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Montag, 24. Dezember 2012

Weihnachtliches

Ein beeindruckender Spruch

"Es ist keine Schande, reich zu sein
aber es ist eine Schande, reich zu sterben."

zugeschrieben wird das Zitat Rockefeller, auch Graf Groeben wird genannt. Jedenfalls hat es Hans-Peter Haselsteiner zuletzt wieder erwähnt, als er das neue Festspielhaus eröffnet hat (er hat es auch überwiegend finanziert). Vielleicht kann ja Weihnachten der Anlass dazu werden, statt kleiner Geschenke Teile unseres Reichtums zum Wohle der Gesellschaft weiterzugeben; und dabei die Worte des Mathematikers der Nation Rudolf Taschner zu beherzigen: "Reichtum ist Zufall".

Ein beeindruckendes Bild



christmas special #6
Artist: Banksy
http://www.banksy.co.uk/

Wenn hier wer eine Schuld hat, dann der, der in das Land eingedrungen ist. Und solange er von den dort verdrängten Menschen keine Absolution bekommt, solange steht er in deren Schuld. Keine Mauern, kein Militär sondern Abarbeiten dieser Schuld an den aus ihrem Land verdrängen Menschen ist es, was das Land braucht. Und erst, wenn die Palästinenser mit ihren Lebensumständen zufrieden sind, wird es auch Frieden geben können. Ein bisschen weniger Religion und ein bisschen mehr Menschlichkeit würde dieser Region gut tun. Weil mit Religion kann man so ziemlich alles begründen, offenbar auch die Besetzung eines Landes und dessen zwangsweiser Teilung - wie man sieht, aber Handlungen zu setzen, die vor der Menschlichkeit bestehen, ist viel schwieriger, weil sie die Überwindung der Religion erfordern.

Samstag, 8. Dezember 2012

Brenna tuats guat

Wo is da Plotz
wo da Teifl seine Kinda kriagt?
Wo is da Plotz
wo ois zaumanrinnt?
Wo is des Feia he
wo gehtn do da Blitz nieder?
Wo isn do de Hittn
oda da Stodl der brennt?

Haumma Pech oda an Lauf,
foin ma um oda auf
Samma dünn oder dick
haumma an Reim oder Tick
Teil ma aus, schiabn ma ei
haumma uns obi oder hinei
Samma Christ hätt ma gwisst,
wo da Teifl baut in Mist

A jeder woaß, dass des
Göd net auf da Wiesn wochst
und essen kau mas a net
oba brenna tats guat.
Oba hoazn damma Woazn
und de Ruabn und den Gugaruz
waun ma laung so weiterhoazn
brennt da Huat

Wo is des Göd,
des wos üwaroi föht
jo hotn denn koana an Genierer
wieso keman oiwei de viara
de liagn, de die Woaheit net kriagn
wos wuin daun wirds wui gstuin,
he de sui da Teifl sche huin.

Wo is da Plotz
woa da Teifl seine
Kinda kriagt
Wo ois zaumrinnt?
Wo is des Feia he
wo gehtn grod a Blitz nieder?
Wo is de Hittn
oda da Stodl der brennt?

A jeder woaß, dass des
Göd net auf da Wiesn wochst
und essen kau mas a net
oba brenna tats guat.
Oba hoazn damma Woazn
und de Ruabn und den Gugaruz
waun ma laung so weiterhoazn
brennt da Huat

Hubert von Goisern

Donnerstag, 23. August 2012

Behinderteneinstellung in der Praxis

Betriebe beschäftigen Behinderte nur dann freiwillig, wenn der Behinderte einen gegebenen Arbeitsplatz ausfüllt und nicht weiter auffällt. Behinderungen bringen es aber meist mit sich, dass ein Betrieb auch einen gewissen Aufwand mit diesen "Dienstnehmern mit besonderen Bedürfnissen" hat, den er aber scheut.

Ausgleichstaxe für größere Betriebe

Um den Betrieb bei diesen Anstrengungen zu motivieren, gibt es für größere Betriebe die Auflage, dass die für je 25 Beschäftigte einen begünstigten Behinderten beschäftigen müssen. Tun sie es nicht, müssen sie eine Ausgleichstaxe von derzeit 325,- Euro bezahlen. Das ist eine ganz einfache Regel.

