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Dienstag, 22. November 2011

Wenn die Börsenkurse fallen...

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Kurt Tucholsky 1930
*1890 - +1935

Freitag, 2. September 2011

Pro Linksvorrang

Ein Kreisverkehr war immer schon ein Mittel zur Beruhigung komplexer Kreuzungssituationen. In den letzten Jahren ist aber der Kreisverkehr auch ein allgemeines Rezept zur Verkehrsverlangsamung und auch zur Vermeidung von Geisterfahrern, kurz zu einem Allheilmittel für Verkehrsprobleme geworden.

So ein Kreisverkehr ist eine Art künstlicher Schikane, die indirekt das Gaspedal von Rasern steuert; weniger aber durch den Kreisverkehr selbst sondern dadurch, dass dem Kreisverkehr Vorrang gegeben wird und dadurch der Einfahrende langsamer werden muss.

Optional sind üppig gestaltete Fels- oder Blumenarrangemenents in der Mitte des Kreisverkahrs, die dem potentiellen Raser die Sicht nehmen. Ob sich dieser dann mangels Sicht für eine Verlangsamung der Fahrt entscheidet (und daher der Kreisverkehr wie gewünscht funktioniert) oder er den Kreisverkehr nur als eine willkommene Abwechslung der rasenden Fahrt versteht, kann schwer vorausgesagt werden. Fest steht aber, dass ganz allgemein Unfälle mit Todesfolgen zurückgehen und wahrscheinlich auch die Kreisverkehre ihren Anteil daran haben.

Das Problem, das ich sehe, ist, dass es jetzt zunehmend zwei völlig verschiedene ungeregelte Kreuzungssituationen gibt, nämlich die im Stadtgebiet üblichen ganz normalen Kreuzungen mit Rechtsvorrang und die Kreisverkehre mit Linksvorrang. Je mehr Kreisverkehre auf einer Fahrstrecke liegen, desto häufiger kommt es zu dem "wo-schaue-ich-zuerst-hin"-Problem.

Würde man zu einer generellen Regel des Linksvorrangs übergehen, erledigt sich das Problem, denn dann würde bei allen ungeregelten Kreuzungen dasselbe Prinzip gelten: der Linkskommende hat Vorrang.

Wunder gestern und heute

Früher war alles in der Natur ein Wunder, heute sind zwar vieles erklärt, die Welt der Technik kreiert aber an der Stelle der früheren Wunder viele neue Wunder, die von den Menschen genau so wenig verstanden werden wie früher.


Wunder hängen damit zusammen, dass man sich etwas nicht erklären kann und dieses Ereignis in diese Kategorie einreiht. In früheren Epochen zählte praktisch alles dazu. Menschen waren ungebildet, abhängig von den Wissenden, die ihnen Wissen in erträglichen und der Sache dienenden Portionen zuführten. Was von der Kanzel nicht erklärt wurde, war ein Wunder. Für Christen ein sichtbares Wirken Gottes auf dieser Welt, für meinen Urgroßvater, der an mährischen Teichen des Nachts phosphoreszierendes morsches Holz beobachtet hatte, waren es Wassermänner und Nixen (die Tschechen waren schon immer distanziert gegenüber dem christlichen Glauben).

Mit der Neuzeit, den Entdeckungen, der stärker werdenden Rolle der Wissenschaften wurden viele der bisherigen Rätsel gelöst, die Wunder wurden in den Bereich des Erklärbaren geholt, Die Domäne des Wunderbaren beschränkte sich zunehmend auf kleiner werdende Bereiche, die noch dazu im täglichen Leben ohnehin nicht sichtbar sind. Ob ein Atom nun das kleinste Teilchen ist oder noch weiter geteilt werden kann oder seine Bausteine noch weiter geteilt werden können, ist zwar wissenschaftlich interessant aber dem Normalverbraucher doch ziemlich egal.

Wenn es also auch nicht so ist, der moderne Durchschnittsmensch hat das Gefühl, dass Wunder im Sinne von Schöpfung, Unerklärliches auf dieser Welt nicht vorkommen. Nicht, dass er selbst alle Vorgänge verstehen würde. Nicht der Einzelne verfügt über das Wissen über die verborgenen Mechanismen sondern die Menschheit insgesamt.

Mit zunehmender Technisierung der Welt entstehen moderne Wunder. Unsere Welt wird gebildet von einen Unzahl mehr oder weniger nützlicher Produkte, die durch moderne Technik möglich wurden. Wir modellieren die Welt nach unseren Bedürfnissen. Trotzdem die Menschen insgesamt diese Welt formen, bleiben doch dem Einzelnen die Wirkungsweise der komplexen Zusammenhänge verborgen. So klar dem Menschen die Bedienung eines Telefons ist, so wenig versteht er von den Warums und Wies seiner Funktionen. Warum es überhaupt funktioniert und auf welchen physikalischen Grundlagen es beruht. Man ist geneigt von modernen Wundern zu sprechen und doch besteht ein Unterschied zu der mittelalterlichen Wunderwelt. Damals schienen alle Dinge, die man benutzte, wie Geschenke Gottes, heute sind sie selbstgemacht. Das Rätsel darüber aber ist gleich. Nur wird heute niemandem einfallen, die modernen Wunder als Gottes Geschenk oder Schöpfung zu benennen; warum aber nicht? Was wäre der Unterschied?

Wir sind ein Werkzeug der Schöpfung. Wir beschleunigen die Evolution und schaffen eine neue Welt in der natürlichen Welt. Mit neuen Rätseln, neuen Herausforderungen, und wer letztlich dahintersteckt, das wissen wir heute so wenig, wie von Tausenden Jahren.

Warum gibt es so viel Leid in der Welt?

Diese Frage von Barbara Stöckl im KURIER vom 9.8.2007 beantwortet Kardinal Schönborn so: Die Antwort, meint er, müsse man „oben“ erfragen, so man einst die Gelegenheit dazu hat.


Die Welt ist so, wie wir sie kennen. Folgen wir der alten Idee einer Schöpfung (obwohl wir inzwischen wissen, dass es sie im wörtlichen Sinne nicht gibt), dann muss alles Seiende einen Sinn haben, also auch das Leid. Sinnloses überlebt nicht all zu lange. Es ist eine zu einfache Erklärung, dass es eben Gottes Wille wäre, dass manche Menschen leiden und andere nicht. Die Wahrheit ist, dass überhaupt nur das Leid und – wenn man so will, das Böse – die Geschicke dieser Welt leitet und nicht eine von allen gewollte friedliche Koexistenz.
  • Jedes Virus stählt unsere Abwehrkraft.
  • Jede Wange, die wir einem Gegner hinhalten bestärkt uns in unserer Rolle als Christ.
  • Ohne Krankheiten gäbe es keine Medizin.
  • Ohne Faulheit gibt es keine Erfindungen.
  • Ohne Klimaänderung gibt es keinen Klimaschutz.
  • Die Art, wie wir unsere Behausungen bauen wird nicht durch die sonnigen Tage sondern durch Stürme und Niederschläge geprägt.
  • Das Schloss in der Tür wäre ohne Einbrecher nicht nötig.
  • Wer braucht Arbeit? Wenn uns etwas Spaß macht, ist es eigentlich keine Arbeit und scheint sicher zu sein, nur, wenn jemand etwas mit einer inneren Freude macht, gelingt es auch zufriedenstellend.
  • Armin Wolf stellte in der ZIB-2 zwei österreichische Weltmeister im Jonglieren vor. Sein Kommentar: „Was man alles tun kann, um nicht arbeiten zu müssen.“

Stell Dir vor eine Semmel kostet 25,- Euro!

Geldentwertung? Keineswegs! Ganz normaler Breitbandtarif.


Und wie kommt man auf die 25,- Euro?

Ganz einfach: Bei Deinem Bäcker wird angeboten: 50 Semmeln pro Monat um 12,- Euro. Du rechnest nach: 24 Cent pro Semmel. Das ist OK, Du kaufst. Du bezahlst bei Deinem Bäcker am Monatsersten 12,- Euro und darfst dann Semmeln holen wann immer Du willst; täglich zwei oder 14 jeden Montag, oder alle auf einmal.

