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Samstag, 11. August 2007

Atheismus ist auch eine Religion

Kardinal Schönborn meint in einem Kurier-Artikel zu seinem neuen Buch, dass zwar die Religion eine Grunddimension des Menschen wäre, der Atheismus in Europa aber ein Sonderphänomen sei.


Religion ist die Vereinbarung eines Kollektivs, sich an vereinbarte überlieferte Konventionen zu halten. Ein Einzelner kann daher keine Religion haben, es handelt sich um ein Gruppenphänomen. Die Gruppe bestärkt sich wechselseitig in der Richtigkeit ihrer Haltungen und Handlungen. Beispielsweise besteht eine dieser Konventionen im Glauben an einen Gott. Wenn ein anderes Kollektiv an einen Gott nicht glauben kann, dann ist das auch eine kollektive Haltung und daher auch religiös. Ein Atheist wird vielfach als unreligiös bezeichnet, doch ist er gerade das nicht. Seinen Glauben an Keinen Gott teilt er mit allen anderen Atheisten und ist somit religiös, wenn auch nicht im Sinne einer organisierten Kirche. Doch eine den Atheismus predigende Partei hat nicht wenige Attribute einer Kirche. Sie versucht, den Menschen glaubhaft zu machen, dass es eben keinen Gott gäbe, gerade umgekehrt wie es Deisten tun.

Ein Atheist unserer Tage kann sich auch nie seiner kollektiven deistischen Vergangenheit entziehen, die immer eine kirchlich religiöse war. Auch eine atheistische Gesellschaft benötigt Werte, die sie natürlich aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit (die sehr wohl gottbezogen war) entlehnt.