"Begünstigt behindert" ist man, wenn man einen "Bescheid" vom Bundessozialamt hat, der das bescheinigt. Diesen Bescheid bekommen alle Behinderten mit einer Beeinträchtigung von 50% und mehr. Diese Bescheinung ist eine Formsache. Als begünstigter Behinderter genießt man dann einen erhöhten Kündigungsschutz, der aber anderseits wieder für die Beschäftigung hinderlich sein kann.

Betriebe wollen keine Behinderten einstellen, begünstigte schon gar nicht, die meisten zahlen daher die Ausgleichstaxe.

Arbeitsmarkt für Behinderte

Es gibt aber Firmen, die sich aber in diesem Sektor scheinbar vorbildlich hervortun und sich ganz besonders an die Gruppe der begünstigten Behinderten wenden und Arbeiten anbieten. Toll, nicht?

Das schaut aber nur auf den ersten Blick gut aus. Die Wahrheit ist eine andere: der Privatwirtschaft geht es um das Einsparen der Quote und dem öffentlichen Sektor geht es zusätzlich um die Vorbildwirkung im Auftrag des jeweiligen Ministers. Beide, Privatwirtschaft und öffentlicher Sektor schaffen nun Arbeitsplätze, die sie bevorzugt oder ausschließlich an begünstigte Behinderte vergeben. So weit, so gut.

Würden sie das tatsächlich tun, nämlich dem begünstigten Behinderten einen Arbeitsplatz zu geben, dann laufen sie aber Gefahr, dass sie Probleme mit dem begünstigten Arbeitnehmer wegen des erhöhten Kündigungsschutzes bekommen können.

Die Betriebe vergeben Arbeit aber keinen Arbeitsplatz

Sie lösen das nun elegant, indem sie den Behinderten nur wenige Stunden beschäftigen. Damit wird ein gegebener Arbeitsplatz auf möglichst viele begünstigte Behinderte aufgeteilt. Die Quote wird für die Firma mit einem so besetzten Arbeitsplatz offenbar gleich mehrfach erfüllt und eventuelle Verpflichtungen gegenüber dem Arbeitnehmer im Sinne einer dauerhaften Beschäftigung werden umgangen. Der Arbeitnehmer bekommt einen Lohn Brutto für Netto, ist lediglich unfallversichert aber nicht kranken- oder pensionsversichert.

Solange der Arbeitnehmer mit seinen geringwertigen Beschäftigungen unter der Geringfügigkeitsgrenze von derzeit (2012) 376,26 € pro Monat bleibt, muss er nichts weiter unternehmen. Kommt er aber mit seinen geringfügigen Beschäftigungen über diese Grenze, dann werden alle diese Kleinbeträge zusammengezählt und ihm obliegt das, was eben normalerweise der Dienstgeber erledigt, nämlich die Bezahlung der Kranken- und Pensionsversicherungsbeiträge. Irgendwie ist der Behinderte zu einer Art Ich-AG auf niederstem Niveau geworden.

Wenn der Arbeitnehmer unterhalb der Geringfügigkeitsgrenze bleibt, dann ist er nach wie vor arbeitslos und das AMS bezahlt seine Sozialversicherung. Er muss sich nach wie vor bei aussichtslosen freien Stellen bewerben und regelmäßig AMS-Kurse besuchen, die er mit der geringfügigen Beschäftigung koordinieren muss.

Behinderter ist Quotengeber, wird aber um den Arbeitsplatz betrogen

Der alleinige Nutznießer dieser Regelungen ist der Dienstgeber, der auf eine "erfüllte Quote" verweisen kann - aber eben nur auf dem Papier. Keiner der Behinderten ist real beschäftigt.