Lies aber auch das klein Gedruckte.

Wenn Du zum Beispiel Besuch bekommst, daher momentan mehr Semmeln brauchst und dann gegen Monatsende Dein Semmelkontingent von 50 Semmeln aufgebraucht ist, zahlst Du für jede weitere Semmel 25,- Euro!

Rechne nach am Beispiel des Breibandtarifs von A1: 5 GB um 12,- Euro, jedes weitere MB 0,25 Euro.

50 Semmeln entsprechen 5000 MB = 5GB und kosten 12,- Euro.

Eine Semmel entspricht 100 MB und kostet 0,24 Euro.

Die 51. Semmel (das sind weitere 100 MB) aber kostet 25 Euro, weil ein 1MB zusätzlich 0,25 Euro kostet.

Ein unredlicher Vertrag! Der Preis der 51. Semmel ist durch keinen fertigungstechnischen Umstand zu rechtfertigen und zwar wegen der Freizügigkeit des Bezugs der ersten 50 Semmeln. Wäre die Produktion der ersten 50 Semmeln zum Beispiel an eine nicht zu übersteigende Fertigungsmenge eines regelmäßigen Bezugs gebunden (2 Semmeln pro Tag), dann könnte man eventuell verstehen, dass man die 51. Semmel wegen fehlender Fertigungskapazitäten teuer zukaufen müsste. Weil aber beim Bezug der ersten 50 Semmeln absolute Freizügigkeit besteht, denn man kann ja alle an einem beliebigen Tag verbrauchen und das können alle anderen Kunden auch, gibt es keinen technischen Grund für den hohen Preis der 51. Semmel außer den der gezielten Abzocke.

Wozu wir eine Regulierungsbehörde haben, verstehe ich nicht. In einer kaufmännischen Schule lernt man solche Kalkulationen nicht.

Was mich besonders stört, ist der Umstand, dass es zu diesem Modell kein Alternativmodell gibt, in dem Sinn, dass man zahlt, was man konsumiert, auch wenn dann das MB teurer wäre.

Samstag, 20. August 2011

Wie religiöse Menschen ein Unglück interpretieren

Taoist: Ein Unglück passiert einfach.

Buddhist: Eigentlich ist ein Unglück gar keines.
Hinduist: Dieses Unglück ist eigentlich schon früher passiert.
Moslem: Ein Unglück ist der Wille Allahs.
Katholik: Unglück passiert, weil man es verdient.
Protestant: Jemand anderen soll das Unglück treffen.
Jude: Warum passiert das Unglück immer uns?

Symptombekämpfer Sebastian Kurz

Laut Integrationsbericht seien Menschen mit Migrationshintergrund deutlich öfter von Arbeitslosigkeit betroffen, vor allem Frauen. Diese Zielgruppe solle vom AMS künftig besser betreut werden, sagt Kurz. (ORF, 20.8.2011)


Wir werden aber die Frauen beim AMS nicht erreichen, weil sie dort nicht vorstellig werden. Man muss vielmehr dafür sorgen, dass Religion nicht Gegenstand staatlich geförderten Unterrichts ist. Also keine Islamschulen - und natürlich auch keine katholischen Schulen.

Dienstag, 5. Juli 2011

Koschere Makkabiade

Für Nicht-Juden ist es kurios zu hören, wie viel Aufwand man bei der Makkabiade betreibt, um die Küche koscher zu gestalten. Warum tut man sich das an? 


Ich meine, es ist eine Maßnahme, die Gruppe der Juden beisammen zu halten. Sie verhindert Assimilation, erzeugt eine Parallelwelt und sichert so das Überleben in der Diaspora. 

Makkabiade

Ach ja: viele Gläubige werden wohl an die Richtigkeit dieser biblischen Zitate glauben, die schließlich zu den rigorosen Speisevorschriften führen. Und das wieder teilt die Menschen der Welt (bezüglich eines dieser vielen Glauben) in drei Gruppen: die Naiven, die es glauben, die Wissenden, die es für den eigenen Vorteil nutzen und die Außenstehenden, die mit dem Kopf schütteln; denn jede dieser Eigenarten kategorisiert die Menschen in die, die dazugehören oder eben nicht: ein weiteres separatistisches Element, noch dazu eine "Wahrheit", über die man nicht einmal diskutieren kann. Letztlich die Ursache für den unlösbar scheinenden Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern und für viele andere historische und gegenwärtige Konflikte. 

Brauchen wir das wirklich?

Donnerstag, 9. Juni 2011

Was glaubt der Papst?

Eine witzige Frage ist für mich immer: "Was glaubt der Papst?" Und wenn schon nicht Benedikt, dann wenigstens Urban (der Kreuzzugpapst). Es gibt nur zwei Möglichkeiten: er glaubt's wirklich, dann werden die Christen von einem (Ver)irr(ten) geleitet oder er glaubt's nicht, dann führt er seine Herde in die Irr(e). "Irr" ist es in jedem Fall. 

Montag, 23. Mai 2011

Der erste Ohrwurm der Musikgeschichte

Der erste (aufgezeichnete) Ohrwurm der Musikgeschichte könnte der Kanon von Pachelbel gewesen sein; und wer weiß, vielleicht hat auch der wo mitgehört, was aber nicht aufgezeichnet ist. Kanon und Gigue in D-Dur


Dieser Kanon hat sogar eine eigene Homepage und dort sieht man, wie viele Derivate es davon gibt.

Es gibt auch eine Version von den BeeGees (Spicks and Specks) und "Love is All Around" . Man sieht, dass die ersten 4 Akkorde von "Let it be" erst die Hälfte des Pachelbel-Kanons sind. Hier wird das sogar parodiert.

Alle 36 Songs dieselben 4 Akkorde

Montag, 16. Mai 2011

Entropie und Evolution

In seinem Blogeintrag Was ich schon immer über Entropie wissen wollte beschreibt Prof. Heinz Oberhummer das Wesen der Entropie.


Am Anfang der Zeit gab es keine Unordnung. Seither nimmt sie aber unaufhörlich zu.

Mit der Evolution (materielle, biologische, kulturelle...) widersetzt sich das Universum gegen die Zunahme der Entropie. Es ist der Versuch, eine Ordnung gegenüber dem Zufall zu behaupten. 

So, wie sich viele Dinge gegenüber Veränderungen standhaft wehren, wie zum Beispiel Masse gegen Bewegung durch Trägheit, Strom gegen Änderungen durch Magnetfelder. 

Und umgekehrt funktioniert das auch, weil ja dem kreativen Geist der innere Schweinehund entgegensteht.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Der Wilde Westen lebt

Amerikanischen Präsidenten haftet das Flair des Wilden Westens an. Sie werden nicht wiedergewählt, weil sie kluge politische Entscheidungen treffen sondern weil man ihre Aktionen in Wild-West-Manier bejubelt; seien es Kriege, Interventionen oder Kommandoaktionen. Ein kleines Stück John Wayne steckt offenbar in jedem Amerikaner, wenigstens aber in ihren Präsidenten.

Donnerstag, 28. April 2011

Das Jahr 2011

Dieses Jahr erleben wir vier unübliche Daten: 1.1.11, 1.11.11, 11.1.11, 11.11.11. 


Und das ist noch nicht alles. Nehme die zwei letzten Ziffern deines Geburtsjahres, füge das Alter dazu, das Du heuer erreichen wirst, und das Resultat wird 111 sein – für alle! 

Das ist das Jahr des Geldes! 

Der kommende Oktober wird 5 Sonntage, 5 Montage und 5 Samstage haben. Das passiert nur alle 823 Jahre. Diese besonderen Jahre haben den Ruf des Reichtums.

Ein Sprichwort sagt, wenn Du das an acht gute Freunde weiterleitest, wird das Geld innerhalb von vier Tagen erscheinen. So erklärt es das chinesische Feng-Shui.

