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Samstag, 21. November 2009

Wir neigen dazu, Ursache und Wirkung zu vertauschen

In einem Gespräch mit einem Kollegen hieß es sinngemäß, dass es nur eines Idioten (Napoleon, Hitler) bedürfe, um eine Katastrophe herbeizuführen.


Ich bin nicht der Meinung, dass nur die individuellen Personen Napoleon oder Hitler für die Katastrophen verantwortlich sind. Beide sind das Produkt der jeweils vorangegangenen Zeiten. Napoleon wäre ohne das Machtvakuum nach der Revolution nicht an die Macht gekommen und Hitler nicht ohne die durch den ersten Weltkrieg geschaffenen Verhältnisse.

Man kann auch nicht sagen, dass Strache für die Unmenschlichkeit und Fremdenfeindlichkeit in der Bevölkerung verantwortlich ist. Es ist genau umgekehrt: Strache ist möglich, weil die klassische humanistische Ausbildung versagt hat. In Strache zeigt sich nur die wahre Seele eines Teils der Österreicher, leider oft die Seele der Jugend.

Weil es Schulen mit geringem Anteil an wertebildenden Inhalten gibt, (im heutigen Morgenjournal auf Ö1 wurden explizit die Berufsschule genannt), ist Strache möglich. Weil längst überfällige Schulreformen nicht stattfinden. Man kann heutzutage nicht 15jährige in den Berufsalltag entlassen so wie zu Maria Theresias Zeiten. Strache ist nur ein Produkt der Politik der roten und schwarzen Duldungspolitik gegenüber dem dritten Lager. Und wenn es nicht Strache ist, dann findet sich ein anderer, wie wir ja beim ideologischen Zwist zwischen Haider und Strache gesehen haben. 

Wenn es ums Wetter geht, hört man oft, dass sich die Sonne versteckt, obwohl jeder weiß, dass die Wolken sich vor die Sonne schieben. Man sagt, das sich die Sterne am Nachthimmel bewegen, obwohl man weiß, dass sie das nicht tun. 

So ist es auch mit dem Geschichtsbild. Napoleon, Hitler und Strache werden als Schuldige genannt, obwohl es eigentlich die Verhältnisse und oft wir selbst sind, die diese Figuren ermöglichen.

"wie soll ich wissen, was ich denke bevor ich höre, was ich sage" (Titel eines Taschenbuchs von Bernard Thurnheer)