Diese Gegebenheiten zeigen: solche Beschäftigungen sind keine. Was man erreichen will, nämlich die Integration der Behinderten am Arbeitsplatz, wird nicht erreicht. Die begünstigten Arbeitnehmer werden von geringwertigen Job zum nächsten geschubst, ohne Aussicht auf einen stabilen Arbeitsplatz, der speziell für die Menschen mit Beeinträchtigungen so wichtig wäre.

Gibt es für dieses Problem ein Lösung?

Aber ja!

Eine Sofortmaßnahme könnte sein, diesen Schmäh mit den geringwertigen Beschäftigungen nicht als Quotenplatz anzuerkennen. Das Beschäftigungsminimum für Menschen mit Beeinträchtigungen muss ein Arbeitsplatz sein, der ganz normal einer Sozialversicherungsabgabe durch den Dienstgeber unterliegt, und der  den Behinderten in die Unabhängigkeit vom AMS führt.

Eine weitere Maßnahme betrifft die Zuordnung der Ausgleichstaxe.

Schauen wir einmal die Struktur der österreichischen Betriebe an: Von der Seite der Statistik-Austria erfahren wir, dass es im Jahr 2010 406.000 Unternehmen gab, davon ca. 210.000 mit 1 bis 9 unselbständig Beschäftigten und 42.000 mit mehr als 10 Beschäftigten. Diese 210.000 Unternehmen, die etwa ein Million Arbeitnehmer beschäftigen, haben keinerlei Motiv, einen Behinderten zu beschäftigen, weil die Einstellungsbedingung an die Betriebsgröße und nicht an den Behinderten gebunden ist. (Es sind mehr als 210.00 Arbeitgeber mit mehr als einer Million Arbeitnehmer die in Kleinbetrieben arbeiten, denn in der Tabelle der Statistik Austria werden Betriebe zwischen 10 und 25 Arbeitnehmern nicht angeführt.)

Das AMS hat eigentlich nur eine Möglichkeit, einen Behinderten in diesem Kreis der Kleinbetriebe zu unterstützen: das AMS bietet dem Betrieb, der einen Behinderten einstellt, eine befristete Eingliederungsförderung an, die den Betrieb für den Aufwand bei der Einarbeitung des Behinderten entschädigt.

Gelernte Österreicher wissen wie es weitergeht: die Betriebe wissen das, suchen gezielt nach "Problemkindern", wie zum Beispiel eben nach Behinderten oder Langzeitarbeitslosen, kassieren die Eingliederungsförderung, um nach deren Auslaufen den Arbeitnehmer wieder zu kündigen.

Kleinbetriebe beschäftigen aber die Mehrzahl der Arbeitnehmer in Österreich. Sie haben bei dem derzeitigen Umgang mit Behinderten (außer dieser Eingliederungsförderung) keinerlei Motivation, einen Behinderten einzustellen.

Man kann sagen, dass es eben ein Aufwand ist, einen Behindertenarbeitsplatz zu schaffen, der einem kleineren Betrieb nicht zumutbar ist.

Ich sage aber: die Art der Regelung dieser Behinderteneinstellung ist falsch und viele Kleinbetriebe würden auch Behinderte einstellen, allein sie haben keinen Vorteil der ihren zusätzlichen Bemühungen gegenübersteht.

Was müsste man ändern?

Größere Betriebe ersparen bei Beschäftigung eines Behinderten 325, Euro, Kleinbetriebe ersparen nichts.

Es wäre ganz einfach. Verlagern wir diese 325,- Euro vom Betrieb zum begünstigten Behinderten. Dieser begünstigte Behinderte bringt eine Mitgift von 325,- Euro mit, wenn er beschäftigt wird. Damit kann auch ein kleiner Betrieb etwas anfangen.

Zusammenfassung

(1) Ein Arbeitsplatz für Behinderte der zur Erfüllung einer Quote dient, muss ein solcher sein und der Arbeitnehmer darf nicht mehr als Arbeitssuchender am Arbeitsmarkt aufscheinen.
(2) Damit auch ein Kleinbetrieb motiviert wird, einen Behinderten einzustellen, muss man die Ausgleichstaxe dem Behinderten zuordnen. Für Kleinbetriebe, die keinen Behinderten einstellen, ändert sich nichts. Jeder beschäftigte Behinderte bringt aber 325,- Euro, um die der Betrieb weniger bezahlen muss und daher durchaus motiviert sein kann, den Behinderten einzustellen.
(3) Für Großbetriebe ändert sich nichts.

