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Freitag, 2. September 2011

Wunder gestern und heute

Früher war alles in der Natur ein Wunder, heute sind zwar vieles erklärt, die Welt der Technik kreiert aber an der Stelle der früheren Wunder viele neue Wunder, die von den Menschen genau so wenig verstanden werden wie früher.


Wunder hängen damit zusammen, dass man sich etwas nicht erklären kann und dieses Ereignis in diese Kategorie einreiht. In früheren Epochen zählte praktisch alles dazu. Menschen waren ungebildet, abhängig von den Wissenden, die ihnen Wissen in erträglichen und der Sache dienenden Portionen zuführten. Was von der Kanzel nicht erklärt wurde, war ein Wunder. Für Christen ein sichtbares Wirken Gottes auf dieser Welt, für meinen Urgroßvater, der an mährischen Teichen des Nachts phosphoreszierendes morsches Holz beobachtet hatte, waren es Wassermänner und Nixen (die Tschechen waren schon immer distanziert gegenüber dem christlichen Glauben).

Mit der Neuzeit, den Entdeckungen, der stärker werdenden Rolle der Wissenschaften wurden viele der bisherigen Rätsel gelöst, die Wunder wurden in den Bereich des Erklärbaren geholt, Die Domäne des Wunderbaren beschränkte sich zunehmend auf kleiner werdende Bereiche, die noch dazu im täglichen Leben ohnehin nicht sichtbar sind. Ob ein Atom nun das kleinste Teilchen ist oder noch weiter geteilt werden kann oder seine Bausteine noch weiter geteilt werden können, ist zwar wissenschaftlich interessant aber dem Normalverbraucher doch ziemlich egal.

Wenn es also auch nicht so ist, der moderne Durchschnittsmensch hat das Gefühl, dass Wunder im Sinne von Schöpfung, Unerklärliches auf dieser Welt nicht vorkommen. Nicht, dass er selbst alle Vorgänge verstehen würde. Nicht der Einzelne verfügt über das Wissen über die verborgenen Mechanismen sondern die Menschheit insgesamt.

Mit zunehmender Technisierung der Welt entstehen moderne Wunder. Unsere Welt wird gebildet von einen Unzahl mehr oder weniger nützlicher Produkte, die durch moderne Technik möglich wurden. Wir modellieren die Welt nach unseren Bedürfnissen. Trotzdem die Menschen insgesamt diese Welt formen, bleiben doch dem Einzelnen die Wirkungsweise der komplexen Zusammenhänge verborgen. So klar dem Menschen die Bedienung eines Telefons ist, so wenig versteht er von den Warums und Wies seiner Funktionen. Warum es überhaupt funktioniert und auf welchen physikalischen Grundlagen es beruht. Man ist geneigt von modernen Wundern zu sprechen und doch besteht ein Unterschied zu der mittelalterlichen Wunderwelt. Damals schienen alle Dinge, die man benutzte, wie Geschenke Gottes, heute sind sie selbstgemacht. Das Rätsel darüber aber ist gleich. Nur wird heute niemandem einfallen, die modernen Wunder als Gottes Geschenk oder Schöpfung zu benennen; warum aber nicht? Was wäre der Unterschied?

Wir sind ein Werkzeug der Schöpfung. Wir beschleunigen die Evolution und schaffen eine neue Welt in der natürlichen Welt. Mit neuen Rätseln, neuen Herausforderungen, und wer letztlich dahintersteckt, das wissen wir heute so wenig, wie von Tausenden Jahren.