Samstag, 23. April 2011

Von der Unmöglichkeit allein durch Zufall etwas zu erreichen

In seinem Artikel Keine Evolution durch blinden Zufall meint Kardinal SchönbornJedes Denksystem, das die überwältigende Evidenz für einen Plan in der Biologie leugnet oder weg zu erklären versucht, ist Ideologie, nicht Wissenschaft. und weiter Aber angesichts eines Universums, in dem eine solch komplexe Organisation seiner Elemente und eine so wunderbare Zielgerichtetheit in seinem Leben vorhanden ist, von Zufall zu sprechen, würde gleich bedeutend damit sein, die Suche nach einer Erklärung der Welt, wie sie uns erscheint, aufzugeben. In der Tat würde dies gleich bedeutend sein damit, Wirkungen ohne Ursache anzunehmen. Es würde die Abdankung des menschlichen Verstands bedeuten, der auf diese Weise sich dem Denken und der Suche nach einer Lösung für die Probleme verweigern würde.


Es gibt nur zwei Möglichkeiten:

  • alles ist geplant (alles)
  • nichts ist geplant

Wenn man beginnt, manche Dinge als geplant, andere als ungeplant zu betrachten, wird es subjektiv. Menschen neigen dazu, Dinge, die sie persönlich betreffen als geplant, andere aber, die sie nicht betreffen, als zufällig zu betrachten. Die persönlichen nennen wir "Schicksal".

Wenn alles geplant ist (alles), dann ist auch das fallende Blatt im Herbst geplant, das zerfallende Atom, der sterbende Mensch, der geborene Mensch oder Feuersalamander. Viel Arbeit für den Schöpfer. Ist aber kein Problem, er ist allmächtig und damit kann man alles erklären. Wenn wir diese Variante als plausibel annehmen, dann ist unser Handlungsspielraum Null, weil ja alles geplant ist. Wo ist hier Platz für unsere Entscheidungen? Welchen Sinn hat eine Handlung? Wie auch immer sie ausgeht, eine Allmacht wusste das Ergebnis. 

Ist es nicht der Freiheit des Menschen und der Welt viel angemessener anzunehmen, dass nichts geplant wäre? Ob unsere Handlungen eine Wirkung auf die Umwelt haben, ob die Umwelt durch sie verändert wird, das ist eine offene Frage, die im Nachhinein zu beantworten ist und die durch Verantwortung getragen wird, die uns niemand abnehmen kann.

Wesentlich ist nach meiner Ansicht, dass alle Objekte dieser Welt nicht unabhängig sind, sondern über ihre Eigenschaften zur Wechselwirkung "geboren" sind. Die Frage, woher sie diese Eigenschaften haben, kann man nur in der Kette der evolutiven Ereignisse sehen.

Während die Frühzeit des Universums nur den Atomphysikern zugänglich ist, können wir mit der Zeit ab etwa einer Million Jahren etwas mehr anfangen, da es nunmehr Atome gibt, denen eine Masse zugeschrieben werden kann. 

Es gibt nur Wasserstoffatome. Sie sind ungeladen und besitzen eine Masse. Sie können sich bewegen und füllen den Raum gleichmäßig in einer zufälligen Anordnung aus. 

Nehmen wir nun an, dass im Falle einer Konzentration einer ausreichenden Zahl dieser Atome an einem Ort eine Sternengeburt stattfinden könnte, in der dann Wasserstoffatome zu Heliumkernen fusionieren, dann untersucht das folgende Experiment wie das zufällig geschieht und das zweite Experiment, wie das unter dem Einfluss der gegenseitigen Anziehung geschieht. 

Experiment 1

Wir stellen uns masselose Pixel vor, die auf einem Spielfeld angeordnet sind. 

Die Aufgabe wäre, die Pixel auf einem quadratischen Feld so anzuordnen, dass sie alle nebeneinander zu liegen kommen. Ein Versuch hat mit dem nächsten Versuch nichts zu tun, so wie das beim Würfeln der Fall ist. 

Das ist eine einfache Aufgabe für einen Zeichner aber es zeigt sich, dass der Zufall ziemlich lang mit einer solchen Aufgabe beschäftigt ist.

Es gibt 4! Möglichkeiten 4 Objekte anzuordnen, das wären 24. Da aber zwei und 2 jeweils gleich sind, gibt es nur 2!*2!, daher 2!*2!/4!

PixelzahlFeldgrößeFormelAnordnungen
244!/2!*2!6
399!/3!*6!84
41616!/4!*12!1820
52525!/5!*20!53130
98181!/9!*72!260.887.834.350
10100100!/10!*90!17.310.309.456.440
1001000010000!/9900!*100!Überlauf

Beispiel für 4 Objekte in einem 16-Pixel-Feld

Von diesen Möglichkeiten gibt es folgende 9 günstige Fälle:
**.. .**. ..** .... .... .... .... .... .... 
**.. .**. ..** **.. .**. ..** .... .... .... 
.... .... .... **.. .**. ..** **.. .**. ..** 
.... .... .... .... .... .... **.. .**. ..** 
Man muss daher die Pixel 1820/9 = 202 Mal anordnen, um eine dieser Kombinationen zu finden.

Beispiel für 9 Objekte in einem 91-Pixel-Feld

Von diesen Möglichkeiten der unterschiedlichen Anordnung gibt es 49 günstige Fälle:
***...... .***..... ..***.... ...***... ....***.. .....***. ......*** 
***...... .***..... ..***.... ...***... ....***.. .....***. ......*** 
***...... .***..... ..***.... ...***... ....***.. .....***. ......*** 
......... ......... ......... ......... ......... ......... ......... 
......... ......... ......... ......... ......... ......... ......... 
......... ......... ......... ......... ......... ......... ......... 
......... ......... ......... ......... ......... ......... ......... 
......... ......... ......... ......... ......... ......... ......... 
......... ......... ......... ......... ......... ......... ......... 
Diese Anordnung der 9 Pixel kann man noch 7 Mal wiederholen, daher gibt es 49 günstige Fälle.

Wie oft muss man daher die Pixel zufällig anordnen, um eine der günstigen Varianten zu erhalten? 260.887.834.350 / 49 = 5.324.241.517 Mal. Wenn wir jede Sekunde einen Versuch starten, brauchen wir 169 Jahre, bis wir zufällig eines der gesuchten Muster finden.

Um das Experiment zu veranschaulichen, schreiben wir ein Programm, mit dem die Teilchen immer wieder zufällig angeordnet werden.

Experiment 2

Wir nehmen nun an, dass die Teilchen eine Masse hätten. Masseteilchen können sich bewegen aber nicht springen. Wir schreiben daher das Programm um und versehen die Teilchen mit einer Geschwindigkeit. Unser kleines Universum hätte keinen Rand, die Teilchen, die an einem Rand auf Grund ihrer Bewegung verschwinden, erscheinen am gegenüber liegenden Rand, die Spielfläche entspricht daher der Oberfläche einer Kugel. Zusammenstöße regeln wir so, dass die Teilchen ab dem Zusammenstoß ein "unzertrennliches Paar" bilden und die doppelte Masse annehmen und die gemeinsame Geschwindigkeit aus der Summe der Vektoren der Einzelgeschwindigkeiten resultiert.

Bei diesem Experiment werden Teilchen, die zufällig zusammenstoßen und danach ein Paar bilden immer mehr werden, bis schließlich nur mehr ein Teilchen verbleibt, das die Masse aller bisherigen Teilchen in sich vereint. 

Damit das Programm aber funktionieren kann, müssen wir die Seitenlängen auf eine teilerfremde Primzahl einstellen.

Experiment 3

Wir nehmen nun an, dass diese Teilchen eine Masse hätten.

Wir nehmen nun an, dass diese Pixel eine Masse hätten. Die Masse bewirkt eine gegenseitige Anziehung. Die benachbarten Pixel ziehen sich mehr an als die weiter entfernten. Eine folgende Anordnung ist daher nicht ganz unabhängig von der vorigen, weil sich die Teilchen nicht beliebig voneinander entfernen können, da sich ihre Wege gegenseitig beeinflussen. Haben sich also zwei Teilchen etwas angezogen, dann ist der zukünftige Ort auf Grund ihrer Eigenbewegung nicht mehr willkürlich sondern hängt mit der Nachbarschaft zu den anderen Teilchen zusammen. 