Warum schreibe ich das?

Mein Sohn Florian ist Autist und wir haben es dem Fonds Soziales Wien und der Firma WienWork zu verdanken, dass er eine Berufsausbildung als Bürolehrling abschließen konnte. Nach der Lehrabschlussprüfung folgte der Weg zum AMS und wir bekamen die ernüchternde Mitteilung, dass die Chancen auf einen Arbeitsplatz im Bürobereich, insbesondere für Menschen mit Beeinträchtigungen sehr schlecht seien.

Bis zum Februar bekam Florian ca. 300,- Euro Lehrlingsentschädigung pro Monat. Ich bekam die erhöhte Kinderbeihilfe von ca 350, - Euro pro Monat.

Ab dem Februar verringerte sich die frühere Lehrlingsentschädigung von 300,- auf  das Arbeitslosengeld von 200,- Euro.

Florian hat daher versucht, bei der MA 40 um die Mindestsicherung anzusuchen. Das war im Februar. Heute, im August, hat es sie noch nicht bekommen. Entweder wurden die Anträge wegen formaler Mängel gar nicht bearbeitet - ohne weitere Verständigung, versteht sich - oder abgelehnt und zwar, weil Florian von seinem Großvater eine Lebensversicherung geschenkt bekommen hat, deren Wert bei etwa 5600 Euro liegt (und daher über dem erlaubten Vermögenswert liegt), von der er sich aber nichts abbeißen kann, weil sie erst in 15 Jahren ausbezahlt wird. Wir haben in der Zwischenzeit die Lebensverscherung aufgelöst und werden einen neuerlichen Antrag stellen. Man hat den Eindruck, als benötigt man für die Eingabe eines solchen Antrags einen Rechtsbeistand.

Seit Februar 2012 irren wir gemeinsam herum und suchen einen geeigneten Arbeitsplatz. Bei den Irrwegen haben wir mit steigender Verzweiflung mitbekommen, wie schlecht eigentlich der Umgang mit den Menschen mit Beeinträchtigung ist.

Als ehemaliger Lehrer dachte ich an die Stelle eines Portiers oder Schulwarts, die man unter dem Aspekt der Behinderteneinstellung auswählen könnte. Es gab aber im letzten Halbjahr aber kein einziges diesbezügliches Angebot am Stellenmarkt. Bis wir schließlich unter Mithilfe der bundessache.at eine Stelle als Aufsicht im Bereich des Kunsthistorischen Museums gefunden haben - eine Quotenstelle, wie sich herausstellte und auf die eben die oben beschriebenen Nachteile zutreffen, zwar eine Arbeit aber eben kein Arbeitsplatz zu sein, weil keine Sozialabgaben durch den Dienstgeber bezahlt werden und Florian daher für das AMS immer noch ein Arbeitsloser ist.

Immerhin bietet aber dieser Job in der Museumsaufsicht eine Perspektive, nämlich die, dass bei einer mehrjährigen geringwertigen Beschäftigung die Aussicht auf Übernahme auf eine Planstelle besteht, sofern Florian die Aufgaben in der Aufsicht zufriedenstellend ausführt. (Eine wahrlich lange Probezeit.) Zur Ehrenrettung des Ministeriums muss man aber ergänzen, dass diese Aufsichts-Stellen eigentlich für KunsttudentInnen gedacht sind und diese dürfen tatsächlich pro Monat die Geringfügigkeitsgrenze nicht überschreiben, weil ansonsten ihre Eltern die Kinderbeihilfe verlieren würden. Offenbar hat man diese Stellen auf den Kreis der begünstigten Behinderten erweitert, um auch dem Wunsch zur Erfüllung der Quote im Bildungsministerium zu entsprechen.

Wie gesagt, Posten als Portiere und Schulwarte wären auch typische Kandidaten, leider sind diese Stellen aber rar und gelangen gar nicht in den Bereich einer veröffentlichten Stellenausschreibung.

