkten setzen und damit die diskreten Punkte auf der Linie zu einem Kontinuum machen. Dennoch ist es weiters möglich, zwischen diesen ohnehin schon unendlich vielen Punkten noch einmal unendlich viele irrationale Zahlen zu setzen und das alles innerhalb eines beliebig kleinen Abschnitts der Linie; eine unendliche Unendlichkeit - und wir haben unseren Standort gar nicht ins Unendliche verlagern müssen.

Die unendliche Linie

Die unendliche Linie im mathematisch-abstrakten Sinn gibt es in Wirklichkeit gar nicht, vielleicht ist auch das Unendliche nur eine menschliche Erfindung, weil wir uns die Welt ohne den Unendlichkeitsbegriff nicht vorstellen können. Würde ein zweidimensionales Wesen auf einer Kugel lebend (was wir lange Zeit waren, als wir dachten, die Erde wäre eine Scheibe) eine Linie zeichnen, dann wäre es verblüfft, dass die Linie wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurückkommt. Wenn dem zweidimensionalen Menschen die Kugelgestalt bewusst wird, dann wird er das Linienexperiment natürlich in einer Tangente an die Kugel fortsetzen und meinen, die Linien würden im Unendlichen verschwinden. Doch auch diese Linien würden das nicht tun, weil sie das Unendliche gar nicht erreichen können. Auch sie würden wegen der Endlichkeit des Universums wieder an ihren Ausgangspunkt zurückkommen ohne eine Ahnung von der Unendlichkeit zu bekommen.

Die Temperaturskala

Es ist ein ganz schöner Schock, wenn angehende Physiker erfahren, dass die Temperatur nicht in beiden Richtungen gleich erhöht oder erniedrigt werden kann; dass es eine untere Grenze gibt, die man nicht unterschreiten kann und jeder sich fragt, was denn unter -273 Grad Celsius wäre. Würden wir eine Transformation ausführen, die den absoluten Nullpunkt ins Unendliche überführt, bekämen wir eine neue Temperaturskala und dann wäre unsere lineare Welt wieder in Ordnung. Es gäbe eine immer noch kleinere als jede beliebig kleine Temperatur.

Was ist unglaublicher: die Endlichkeit oder die Unendlichkeit?

Wir können uns nicht vorstellen, dass nach einem Objekt oder nach einem Ereignis oder nach einem Zustand nicht ein weiterer gedacht werden könnte und daher ergibt sich in unserer Sprache der Begriff "unendlich"; und genau so, wie wir uns nicht vorstellen können, dass es keinen Nachfolger oder Vorgänger von Raum und Zeit geben sollte ist die logische Folge, dass es eben einen geben müsse, ebenso unverständlich. Doch weder Raum, noch Zeit und auch nicht die Energie machen uns die Freude, sich so zu verhalten, dass wir eine Unendlichkeit erahnen könnten; sie alle scheinen endlich zu sein und das ist fast unglaublicher als das Unendliche.

Es gibt einen Ausspruch von Rudolf Taschner (Mathematiker zu Wien), der etwa lautet, dass mathematische Beweise alle korrekt und nicht angezweifelt werden können, aber den Nachteil haben, dass sie sich nicht auf die Wirklichkeit beziehen und sofern sie das tun, würden sie nur bedingt stimmen.

Für die Linie, die wir auf einer Kugel ziehen, haben wir den subjektiven Eindruck, dass sie gerade ist, doch wir nehmen nicht wahr, dass sich die Unterlage auf der wir zeichnen krümmt. Nun, das wissen wir jetzt. 

Das trifft aber auch für die Linie zu, die ins Unendliche zu verschwinden scheint. Sie selbst, die Linie ist untadelig gerade, doch der "Untergrund", der Raum, in den sie entschwindet, krümmt sich. 

Die Unendlichkeit der Linie wird durch eine endlose Wanderung durch immer denselben Raum, ohne je ein Ziel zu finden; aber ist das nicht gerade ein Merkmal von Unendlichkeit?