Für dieses Experiment wird das Programm geschrieben, mit dem die Teilchen zunächst zufällig angeordnet werden und danach ihre Bewegungsrichtung gemäß der gegenseitigen Anziehung korrigiert wird.

Sonntag, 17. April 2011

Multiversen ja, aber nicht unendlich viele

Feinabstimmung der Naturkonstanten

Die Naturkonstanten in unserem Universum dürfen nach den Arbeiten von Professor Heinz Oberhummer nicht um mehr als wenige Zehntelprozent anders sein als sie eben sind, damit es Leben und uns selbst geben kann. 

Ein Fressen für Kreationisten.

Der Weg zum Multiversum

Eine solche Einmaligkeit unseres Universums würde aber allen anderen Gegebenheiten widersprachen, denn alles andere in dieser Welt ist von einer Vielzahl seiner einzelnen Objekte geprägt. Galaxienhaufen, Galaxien, Sterne, Planeten, Monde... Diese Objekte sind untereinander ähnlich aber nicht gleich. Das trifft auch für die belebte Welt auf der Erde aber auch für die allgemein kulturelle, wirtschaftliche und technische Entwicklung zu. Wo man hinschaut, Vielfalt; nur unser Universum sollte einmalig sein!

Der Grund für diesen Eindruck sind die Begrenzungen durch die Beobachtungsmöglichkeiten, die es uns nicht erlauben, weiter zu blicken als es der Geschwindigkeit des Lichts entspricht. Andere Universen können wir daher nicht sehen; eventuell könnte das durch Wechselwirkungen mit benachbarten Universen aber indirekt doch beobachtet werden. 

Dass es andere Universen nicht geben sollte, wäre höchst unwahrscheinlich. 

Wenn wir die Gegebenheiten unserer Welt auf die uns unzugängliche Welt außerhalb unseres Universums verallgemeinern, müssen wir schließen, dass auch unsere Universum nur eines unter vielen anderen ist.

Nur aus einer Vielfalt von Universen kann zufällig auch eines entstehen, das für Leben geeignet ist. Wenn die Zahl der zufällig entstandenen Universen sehr groß ist, besteht auch eine reale Wahrscheinlichkeit, dass eines wie das unsere ensteht.

In einer Vielfalt von Universen existieren viele Universen gleichzeitig und werden auch laufend weitere Universen mit verschiedensten Anfangsbedingungen geboren. Viele davon werden lebensfeindlich sein, aber manche so ähnlich wie das unsere. Das Modell mit den Seifenblasen in der Badewanne ist sehr plastisch.

Man stellt sich daher vor, unser Universum wäre gar nicht einmalig, vielmehr gäbe es (beliebig) viele davon, Multiversen eben. Und in einem dieser Universen ist die Welt so, wie wir sie kennen. Und alle anderen Möglichkeiten sind in den vielen anderen Universen zu finden. 

Unendliche Welt

Giordano Bruno hat allein aus theologisch-philosophischen Gründen ein unendliches Weltall postuliert, weil nur eine unendliche Schöpfung der Allmacht Gottes genügen würde. Eine beachtliche Idee, die sich zwar als falsch herausstellen sollte aber sie entsprach der späteren Beschreibung besser als die damaligen Lehrmeinung der Kirche.

Gerade die unendliche Ausdehnung des Weltalls sollte sich aber als falsch herausstellen. 

Der Vorteil der Vorstellung einer unendlich ausgedehnten Welt wäre ihre endgültige Erklärung, denn wenn das gesamte Weltall aus ähnlichen Strukturen wie den uns bekannten bestehen würde, dann wäre es mit diesem Modell vollständig erklärt. Die Frage nach einem dahinter oder davor würde sich nicht stellen. Das Universum wäre ewig und unendlich. 

Tatsächlich macht uns das Universum diese Freude nicht, unendlich ausgedehnt zu sein, vielmehr ist es endlich in Zeit und Raum und daher besteht Erklärungsbedarf für seine Entstehung.

Unendlich viele Universen

Die Multiversentheorie postuliert nun nicht einfach andere Universen neben dem uns bekannten sondern unendlich viele davon. Aber nicht nur in dem Sinn einer unendlichen Folge von Zahlen, sondern eine Pluralität, die alle möglichen Anordnungen aller uns bekannten Elemente enthält mit allen ihren Variationen. Etwas, was wahrlich alles Vorstellbare übersteigt. Ein Unendlich einer unglaublichen Mächtigkeit.

Man stellt sich vor, dass es alles, war wir kennen und erleben nicht nur anderswo auch gibt, sondern dieses auch in jeder beliebigen anderen Variante. 

Multiversum heißt, dass das, was wir erleben in einem anderen Universum auch ganz anders ablaufen kann und zwar in Bezug auf jedes beliebige Detail dieser Welt. Also es gibt eine Welt, in der das Fahrrad in China nicht umfällt, eine Welt, in der China gar nicht existiert und eine, in der Rapid in jeder Saison Meister wird und eine in welcher das 356. Atom das in unserer Welt zerfällt eben nicht zerfällt. Unendlich eben. Und unsere Welt sei nur eine konkrete Auswahl aus dieser Unendlichkeit. 

Also es gäbe eine Welt, in der diese Zeilen nicht geschrieben werden, weil der Autor gerade was Besseres zu tun hätte oder weil er vielleicht gar nicht auf die Welt gekommen wäre, weil es in der Habsburgermonarchie keine Migration von Tschechen nach Wien gegeben hätte. Aber Achtung: jede erdenkliche andere Variante würde in diesen Universen ebenfalls existieren. Auch eine solche, in der gar keine Erde existiert. 

Die Entdecker dieser Theorie zeigen eine Denk-Möglichkeit auf ohne aber konkrete Hinweise auf ihre reale Existenz zu haben. Der Ansatz, in dem wir nur eines von vielen möglichen Universen bewohnen, ist plausibel. Dass es aber unendlich viele geben soll, erinnert an die Idee von Giordano Bruno, denn sie würde die Frage nach dem Davor und Daneben klären.

Warum ist es zweckmäßig anzunehmen, dass es viele Universen gibt?

Jeder einmalige Objekt in unserem Universum, sei es ein Mensch, eine biologische Art, ein Planet oder ein Stern existiert ausschließlich im Verband vieler gleichartiger Objekte, die alle ähnlich aber nicht identisch sind. Unsere Heimat ist eine Galaxie, aus der wir auf Grund der Gegebenheiten der Physik nicht hinausschauen können. Aber wegen des vielfachen Vorhandenseins aller uns umgebenden Objekte können wir schließen, dass auch das Objekt, dem wir angehören, nur eines von vielen ist, auch, wenn wir diese anderen nicht direkt wahrnehmen können.

Erst das vielfache Auftreten von Galaxien bietet eine endliche Wahrscheinlichkeit dafür, dass auch eine solche entsteht, die schwere Elemente bilden kann und die in weiterer Folge zu Planetenbildung führt und schließlich auch zu Leben.

Der Grund ist die sonderbare Einmaligkeit der Naturkonstanten. Ganz wesentlich für die Entstehung von Planeten ist, dass es Sterne gibt, die die Größe unserer Sonne weit übersteigen. Diese Sterne sind nämlich am Ende ihres Lebenszyklus die Brutöfen für schwere Elemente, aus denen sich Planeten also auch unsere Erde zusammensetzen. Und diese großen Sterne können nur entstehen, wenn die ursprüngliche Energiemenge im Urknall nicht viel kleiner ist als es eben der Fall ist. Dazu kommen noch weitere Randbedingungen, die zum Beispiel für die Menge des entstandenen Kohlenstoffs verantwortlich sind, der für die Entstehung von Leben erforderlich ist.