Samstag, 11. August 2012

Ein Brite gewinnt 180 Millionen...


Ein Brite gewinnt 180 Euro-Millionen und man fragt sich, ob es nicht besser wäre, wenn es 190 Gewinner mit je einer Million geben sollte

Ist es wirklich so verwunderlich, dass man solche Spielsysteme schafft?

So ganz nicht; wir lassen es auch in der realen Wirtschaft zu dass wenige Prozent der Bevölkerung den größten Anteil am Gesamtvermögen haben. Dafür gibt es folgende Gründe:
  1. weil Wirtschaft einfach so funktioniert. Wenn man man es ihr erlaubt, dass man billig produzieren und teuer verkaufen kann (Ausbeutung ist legal oder es gibt eben verschiedene Standards) und 
  2. wegen des Erbrechts und 
  3. wegen Moses: "du sollt nicht stehlen", verstärkt durch Calvin: "Reichtum ist gottgefällig". 
Außerdem, sollte mein Nachbar die Million bekommen, werde ich mich fragen, warum ihm denn nicht 500.000 genügen. 

Kurz: "Reichtum ist Zufall oder Diebstahl". Da man aber (laut Moses) nicht stehlen soll, ist Reichtum illegal.
Es ist grundsätzlich natürlich ein Vorteil für uns alle, wenn nicht gestohlen wird, wenigstens nicht im kleinen Stil. Aber dieser Grundsatz schützt auch die großen Vermögen und niemand fragt, woher diese kommen; sie sind "wohlerworben" solange man nicht Unregelmäßigkeiten aufdeckt.

Dass man nicht stehlen soll wird umso wichtiger, je reicher jemand ist.

Wir wählen die falschen Prinzipien, wir beten zu den falschen Göttern.

Aber es gibt Grundsätze, die man beherzigen könnte, die aber derzeit nur dekorativen Wert haben; zum Beispiel den Grundsatz der Deutschen Verfassung: "Reichtum verpflichtet".

Fragen wird doch den Millionengewinner (und dabei gehört der noch gar nicht zu den wirklichen "Gewinnern") welche Verpflichtung er für den Mann empfindet, der in der Londoner Innenstadt betteln muss, und wie er gedenkt, einer solchen Verpflichtung nachzukommen, so es einmal ein solchen Gesetz gäbe.

Donnerstag, 26. Juli 2012

Religion ist eine Krankheit

Der Widerspruch, dass manche intelligente und gebildete Menschen gleichzeitig auch stark religiös sind, ist schwer zu verstehen.

Aus  leidvoller Erfahrung muss ich hier berichten, dass ganz normale, liebevolle Menschen phasenweise krankhaft in ein paranoides Verhalten umkippen können.

Sie haben diese Fehlinterpretation der Welt erlernt (und könnten es bei gutem Willen auch wieder verlernen - wenn sie wollten - sie wollen aber nicht, weil sie sich nicht krank fühlen).

Verfolgungswahn zum Beispiel ist eine Reaktion des Wesens auf unterdrückte Ängste, die aus durchaus reale Bedrohungen entstanden sind. Wenn aber diese Ängste nicht ausgelebt werden können, weil man sie unterdrückt, kommen sie als (phasenweise) Wahnvorstellungen wieder zum Vorschein.

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass Menschen in ihrer kindlichen Entwicklung durch massive religiöse Indoktrination die Sehnsucht nach einer eigenen Bewertung der Welt verlieren und die Welt nur mehr nach religiösen Werten taxieren. Etwa könnte das passieren, wenn in den entscheidenden Prägephasen der Kinder nicht Rationalität sondern eben Religion als Wertemuster angeboten wird.

Wenn das so wäre, dann könnte man Religiosität durchaus auch als eine psychische Erkrankung werten, die nur deshalb nicht auffällt, weil sie viele Menschen in gleicher Weise teilen.

