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Montag, 4. Juni 2007

Gebt dem Zufall eine Chance!

Ein streng geordnetes System bietet keinerlei Freiheiten und wenn auch nur Kleinigkeiten die Ordnung stören, kann es versagen.


Ameisen vollbringen großartige Leistungen. Organisation von Futter ist eine solche Sache. Im Grunde funktioniert das ganz einfach. Der Algorithmus für eine Futter-suchende Ameise lautet, einfach der Ameise vor ihr zu folgen. Und da alle vorangehenden Ameisen schon zum Futterplatz unterwegs sind, finden auch die nachfolgenden Ameisen dorthin.

Wenn aber die Futterquelle versiegt, ist auch dieser Algorithmus nicht mehr hilfreich, das Ameisenvolk würde kein Futter mehr finden und verhungern.

Es gibt einen kleinen Prozentsatz von "Abweichlern" unter den Ameisen. Das sind Typen, die nicht "brav" sind und sich nicht an die Spielregel halten. Sie verlassen die Ameisenstraßen und vagabundieren in der Gegend herum. In dieser ungeordneten, zufallsgesteuerten Bewegung liegt aber die Chance, anderswo Futter zu finden. Und genau das ist der Fall.

Wenn man daher nicht klar erkennen kann, "wo es lang geht", dann ist eine beliebige Strategie von Vorteil, vielleicht ähnlich wie ungezwungenes Brainstorming.

In Zeiten der Monarchie bekamen erfolgreiche Abweichler den Maria-Theresien-Orden.

Freitag, 1. Juni 2007

Warum mussten und müssen Christen an die sonderbarsten Dinge glauben?

Wer einmal glaubt, ein Wunder sei etwas Reales, der glaubt auch andere Dinge, er ist gewissermaßen auf Glauben konditioniert.


Die ersten Protagonisten eines neuen Glaubens hatten die Vision, die Menschenmassen gewaltfrei zu leiten. Weg vom brutalen Regime der Römer, hin zu einer friedvollen Existenz mit neuen Grundsätzen. Dazu boten sich die Geschichten rund um Jesus von Nazareth in idealer Weise an.

Die Frage der christlichen Tradition des Glaubens hängt nach meiner Ansicht mit der Frage zusammen, wie man in historischen Zeiten mit der großen Masse des Volkes umgegangen ist, mit der Frage, wie sich Macht bilden und erhalten lässt.

In Zeiten ohne allgemein zugängliche Bildung ist ein Kennzeichen für die jeweilige Kultur, wie man politische Entscheidungen rechtfertigt und kolportiert. Sie sind vergleichbar mit der Reaktion von Eltern gegenüber fragenden Kindern. Was sagt man zum Beispiel auf die Frage des Kindes nach einem verstorbenen Verwandten: "Wo ist der Onkel Josef jetzt?" Die einzig richtige Antwort wäre, dass man es nicht weiß und dass es eine Frage der jeweiligen Weltanschauung wäre. Damit wird aber die Relation des Kindes zu den als allwissend erscheinenden Eltern stark gestört. Auch wenn man eine gut fundierte Antwort auf eine Kinderfrage hat, ist man gut beraten, sie kindgerecht zu verpacken und den Sachverhalt vereinfacht darzustellen, damit man das Kind nicht verunsichert. Und was eignet sich besser als eine universell verwendbare Antwort: "Er ist sicher im Himmel!"

In derselben Situation ist ein früher Astronom, der wahrscheinlich diese Berufsbezeichnung noch gar nicht hatte, wenn er die Zusammenhänge zwischen dem Sonnenstand und den Jahreszeiten verstanden hat oder vielleicht auch nur ahnte. Er kann seinem Volk raten aber viel glaubhafter ist der Rat, wenn er von einer übergeordneten Instanz abgeleitet ist.

Dasselbe taten Herrscher alle Epochen, die Pharaonen, die Könige und Kaiser. Die Last der Entscheidung trägt sich leichter, wenn man sich auch als Herrscher in die Rolle des Befehlsempfängers begibt.

Damit aber diese Rollenverteilung allgemein anerkannt wird, muss auch das Volk diesen Zusammenhang verinnerlichen. Andere Kenntnisse ist nicht nötig, nur diese gemeinsame Abhängigkeit. Alles andere ist Vertrauen in die Wirksamkeit dieses Pakts.

Wenn jetzt der Machthaber eine unangenehme Maßnahme verfügen muss, kann der Bezug zum jeweiligen Glauben viel vom Schrecken nehmen sogar, wenn es um einen Krieg oder eine Verurteilung oder ein einschränkendes Gesetzt geht. Eines der eindrucksvollsten Beispiele für eine solche Autorisierung sind die Zehn Gebote, die den Israeliten von Moses verordnet wurden.