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Samstag, 28. Juli 2007

Eigentum verpflichtet

Eigentum_verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.


Diesen Satz im Deutschen Grundgesetz finde ich äußerst wohltuend und vermisse diesen Grundsatz und auch viele klare Bestimmungen über die Grundrechte des Einzelnen des Deutschen Grundgesetzes in der österreichischen Verfassung.

Der Bürger und seine Rechte wird in der Österreichischen Verfassung nur in den Artikeln 6 und 7 des ersten Teils erwähnt. Link

Donnerstag, 26. Juli 2007

Geld verdirbt die Moral

Sprichwörter haben etwas Wahres - meint man; man wiederholt sie aber oft nur deshalb, weil sie prägnant etwas Augenscheinliches ausdrücken, aber ohne wirklich darüber nachzudenken.


Peter Neuling beschreibt in seinem Buch "Die acht Wohlstandsgesetze", dass in keiner Entwicklungsstufe die Moral fehlt, es werden nur die Werte anders gewichtet. Während in armen Gesellschaften Werte wie Religiosität, Tapferkeit, Stolz und Ehre, Patriotismus und Sittenstrenge an erster Stelle stehen, sind es in reichen Gesellschaften Toleranz, Sicherheitsstreben, Pluralismus, Demokratie und Gleichberechtigung der Geschlechter.

Insgesamt betrachtet "verbessert" sich in reichen Gesellschaften die Moral aber, in dem in ihnen die Werte anders gewichtet werden.

Obwohl etwa Eigentumsdelikte in unseren Breiten enorm zahlreich sind, werden sie nicht so geächtet, wie das in ärmeren Gegenden der Fall wäre. Einfach, weil die Reicheren einige Euro weniger nicht wirklich treffen, die Armen aber schon.

Erst kommt das Fressen, dann die Moral

Dieser berühmte Spruch von Bertold Brecht gehört wohl auch in den Bereich der Milchmädchenrechnungen, die man ohne besseres Wissen anstellt.


Peter Neuling beschreibt in seinem Buch "Die acht Wohlstandsgesetze", dass in keiner Entwicklungsstufe die Moral fehlt, es werden nur die Werte anders gewichtet. Während in armen Gesellschaften Werte wie Religiosität, Tapferkeit, Stolz und Ehre, Patriotismus und Sittenstrenge an erster Stelle stehen, sind es in reichen Gesellschaften Toleranz, Sicherheitsstreben, Pluralismus, Demokratie und Gleichberechtigung der Geschlechter.

In armen Gesellschaften werden Eigentumsdelikte mehr geahndet als Persönlichkeitsdelikte; in reichen Gesellschaften ist es dagegen genau umgekehrt.

Der Satz müsste nach Peter Neuling daher besser lauten "Reichtum verändert die Moral".

Sonntag, 22. Juli 2007

Wozu Glaube?

Woher kommt die Notwendigkeit der christlichen Religion, an Wunder glauben zu müssen? Wozu überhaupt braucht man den Glauben?


Der Rückgang der Zahl der aktiven und gläubigen Christen bedeutet nicht unbedingt auch einen Rückgang an Religiosität. Das Freiraum, den der Wegfall des Glaubens hinterlässt, will gefüllt werden. Mit Hobbies, Überzeugungen, alternativen Lebensstilen und Anderem. In jeder dieser Gruppen machen sich Menschen bemerkbar, die die jeweilige Idee in einem religiösen Sinn auslegen und damit zunächst auffallen und deren Verhalten später dieselben Verhaltensmuster aufweist wie der als überwunden geglaubte Glaube.

Die religiöse Verfolgung einer Idee resultiert in einer Fixierung, die jede Diskussion oder Relativierung ausschließt. Beispiele: das verwendete Computerbetriebssystem, der immer gleiche Urlaubsort, Umweltschutz, Verzicht auf Kernenergie, eine bestimmte Automarke, ein Fußballverein...

Kaum wird etwas so wichtig, dass es den Menschen bedingungslos erfasst, endet die Diskussion, endet die Möglichkeit, seinen Standpunkt neu zu definieren, heftet man sich mit Haut und Haar an diese Idee.

Wenn man die Bemühungen der Limnologen betrachtet, die man heute setzen muss, um die Fahrrinne für Schiffe im Bereich der Donau östlich von Wien ausreichend tief zu gestalten, muss man sich fragen, ob man nicht besser beraten gewesen wäre, doch ein Kraftwerk in Hainburg zu erreichten, welches dieses Problem bestens gelöst hätte und auch gleichzeitig das Überleben des Naturschutzgebietes garantiert hätte.

Ähnlich verhält es sich mit dem Verzicht auf ein österreichisches Atomkraftwerk, weil es durchaus sein kann, dass die Klimaentwicklung die Wahl des Kraftwerktyps erzwingen kann, weil man das Risiko des Kernkraftbetriebs der Sicherheit einer unbewältigbaren Klimaveränderung gegenüberstellen muss.

Die religiös vertretene Idee hat den großen Nachteil, dass sie sich auch dann nicht anpasst, wenn sich die äußeren Randbedingungen verändern.

Veränderung ist aber in der heutigen Welt jene Größe, die es zu bewältigen gilt.

Wenn wir daher den alten Glauben durch neue Glaubensrichtungen ersetzen, dann hat das den Nachteil, dass diese modernen Glaubensrichtungen ständig angepasst werden müssen und die Anpassung geht auf Kosten jener Gruppe, die sie zur Religion erhoben haben.