Und genau so wie nicht jede Sonne von Planeten umrundet wird und auch nur wenige Planeten Träger von Kohlenstoff-Leben sein können, werden auch nur wenige dieser Galaxien solche Voraussetzungen haben.

Unsere Galaxie ist nun so beschaffen, dass sie Leben auf der Erde beherbergen kann und wahrscheinlich wird das auch auf vielen anderen Planeten im Universum der Fall sein. Wir können aber ebenso sicher sein, dass es nicht mit dem unseren vergleichbar sein muss. Es war für die Entdecker vergangener Jahrhunderte höchst überraschend, was allein unser Planet an verschiedengestaltigem Leben hervorbringt. Es ist daher kaum anzunehmen, dass sich exakt dasselbe irgendwo sonst wiederholt. Es wird daher umso interessanter sein, es zu entdecken. 

Aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich überhaupt Leben entwickelt ist sehr groß. Die konkrete Beschaffenheit ist aber ein Produkt zufälliger Umgebungsbedingungen. 

Ebenso können wir voraussagen, dass er irgendwo in unserer Milchstraße oder irgendwo sonst Planeten von der Art unserer Erde gibt; aber keineswegs identische; ähnliche. Diese können zufällig auch Leben hervorgebracht haben. 

Es ist wichtig, dass sie nicht identisch sind, denn müssten sie das (zum Beispiel aus Stabilitätsgründen) sein, dann gäbe es nur zwei Möglichkeiten, entweder sie wären alle bewohnt oder alle unbewohnt. So aber sind die möglichen Planeten-Kandidaten auf belebte Natur ähnlich aber nicht gleich. Denn die Natur benötigt die zufällige Variation von Objekten, die dann unter dem Eindruck der Umwelt sich mehr oder weniger in dieser Umwelt bewähren.

Wichtig ist in der uns bekannten Welt, dass die Objekte, aus denen sie besteht, einerseits in großer Zahl vorhanden sind und anderseits aber nicht alle gleich sind, nur eben ähnlich.

Und es gibt es von nichts auf dieser Welt - wie wir sicher wissen - unendlich viel.

Diese Bedingungen gelten nicht nur für die Sterne und Planeten, sie haben auch ganz am Beginn der Zeiten gegolten. Zum Beispiel als der Raum gleichmäßig von Wasserstoffatomen erfüllt war. Ganz so gleichmäßig war das aber nicht. Es gab geringe zufällige Abweichungen, die dazu führten, dass die Anziehungskraft der Teilchen diese zu Sternen konzentrierte.

Die wesentlichen "Konstruktionsmerkmale" sind 

  • eine große Zahl einzelner Elemente mit zufälligen Variationen
  • einer Umwelt, der diese Elemente ausgesetzt sind

Aus dieser auf vielen Stufen sich wiederholenden Konstellation ergibt sich ein Gradient der Entwicklung, der die einzelnen Elemente zu neuen höherwertigen Elementen formt.

Das Wesen dieses Prozesses ist es, dass der Umwelteinfluss die unbegreiflich hohe Zahl zufälliger Variationsmöglichkeiten auf eine relativ kleine Zahl reduziert.

Beispiel: Nehmen wir an auf einem Feld von 100x100 Pixel würden sich 100 pixelgroße Wasserstoffatome zufällig aufhalten und zufällig bewegen. Das Ziel des Spiels wäre es, dass sich diese 100 Teilchen zu einem Klumpen zusammentreffen, denn nur wenn das geschieht, würden sie zusammenbleiben. 

Er wird aber sehr lange dauern, bis sich ein solcher Zustand zufällig einstellt. Praktisch wird das nie der Fall sein, wenn man sich allein auf den Zufall verlässt, denn sie werden zufällig alle anderen Positionen auf dem Spielfeld probieren wollen, die allesamt nicht diesem besonderen Zustand der Zusammenballung entspricht.

Wenn aber diese Teilchen eine gegenseitige Kraft aufeinander ausüben, die dazu führt, dass sich die Teilchen annähern, dann kommen wir viel schneller zum Ziel, denn wenn sich Teilchen zufällig näher kommen, dann ziehen sie sich an und bilden einen Klumpen der eine stärkere Anziehung hat und der wieder leichter ein weiteres Teilchen binden wird. 

Mit diesem Mechanismus wird der klumpenförmige Endzustand sehr rasch erreicht, weil die Teilchen "wissen", was sie zu tun haben.

So, wie dieses Beispiel mit den pixelförmigen Spielsteinen funktioniert aber unser ganze Welt; sowohl in in den kleinsten Strukturen bis in die größten und komplexesten der Biologie und der Kulturen und der Wirtschaft.

Diese Prozesse erfordern weder einen Schöpfer noch den Menschen. Sie laufen ganz selbsttätig ab. Und bei komplexen Fragestellungen können gar nicht anders, als unsere Welt - wenigstens in Teilbereichen - diesem Spiel zu überlassen, denn das Spiel ermittelt selbstständig die Zukunft.

Immer ist es wichtig, dass sich viele Elemente an diesem "Spiel" beteiligen, denn nur dann gibt es ausreichende Varianten, die sich einer Selektion durch die Umwelt stellen.

Auch die Multiversen müssen (nach unseren Erfahrungen) diese Spielregeln befolgen. Da es aber alle Objekte der sichtbaren Welt nicht in unendlicher Zahl gibt, besteht zunächst kein Grund zur Annahme, dass die Welt der Universen anders aufgebaut sein sollte.

Es gibt eine große Zahl von Multiversen aus denen die sich ergebende "Physik der Universen" die geeignetsten selektiert. So wie das auch auf unserer Welt ist. Es gibt viele Bäume aber eben nicht unendlich viele. Es gibt auch keine blauen Blätter auf den Bäumen, weil das der Physik des Blattes widersprechen würde. Es gibt eben nur das, was die Umgebung zulässt und nie wäre es Mozart möglich gewesen, die "Rhapsody in Blue" zu schreiben, denn die Variationsbreite des tonalen Zufalls war in seiner Zeit auf die "Klassik" reduziert. Und nur diese Reduktion der unendlich vielen Möglichkeiten des Zufalls macht evolutorische Entwicklung möglich.

Immer, wenn jemand im Bezug auf unsere Welt das Wort "Unendlich" anwendet, dann strebt er eine Art endgültige Lösung für alle Fragen an.

Evolution

Welches dieser individuellen Instanzen eines Objekts dann schließlich befähigt ist, die nächste evolutorische Stufe zu besetzen, ermittelt die Umwelt, in die das Objekt "hineingeboren" wird. Die Physik eines Sterns bestimmt, ob ein Stern als Geburtsstätte von schweren Elementen geeignet ist, die Temperatur, Größe und viele andere Eigenschaften eines Planeten bestimmen, ob dieser Planet Leben beherbergen kann. Bei diesen zufälligen Variationen von Objekten gibt es keinerlei Voraussicht oder Planung. Es ist völlig unklar, welche der Variationen von Objekten sich bewähren wird. Erst die Umwelt, besonders die sich ändernde Umwelt selektiert aus zufälligen Variationen jene, die sich an die Bedingungen besonders gut anpassen.

Ein Unterschied zwischen der Evolution der belebten und unbelebten Natur ist der, dass die unbelebten Objekte weiter existieren, auch wenn sie nicht zu "Höherem" berufen sind. Dagegen sieht die Natur für die weniger geeigneten Objekte kein Weiterkommen vor. 

Aus genau diesem Grund, dass ein bestimmtes Exemplar durch die Umweltbedingungen bevorzugt wird und "zu Höherem berufen ist", ist es zwingend nötig, Variationen der selektierten Eigenschaften zu haben, weil die Umwelt keine Konstante ist. 

Dieses Prinzip herrscht auf allen Ebenen der Evolution vor; Ausnahmen gibt es nur bei Systemen, die keine Vielfalt zulassen (Monopole, Diktaturen...), die aber dann auch irgendwann die Rechnung präsentiert bekommen.

