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Sonntag, 5. August 2007

Warum Bush nicht Recht hat und "das Böse" nicht besiegen wird

Kaum hat die Welt dank Gorbatschov den Kalten Krieg überwunden, gerät sie erneut in ein Spannungsfeld, diesmal in einen kulturellen Gegensatz, der eine echte Herausforderung darstellt. Doch die Methoden der westlichen Frontmacht USA zeigen von Unwissen, Unverständnis und Unvermögen. Keine Lösung ist in Sicht.


Was wir im Konflikt zwischen dem Westen und den islamischen Ländern erleben, erscheint wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. So, als würden wir in unsere eigene Geschichte besser wissend eingreifen. So, als würden wir ein Kopfgeld auf Papst Urban II (11.Jhdt.) aussetzen, um seiner tot oder lebendig habhaft zu werden und seine unsägliche Agitation für einen Kreuzzug zu unterbinden. Und aus unserer Loge des 21. Jahrhunderts meinen, es besser zu wissen.

Welche Methoden wird wohl der Papst und seine Zeit gegen einen überlegenen Gegner aber mit Gott im Gepäck angewendet haben? Verhandlungen? Mit Ungläubigen?

Wie kann es sein, dass Vertreter desselben Glaubens, hier Christen, zu so unterschiedlichen Moralvorstellungen gelangen? Wie können Werte, wie Menschenrechte und Toleranz, die wir als hoch erachten, bei Papst Urban keinen Wert haben und warum verstehen wir nicht, dass ein Kampf zur Ehre Gottes für Ritter des 11. Jahrhundert der höchste Wert überhaupt ist?

Es ist einfach der Wohlstand (Siehe Peter Neuling in seinem Buch "Die acht Wohlstandgesetze"), der zur Folge hat, dass die Werte sich bei zunehmendem Reichtum der Bevölkerung wandeln. Jede Gesellschaft hat daher andere Werte und es ist nicht möglich, Papst Urban II im Nachhinein für seine Haltung zu verurteilen, da er seinen Appell zum Kreuzzug durchaus im Sinne der Werte seiner Zeit an die Ritter gerichtet hat.

Wenn wir aber unsere eigene Geschichte in diesem Licht betrachten, dann müssen wir akzeptieren, dass die höchsten Werte in der islamischen Gesellschaft eben Ehre und Religion sind und diesen Gesellschaften mit unserer Werteskala, die wieder Menschenrechte und Demokratie an erster Stelle hat nicht umgehen können, wie auch umgekehrt.

Ein Blick auf den Islam von heute ist daher wie ein Blick auf unsere eigene Vergangenheit. Aus heutiger Sicht erscheinen uns Kreuzzüge sehr grausam und ungerecht, weil wir eine andere Werteskala haben. Die Terroristen sind ebenso "das Böse" wie es die Kreuzritter vor einem Jahrtausend waren - oder eben nicht, weil aus ihrer jeweils subjektiven Sicht tun sie das Bestmögliche.

Wenn wir daher versuchen, in islamischen Ländern die Demokratie einzurichten, dann wird das scheitern, weil die dortige Werteskala die Demokratie nicht als hohen Wert anerkennt. Und das wird auch mit Waffengewalt nicht gelingen.

Daher sind Afghanistan und Irak nicht auf diese Weise zu demokratisieren. Die einzige - und sehr langfristige - Möglichkeit besteht in einer Aufwertung des Islam durch Investitionen in Bildung, Wirtschaft durch Austauschprogramme und was einem sonst noch einfällt, die alle das Ziel haben, die Armut in diesen Ländern zu verringern. Erst wenn diese überwunden ist, kann man hoffen, dass eine Bewegung im Sinne der europäischen Aufklärung einsetzt und einen Demokratisierungsprozess einleitet.

Dazu brauchen wir keine Waffen und keine Kriege, nur Geduld und Geld. Wenn wir unsere Wohlstandstürme nicht ganz so hoch in den Himmel richten, verarmen wir deswegen noch nicht aber diese Geld könnten wir in einen neuen Marschall-Plan investieren. Allerdings dürfen wir nicht erwarten, dass dieser Plan so, wie seinerzeit nach dem zweiten Weltkrieg in einem Jahrzehnt erfolgreich ist, zu groß ist der Aufholbedarf aber ich bin sicher, ein solcher Plan würde das Antlitz des Islam verändern, vielleicht in eine Form, wie er sich von einem Jahrtausend bereits präsentiert hat.