Der alte Glaube hingegen hat den Vorteil, das er unveränderlich ist und es für den Einzelnen möglich ist, eine aktuelle Idee zu verwerfen ohne gleich ein Wendehals bezeichnet zu werden, denn er kann immer am Fixpunkt seines Glaubens festhalten.

Warum aber ist unser christlicher Glaube so voll wundersamen Ereignissen durchsetzt, die es dem modernen Menschen so schwer und oft unmöglich machen, bedingungslos daran zu glauben? Ist man blöd, wenn man eine Auferstehungsgeschichte nicht - wie andere - glauben kann oder ist man es, wenn man daran glaubt? Wie kann eine Elite von hochgebildeten Theologen allen Ernstes glauben, Wasser würde zu Wein verwandelt, wie kann sie es verantworten, den Menschen diesen Glauben zu verordnen, was steckt dahinter? Und was genau glauben oder wissen die Theologen? Was glaubt der Papst? Glaubt er das auch?

Was wäre, wenn die Geschichten rund um Jesus von Nazareth einfach frei von Wundern wären? Wenn man sie so erzählt, wie sie sich möglicherweise wirklich zugetragen haben? Der moderne Mensch würde diese Entmystifizierung sicher ertragen und erleichtert sein, unerträglichen Ballast abgeworfen zu haben.

Es gibt wahrscheinlich mehrere Motive, Wunder als wahr zu postulieren.

(1) In jener Zeit ging es den Christen um eine Gegenwelt zur griechisch-römischen Götterwelt. In dieser Zeit hatte man es mit einer Bevölkerung zu tun, die kein Problem mit Erzählungen hatte, die weder je jemand gesehen oder erlebt hat und die alle ins Wundersame verklärt waren. Diese Fähigkeit durch eine nüchterne aber wahre Erzählung über eine Vision einer neuen Welt zu ersetzen, wäre marketingtechnisch wenig erfolgversprechend gewesen, weil ja die Menschen durchaus bereit waren, mystischen Ideen zu folgen.

(2) Die Idee der Hoffnung im christlichen Gedankengut sollte jene der Götterwelt ablösen. Der neue Gott musste seine Macht demonstrieren. Und da diese Macht nicht auf dem in der römischen Welt üblichen Prunk beruhen konnte aber trotzdem unübersehbar sein sollte, wurde das Wirken Gottes durch einen "Hilfssheriff" auf dieser Welt demonstriert. Es ging darum, mystisch begabte Menschenmassen auf eine neue Idee einzuschwören. Es genügt leider nicht Nächstenliebe und Ewiges Leben zu predigen auch wenn sich die Idee letztlich darauf reduzieren lässt. Ein Glaube der die römische Götterwelt ersetzen konnte, brauchte nicht nur eine Idee sondern auch ein begreifbares Substitut für die Götter. Die Geschichte von Jesus von Nazareth war dazu bestens geeignet, wenn sie auch in vielen Details in einer Art Selbstzensur angepasst wurde, um die römische Eitelkeit nicht zu verletzen. Die Wunder waren einfach notwendig, um die Macht des neuen Gottes zu unterstreichen. Eine Art Referenz für die Wirksamkeit. Die Wunder sind das Werbemittel, eine Art Trägermaterial für die Botschaft der Hoffnung und Nächstenliebe.

(3) Ein gemeinsamer Glaube erzeugt inneren Frieden aber nur, wenn er nicht konkret ist. Wäre er konkret, könnte jemand das Eine und ein andere etwas Anderes glauben und es entsteht ein Konflikt.

Beispiel: Jemand glaubt, Hitler wäre ein guter Mensch gewesen, weil er Autobahnen bauen ließ und ein anderer glaubt, dass die Autobahnen eigentlich der Kriegsvorbereitung dienten; diese beiden "Gläubigen" kommen irgendwie auf keinen grünen Zweig, wenn sie ihre Wahrheit zur Religion erklären. Die Autobahnen wurden real gebaut, die Frage ist nur, warum?

Wenn hingegen etwas geglaubt wird, das offensichtlich nicht im Bereich des irdisch Möglichen ist, entzieht sich dieser Glaube jeder Kritik, weil er ja offensichtlich einen real unmöglichen Sachverhalt beschreibt. Wenn daher eine Gruppe von Menschen an diese gemeinsame Unmöglichkeit glaubt, besteht keine Möglichkeit, diesen Glauben anzugreifen, er beruht offensichtlich aus einer Unmöglichkeit.

Daher ist das Wunder der Verwandlung von Wasser in Wein außerhalb jeder Erfahrung und daher unwahr im irdischen Sinn. Wenn daher Menschen sich dennoch darauf einigen, es zu glauben, sind sie sich klar darüber, dass sie eine Unmöglichkeit zu akzeptieren bereit sind, etwas, was nicht widerlegbar ist sondern nur eben glaubbar.

Daher sollten innerhalb der Gruppe der Gläubigen, keine Konflikte über diesen Glauben entstehen können, weil Irreales nicht beweisbar ist und daher ist es gar nicht so abwegig, abseits der laufend sich ereignenden Veränderungen an etwas festzuhalten, was unveränderlich bleiben kann. Man erleichtert sich damit die Änderung seiner Haltung gegenüber einer sonst als religiös definierten Idee. Christliche Österreicher können daher leichter ein Atomkraftwerk akzeptieren als fundametalistische Umweltschützer, weil ein Atomkraftwerk dem Christen die Religion nicht nimmt, wohl aber dem Umweltschützer. Und daher sollte die Religion nicht von dieser Welt sein.