Montag, 21. März 2011

Gott ist Zufall

Was immer außerhalb unseres Verständnisses und außerhalb unserer Welt existiert und wie immer man es nennt. Da wir es alle miteinander nicht wissen, ist es nicht möglich, darüber eine andere als spekulative Aussage zu treffen. Ich spreche daher allen Religionen das Recht ab, es zu definieren und diese Definition dann als "wahr" zu bezeichnen.


Das nenne ich "Mein Recht auf einen persönlichen Gott"; aber nicht im Sinne, dass Gott personal ist, sondern in dem Sinne, dass ich als Person, das Recht habe, zu definieren, was Gott ist oder ob sich eine solche Definition überhaupt für sinnvoll halte. 

Die moderne Gehirnforschung nimmt uns ohnehin unsere Illusion vom "freien Willen" aber nach meiner Ansicht, schränkt jeder Gottesbegriff den angekratzten freien Willen ein. 

Unsere Götter sind unsere eigenen Erfindungen, die uns gleich danach beherrschen. In dieser Weise unterscheiden sich Fußball, Briefmarkensammeln und Allah überhaupt nicht. Allen gemeinsam ist, dass sie nur im Kollektiv der Menschen Bestand haben. Wenn ein einzelner Mensch behauptet, er hätte einen Toten einige Tage nach seinem Tod begegnet, dann kommt er in die Psychiatrie. Wenn es aber ein Kollektiv tut und dafür sorgt, dass diese Geschichten Kindern in den ersten Lebensjahren eingeprägt werden, dann nennt man das Religion und das darf dann sogar an Schulen unterrichtet werden.

Wenn ein Außenstehender einen Fußballfan beobachtet, glaubt er, es mit einem Verrückten zu tun zu haben. Aber auch bei einem Terroristen mit Sprengstoffgürtel ist das nicht viel anders. Beide glauben.

Das Besondere am Glauben ist, dass man nicht hinterfragt, dass man nicht zweifelt. Wir müssen in praktisch allen Fragen glauben, denn wer kann schon von sich behaupten, zum Beispiel auch nur die Berechnung einer Planetenbahn nachvollzogen zu haben.

Aber wir kennen die Methode, die uns erlaubt, zwischen rationalen und irrationalen Behauptungen zu unterscheiden: den Zweifel. Die einzige Möglichkeit, zu Erkenntnisse zu bestätigen, ist Zweifel und nicht Glaube. Und zusätzlich wissen wir, dass man Gesetzmäßigkeiten dieser Welt nicht beweisen sondern nur widerlegen kann (Sir Karl Popper). Sie gelten nur so lange, bis sich eine bessere Darstellung ergibt. 

Wenn jemand behauptet, er habe ein UFO gesehen, dann sind Tausende Beobachter zur Stelle, die versuchen, diese Beobachtung ebenfalls zu machen. Gelingt es nicht, bleibt allein eine Behauptung. Man kann mit Büchern über solche Sachen viel Geld verdienen aber deswegen werden sie nicht wahrer. 

Wir müssen bereit sein, uns zu trennen, lieb gewonnenes Wissen, Verhaltensweisen, Regeln, aufzugeben, wenn es sich zeigt, dass sie nicht mehr zutreffen oder unpraktisch sind. 

Wenn es etwas wie Gott gibt, dann ziehe ich die Sichtweise des Giordano Bruno vor, der gemeint hat, dass Gott in allem ist, was diese Welt ausmacht. Gott äußert sich in jedem einzelnen Staubkorn, Baum oder Menschen. Und nicht nur im menschlichen Geist sondern auch in einem abgeschnittenen Haar oder in einem Berg.

Wir wissen heute, dass die Atome als kleinste Materiebausteine ein Verhalten haben, für das es weniger Erklärung gibt als etwa für den Urknall. Elektronen können zum Beispiel ihre Bahn wechseln und senden Wärme, Licht oder Radioaktivität aus. Das ist nichts Besonderes. Das machen aber keineswegs alle gleichzeitig. Sie machen es zufällig, irgendwann. Manche machen es nie, manche jetzt, manche später. Alle miteinander erzeugen eine bestimmte Energie. Wer aber sagt einem dieser Milliarden von Teilchen, ob und wann es die Bahn wechseln soll? Diese Teilchen hängen in keiner Weise zusammen und dennoch wirken sie im Kollektiv, so als würden sie sich absprechen. Zufall! Aber nicht ungeordnetes Chaos, denn makroskopisch betrachtet machen alle Teilchen zusammen etwas ganz Bestimmtes. Wer oder was sagt das einem bestimmten Teilchen, wer gibt das Kommando?

Verblüffend ist auch, dass die Torfolgen in Fußballspielen sich genau so verhalten, wie diese Elementarteilchen. Es gibt keinen Unterschied. Niemand kann den Zeitpunkt des nächsten Tores voraussagen und genau deshalb schauen alle so gebannt zu, weil sie es nicht wissen. Sie wissen nur, dass es passieren wird. Wie oft Tore und Gegentore fallen, hängt allein von der Spielstärke der betrachteten Mannschaft ab. Und auch (Leistungs-)Hochs und Tiefs, Spieler- oder Trainerwechsel spielen keine Rolle, die Torfolgen verhalten sich langzeitlich ganz gleich wie radioaktiver Zerfall.

Genau so ist es zum Beispiel, wenn man die Geburts- oder Sterbezeitpunkte untersucht. Niemand kennt den Zeitpunkt und dennoch folgen sie alle im Mittel einer bestimmten Rate und diese individuellen Schicksale haben miteinander vordergründig gar nichts zu tun und dennoch befolgen sie gemeinsam eine Gesetzmäßigkeit.

Bei der Toren im Fußballspiel können wir Zusammenhänge mit den Besucherzahlen, dem eingesetzten Kapital, der Vereinsorganisation herstellen, bei den Geburts- und Sterbezeitpunkten können wir Zusammenhänge zwischen dem Kulturniveau, dem Wohlstand oder der ärztlichen Versorgung herstellen. Aber beim radioaktiven Zerfall gibt es solche Abhängigkeiten nicht. Er ist einfach.

Wenn es also Gott gibt und wenn Gottes Hand im Spiel ist, dann entweder nirgends oder überall. Und wenn überall, dann muss man seine Spuren erkennen. Atomarer Zerfall, Quantenfluktuationen, Tore im Fußball, Todeszeitpunkte sind solche Ereignissen, die Gottes Handschrift sein können; sie sind durch nichts vorhersagbar.

Dass man Gottes Wirken auf einzelne schicksalhafte Ereignisse bezieht, ist völlig absurd. Also zum Beispiel das Unglück (oder das Glück), das jemanden zustößt wäre Gottes Absicht aber das Wetter von morgen (oder das Glück oder Unglück des Nachbarn) wäre dagegen reiner Zufall.

Wenn ein kranker Mensch nach Lourdes pilgert, zurückkommt und gesund wird, dann nennt die Kirche das ein Wunder. Wenn aber die vielen anderen Millionen Kranken, die nach Lourdes pilgern, zurückkommen und immer noch krank sind, dann hätten sie einfach nicht genug gebetet - oder sonst was. Die Wahrheit ist, dass Lourdes genau so heilt oder nicht heilt wie ein Placebo.

Mit der Anerkennung elementarer Zufälle als "Gottes Handschrift" hätte Giordano Brunos panthesitische Sicht der Welt dass "Gott in allen Dingen sei" eine konkrete Erklärung.

Aber wenn wir alle diese Zufälligkeiten eben als Zufall und nichts weiter betrachten, wird uns leichter sein, denn in gewisser Weise ist "jeder seines Glückes Schmied" und wir werden dann diese Verantwortung für unser persönliches Glück oder Unglück nicht Gott anlasten sondern selbst tragen lernen.

