Seiten

Dienstag, 8. Januar 2008

Türkei europareif?

Eine Homepage eines vorarlberger Fußballklubs wurde gehackt und Terrordrohungen wurden ausgesprochen; wegen der österreichischen Haltung gegenüber Kurden. 


Ich kenne weder Türken noch Kurden persönlich - und so wie mir wird es vielen Österreichern ergehen. Wie legt man sich daher in einem solchen Konflikt fest? Warum ergreift man Partei für die eine oder andere Seite?

Ich weiß nicht, wie vielen es wie mir ergeht, dass ich mir in diesem Zusammenhang oft bewusst und öfter wahrscheinlich unbewusst die Geschichten von Karl May in Erinnerung rufe, egal ob sie historisch korrekt sind oder nicht. Aber der Autor zeichnete von den Völkern, die er beschrieb, also auch von den Kurden, immer ein sehr positives Bild. Meine Einstellung zu den Völkern des Nahen Ostens ist sicher von dieser Jugendlektüre stark beeinflusst. Und wer kennt sie nicht, die Erzählung "Durch das wilde Kurdistan".

Dazu kommt, dass man gerade als Bewohner eines kleinen Landes und gerade mit der österreichischen Vergangenheit instinktiv Sympathie für Bestrebungen zur Eigenständigkeit kleinerer Volksgruppen hegt. Denn wie leicht kann es geschehen, dass man selbst in eine ähnliche Rolle gerät wie es Kurden, Kosovo-Albanern, Kosovo-Serben, Südtirolern ... erging/ergeht und daher die eigene Reaktion nichts anderes ist als der Ausdruck dessen, dass man sich in die Rolle des jeweils schwächeren Parts versetzt. Dass es uns Österreichern gelang, einen eigenständigen und erfolgreichen Weg nach 1945 einzuschlagen, wollen wir anderen nicht vorenthalten.

Schließlich wurde ein österreichischer Lehrer am deutschsprachigen St. Georgs-Kolleg in Istanbul nach Hause (nach Österreich) geschickt weil er im Geografie-Unterricht den Begriff "Kurdistan" verwendet hat. 

Ein Nationalismus, den man bei uns nur mehr in Randgruppen kennt, der aber in diesem Fall einen ganzen Staat erfasst und der sogar mit Terror gegen andere Staaten droht, hat derzeit in Europa keinen Platz. Sollte die Türkei wirklich nach Europa wollen, dann muss sich die in unseren Augen als intolerant empfundene Haltung ändern. Ein Gradmesser dafür ist die Einstellung des türkischen Staates zur Bestrebung der Kurden nach einem wenigstens autonomen Status. 

Ab wann eine sich unterdrückt fühlende Bevölkerungsgruppe zur Gewalt greift, können wir aus unserem Blickwinkel kaum nachvollziehen. Aber als Österreicher wird man eher einer Eigenständigkeit - wessen auch immer - als seiner Unterdrückung das Wort reden. PS: Türkei 73 Mio, davon 14 Mio Kurden. Im bewaffneten Kampf zwischen dem türkischen Staat und der PKK sind bis 1999 35.000 Menschen getötet worden, größtenteils kurdische Zivilisten. (Quelle Wikipedia-> Kurden -> Tükei)

PPS: Zwar ist zwischen dem Verhindern zweisprachiger Ortstafeln und bewaffnetem Terror ein großer gradueller Unterschied aber auch über die Europareife Österreichs kann man geteilter Meinung sein.