Die Religionsgemeinschaften täten gut daran, sich auf jene Aufgaben zu konzentrieren, die sie wirklich gut können und das sind die Karitativen. Die Frage nach Gott kann auch ohne Kirche jeder für sich beantworten, wie das zu seiner Persönlichkeit, Ausbildung, Wissensstand passt. Schließlich ist die Frage, ob es für unser Dasein einen Grund gibt, den wir nicht kennen, immer mit Ja zu beantworten, weil wir ja alle Aussagen darüber immer mit dem Wort "Theorie" einleiten und die Frage nach dem "Davor" eigentlich immer offen bleibt, weil wir uns eine Welt ohne Zeit gar nicht vorstellen können.

Aber ob diese unsere Existenz dann einem göttlichen Wollen unterliegt oder nicht, dass ändert dann nur mehr wenig. Denn wenn der pantheistische Ansatz, "Gott ist in Allem" gilt, dann sagt das noch nicht, ob dieser Zufall gesteuert ist oder eben Zufall ist. Gott hätte wahrhaft viel zu tun, wenn er sich um alle diese Myriaden von Zufälligkeiten "kümmern" müsste. Viel eleganter ist doch, wenn gilt "Gottes Handschrift ist der Zufall selbst".

Das Gottesbild der Kirche ist längst überholt und besteht auch nicht die kleinsten Prüfungen unserer eigenen Erfahrungen. Es wäre längst an der Zeit, deutlicher zu sagen, dass biblische Aussagen bestenfalls ein Ausgangspunkt für die eigene Orientierung aber niemals ein Dogma sein können. 

Die Geschichte mit den drei Männern am Brunnen entspringt der Hoffnung auf eine Gerechtigkeit auf dieser Welt und klingt wirklich ziemlich alt-testamentarisch.

Aber viele - auch sehr populäre - Bibelsprüche des Neuen Testaments sind ziemlich sonderbar. Zum Beispiel: "Wer nicht arbeitet, der soll auch nichts essen." Ja, was soll denn das sein! Oder: "Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist." Dieser Spruch hat jede Reaktion der Kirche auf das Hitler-Regime unterdrückt, hat Generationen von Menschen auf den Krieg für das Vaterland vorbereitet. Die Unterdrückung der Frau ist ja überhaupt ein Leitmotiv der Urkirche. Die Marienverehrung ist erst nachträglich als Korrektiv entstanden und wurde von den Protestanten wieder aus dem Glaubenskanon entfernt. 

Eine wichtige Beobachtung von Religiosität ist folgende: "Mit oder ohne Religion hätte man gute Menschen, die Gutes tun und böse Menschen, die Böses tun. Aber um zu erreichen, dass gute Menschen Böses tun, - dazu braucht man Religion."

Zufall

Religionen vermuten in zufälligen Ereignissen häufig eine Fügung oder Schicksal. Sie meinen damit, dass Gott die Dinge so laufen lässt, wie sie dann eben passieren. 

Das führt besonders im Islam zu einer fatalistischen Haltung, die das göttliche Wollen über eigene Einflussmöglichkeiten stellt. Daher verwenden diese Leute viel mehr Zeit, ihrem Gott zu huldigen als irgendwas in ihrem Leben zu verändern.

Zufall sind Ereignisse, deren Ursache wir nicht kennen, die ohne irgendeine gewollte Wirkung einfach geschehen. Zufälle, die uns selbst betreffen, nennen wir gerne "Schicksal"; Zufälle, die uns egal sind, sind eben Zufälle.

Ich meine, man sollte konsequent sein. Entweder sind alle Zufälle eben solche oder alle Zufälle sind durch eine uns unbekannte höhere Gewalt gesteuert. Alle.

Der makroskopische Zufall ("In China fällt ein Fahrrad um") macht aber auf uns nicht den Eindruck, als hätte sich "jemand" die Mühe gemacht, dieses Ereignis auszulösen, weil wahrscheinlich war ja das Fahrrad nur nicht ausreichend abgesichert und nur unachtsam wo angelehnt; daher gibt es nachvollziehbare Gründe, warum das Fahrrad umgefallen ist. 

Wenn wir aber das in China umfallende Fahrrad als "zufällig umgefallen" akzeptieren, dann sollte wir das auch bei einem persönlichen Schicksalsschlag tun (Verkehrsunfall, Erkrankung, Tod eines Angehörigen...). 

Der Verkehrsunfall hat möglicherweise einen eindeutig Schuldigen, aber meine Anwesenheit an diesem bestimmten Ort, die diesen Unfall überhaut erst möglich gemacht hat, meine Anwesenheit hat mit dem ebenso zufällig anwesenden und späteren Schuldigen nichts zu tun. Es war einfach. 

Wir können diese schrecklichen Dinge wie Unfälle, Todesfälle, Morde, Krankheiten, Kriminalität nicht grundsätzlich vermeiden sondern nur ihre Rate so weit als möglich reduzieren. 

Wenn es im Winter zu einer bösen Grippewelle kommt, und jeder 100ste erkrankt, dann ist das eine gemessene Größe. Wer konkret aber erkrankt und ob ich es bin, ist Zufall. Natürlich hängt es davon ab, in welchen Menschenansammlungen ich mich bewege und ob ich mir die Hände wasche. Aber auch wenn ich alles tue, um die Grippe zu vermeiden: sicher ist nix. Ich kann die Wahrscheinlichkeit reduzieren, an Grippe zu erkranken aber Null wird sie nicht.

Wenn ich mir als Idealzustand wünsche, dass alle diesen bösen Dinge nicht passieren mögen, dann muss man beachten, dass ohne diese Dinge wir gar nicht existieren würden, denn die gesamte Entwicklung des Lebens beruht auf der Entwicklung von Fähigkeiten, mit dem allgegenwärtigen "Bösen" umgehen zu lernen. Mit den Jahreszeiten, dem Klima, der Kälte, der Hitze, dem Recht des Anderen, den Katastrophen, dem Feind, dem Einbrecher, dem glatten Fußboden, der umfallenden Leiter, dem unaufgeräumten Schreibtisch, dem Chaos im Kopf, usw. 

Und was für uns Menschen gilt, das galt schon für das einfachste Leben auf der Erde für jene Lebensformen, die heute gar nicht mehr existieren, weil sie von höheren Lebensformen bereit eliminiert worden sind, so wie wir möglicherweise auch den Konkurrenten Neandertaler ausgerottet haben. Wenn wir uns eine Welt ohne diese bösen Sachen wünschen, dann gibt es keine weitere Entwicklung mehr, alles wäre erreicht; wir wüssten nicht, was wir zu tun haben.

Ganz anders ist das aber im atomaren Bereich. Hier passieren Dinge, die einfach passieren ohne dass wir den genauen Zeitpunkt in irgendeiner Art bestimmen können. Genaugenommen wissen wir das ja bei den Fahrrädern auch nicht. Von den - sagen wir - 100 Millionen Fahrrädern in China fällt ein bestimmter Prozentsatz, zum Beispiel 0,1%, das wären 100.000 täglich einfach um. Wir können nicht sagen, welches dieser Fahrräder und wann genau es umfallen wird. Aber wir wissen, dass es etwa 100.000 sein werden. Aber bei den Fahrräder gibt es in jedem einzelnen Fall einen konkreten Grund, wie zum Beispiel, dass die Stütze abgebrochen ist, dass jemand angestoßen ist, dass ein Windstoß das Rad umgeworfen hat usw. Genau das - einen Grund - gibt es im atomaren Bereich nicht. Wenn man eine Leuchtdiode betreibt, dann leuchtet diese. Aber was bedeutet das? Von den Milliarden Atomen passiert es bei einem Teil von ihnen, dass ein Elektron seine Bahn verändert und dabei ein Lichtquant aussendet. Im Mittel steht die Zahl dieser Atome mit dem durch die Diode fließenden Strom im Zusammenhang. Aber wer veranlasst ein bestimmtes Atom, sich so zu verhalten? Warum machen das nicht alle Atome sondern nur bestimmte? Es gibt für uns keinen Grund. 

An dieser Stelle wäre die Behauptung, Gott lenke diese Ereignisse, nicht zu widerlegen, denn wir kennen tatsächlich keinen Grund und diese Erklärung "Gott lenkt" ist genau so gut wie jede andere und genaugenommen gibt es gar keine andere.

Zufall ist ein Prinzip, dass von Anbeginn der Welt wirkt. Im Inneren der Stoffe genau so wie beim Aufbau der Sterne und ihrem Schicksal, unserem Schicksal.

Zufall hat keine Moral. Zufall will nichts. Zufall ist weder gut noch böse. Zufall ist einfach.

Ich habe den Eindruck, dass die Menschen sich nach Gott sehnen. Und dabei wäre er doch so nah, und dennoch sieht ihn niemand. Die Aussagen "Gott ist in allen Dingen", "Gott ist überall". "Gott ist allgegenwärtig", "Gott ist allmächtig" treffen in wunderbarer Weise auf Zufall zu. 

Allerdings trifft nicht zu "Gott wäre gütig oder gar gut", denn von wo soll der Zufall auch wissen, was uns passt und was nicht. Zufall ist völlig wertfrei. Er trifft nur in Summe alle gleichermaßen. Aber es ist weder ausgeschlossen, dass es Glückspilze gibt, die er mit Schaden verschont und ebenso kann es sein, dass Menschen, die ohnehin schon schwer zu tragen haben, noch eins drauf kriegen - vom Zufall.

Wenn wir aber den Zufall nicht als etwas Gewolltes akzeptieren, dann tun wir uns ein bisschen leichter ihn zu akzeptieren. Wäre er gewollt, dann folgt die Frage nach dem "Warum" auf dem Fuß. Und daraus ergibt sich der sonderbare Schluss der Religionen, es gäbe eine Art Abrechnung nach dem Tod.

Dieser Vergleich Zufall=Gott erscheint banal oder überheblich. Er erinnert aber ein bisschen an das Märchen mit dem König und den drei Töchtern, die sagen sollten, wie sehr sie ihren Vater liebten. Zwei von ihnen verglichen den Vater mit Gold und mit Edelsteinen, doch die dritte mit Salz. Es zeigte sich schließlich, dass die dritte Recht hatte und das Salz wichtiger war als die wertvollsten Dinge.

Wenn wir die Evolutionstheorie und dann auch die Evolutionäre Erkenntnistheorie betrachten, dann ist es eine Grundlage unserer Existenz, dass Zufall wirken kann und die Umgebung aus diesen zufälligen Möglichkeiten eine Auswahl trifft. Und nicht nur in der Biologie, wie Darwin es gezeigt hat. Rupert Riedl hat dieses Prinzip auf allen Ebenen der Entwicklung aufgezeigt (Sternenbildung, Planeten, Kultur, Markt, Technologie). Überall gilt, dass man dem Zufall eine Chance geben muss, damit man überhaupt einen Hinweis auf die bestehenden Möglichkeiten bekommt. 

Ein wunderbares Beobachtungsgebiet ist die Entwicklung der Technologien (Elektronik, Software, Betriebssysteme...), weil man die evolutorischen Elemente beobachten kann. Am Anfang einer neuen Entwicklung stehen immer mehrere konkurrierende Ideen und es ist ein harter Kampf zwischen den Firmen, die diese Ideen vermarkten, bis sich schließlich wenige, vielleicht nur zwei behaupten und oft gelingt dann nur einem dieser Produkte als Standard das Überleben. Der Konsument spielt mit, denn er investiert in eines der Produkte und schließt mit seinem Kauf die anderen aus. Ob er sich richtig (für den späteren Sieger) entschieden hat, weiß er nicht. 

In diesem Prozess spielen Zufälle eine herausragende Rolle, trotzdem alle Player versuchen, ihr Produkt möglichst perfekt zu positionieren. Was sie nicht wissen, ist meist, was eigentlich der Konsument als "Killerfeature" kürt. Viel wird in die Technik investiert und dann entscheidet der Konsument vielleicht nach der Farbe oder nach der Kompatibilität zu etwas, was dem Erzeuger gar nicht bewusst war. 

Beim iPhone ist es die Haptik und das Prinzip "Alles aus einer Hand", ein Stecker für alles. Apple hat es damit geschafft, dass seine Produkte in jedem modernen Auto angeschlossen werden können. Jeder Stereoanlage hat einen Anschluss für ein Apple-Gerät.

Gut und Böse

Gut und Böse sind subjektive Wertungen, die nicht absolut gelten.

Albrecht Dürer soll gesagt haben: "Ich weiß nicht, was schön ist und was gut."

Ich habe ein tolles Video gesehen, in dem ein junger Bär von einem Puma verfolgt wird. Wie man das gefilmt hat, ist mir ein Rätsel. Künstler eben.

Wenn man sich diesen Film anschaut, ist das Urteil klar: der Puma ist der Böse und das Bärenbaby das Gute. Der Drehbuchautor wollte das so. 

Die Geschichte schaut aber ganz anders aus, wenn man sehen würde, dass der Puma auch Junge zu betreuen hat und um die durchzubringen, muss er jagen; die Bärin, die am Schluss ins Bild kommt, tut es ja auch und für die Ziege, die sie gerissen hat (was man nicht sieht aber von irgendwas muss sie ja leben) war die Bärin "das Böse".

Bei uns ist das genau so. Wir haben es aber gelernt, dieses Spiel von Gut und Böse durch Interessensabwägung für alle erträglich zu machen. Der Grund ist, das wir - anders als das Tier - eine Einsicht haben und erkennen, dass unsere Handlungen auch in der umgekehrten Richtung erträglich sein müssen. Das wissen wir - spätestens seit Kant.

Ohne das "Böse" (das ist das, was wir nicht wollen), gäbe es uns gar nicht.
  • Wir brauchen das Zahnweh, damit wir erkennen, dass es gut ist, sich gesund zu erhalten.
  • Wir brauchen die Einbrecher, um zu erkennen, dass es sinnvoll ist, die Türe abzusperren.
  • Wir brauchen das schlechte Wetter, um zu wissen, dass man ein Dach über dem Kopf braucht.
  • Und der Schnee sagt uns, dass dieses Dach in unseren Breiten geneigt sein sollte.

Was immer auch ist - im Sinne von Existenz - es hat für uns praktisch immer zwei Seiten: eine gute und eine schlechte.
  • Im Wasser kann man baden oder ertrinken.
  • Mit dem Messer kann man schneiden oder zustechen.
  • Einen Berg kann man besteigen oder auch von ihm abstürzen.
  • Mit einem Auto kann man tolle Erlebnisse haben aber auch schreckliche Unfälle.
  • Wir brauchen den Tod, um uns entwickeln zu können. 

Es gibt praktisch nichts, was einfach nur gut ist; aber glücklicherweise auch nicht etwas was nur schlecht ist (es kann immerhin als abschreckendes Beispiel herhalten).

Es ist unmöglich, das Gute im Messer zu wollen ohne das Böse in ihm zuzulassen.

Ich finde nicht, dass menschliches Leid ganz zu vermeiden ist. Man bemerkt doch zum Beispiel gerade bei einer Trennung, wie wertvoll das Zusammenleben mit anderen sein kann. Wir würden das doch gar nicht schätzen, gäbe es die Möglichkeit der Trennung nicht. 

Es gibt da die wunderbare Geschichte mit dem reichen Mädchen mit den gasgefüllten Luftballons. Es bekommt beliebig viele davon und lässt sie alle aus. Daneben steht ein armes Mädchen, die gerne einen davon hätte und schließlich - nachdem das reiche Mädchen der Luftballons schon überdrüssig ist - doch einen bekommt und sich jetzt unglaublich freut, viel mehr als das reiche Mädchen, das einen Luftballon so schnell nicht wieder interessant finden wird. (gelesen von Otto Schenk).

Wie wertvoll etwas ist, erkennen wir nur durch das vermeintlich "Böse"; in der Geschichte zum Beispiel am Mangel. Nur wer nichts zu essen hat (oder den Schweinsbraten nur selten isst), der weiß wirklich, wie gut ein Schweinsbraten sein kann. Nicht aber der, der ihn täglich hat. 

Ich finde, dass das Böse auch so seine guten Seiten hat.