Andersartige Störungen fallen aber durch ihre Einzigartigkeit auf. Das zeigt das traurige Beispiel des berühmtesten Mathematikers des 20. Jahrhunderts, Kurt Gödel, der an Geister glaubte und daran, dass man ihn vergiften wolle. Als seine Frau verstarb, verhungerte er, weil er nur von ihr das Essen annahm. (Diese Story wird derzeit von Michel Kehlmann in einem Theaterstück verarbeitet.)

Kurz: Religion ist eine Erkrankung, die Kindern mit auf den Lebensweg gegeben wird und zwar durch das Beharren der Eltern (und der engeren Umwelt) auf einer Wahrheit, die keine ist, bis schließlich die Kinder diese Weltsicht ohne Chance auf Änderung übernehmen (weil es sich um eine Prägung handelt).



Der Titel "Religion ist eine Krankheit" ist eigentlich falsch und reißerisch. Er sollte eigentlich heißen "Religion ist eine Prägung", weil im Reifungsprozess des Menschen durch Familie und Schule vorgelebten religiösen Wertemuster in nicht reversibler Form übernommen werden. Das schließt aber nicht aus, dass religiöse Menschen genau so scharfsinnige Wissenschaftler werden können wie nicht religiöse. Es liegt aber eine Irrationalität in spezifischen Fragen des Glaubens vor, die in anderen Zusammenhängen sehr wohl rational abgehandelt werden. Also ein ähnliches Phänomen wie das der Schizophrenie. Die Persönlichkeit kann sich - den äußeren Gegebenheiten entsprechend - verändern, und der Betreffende nimmt diese Veränderung nicht wahr, seine Umwelt schon. Wenn also ein religiös geprägter Mensch an Dinge glaubt, die außerhalb unserer Wahrnehmungsmöglichkeit sind oder die gegen jede Erfahrung gerichtet sind, dann hat er nur deshalb keine Wahnvorstellung, weil er seine Vorstellungen mit vielen anderen teilt.

Niemand wird als krankhaft bezeichnet, wenn er etwa an Marienerscheinungen glaubt. Aber wenn jemand glaubt, er wäre Napoleon oder wenn er seine Wohnung verbarrikadiert, weil er meint, die ganze Welt hätte ich gegen ihn verschworen, dann liegt offenbar eine psychische Störung vor.

Die Umgebung einer Kirche, in der alle Anwesenden den Aussagen des Pfarrers folgen, unterliegen einem Gruppendruck, der ein Ausscheren ausschließt. Erfolgt dieser Druck auch in der Jugend, wird er eingeprägt und ist nicht umkehrbar.


Dienstag, 17. Juli 2012

Wohlstandverteilung in Österreich

Die Verteilungsgerechtigkeit von Wohlstand in einem Land wird mit dem GINI-Koeffizienten zum Ausdruck gebracht. Der Bereich des GINI-Koeffizient ist von 0 bis 1 und erreicht in Schweden mit 0,23 ein Minimum und in Namibia mit 0.72 ein Maximum. Österreich ist mit einem GINI-Koeffizienten von 0,26 im Bereich der Länder mit einer sehr fairen Wohlstandsverteilung. Ein Liste der GINI-Koeffizienten aller Länder findet man zum Beispiel hier.

Diese sehr wohlwollende Bewertung der Wohlstandsverteilung in Österreich scheint mir aber im Widerspruch mit anderen publizierten Zahlen zu stehen, die ich in der folgenden Darstellung zusammenfasse:

Geldvermögen

Nach dem Sozialbericht 2009 - Vermögensverteilung besitzt ein halbes Prozent der Bevölkerung ein Drittel des Geldvermögens in Österreich (grüne Kurve, wobei angenommen wurde, dass das restliche Vermögen gleichmäßig verteilt ist).

Immobilien

Nach dem Sozialbericht 2009 - Vermögensverteilung besitzen 40% der Haushalte keine Immobilie, sind daher Mieter. Gleichzeitig besitzen 10% der Haushalte 61% der Immobilien (rote Kurve).

Einkommen

Nach dem Sozialbericht 2009 - Einkommensverteilung  verfügen die reichsten 20% der Bevölkerung über 45% der Einkommen und die ärmsten 20% über nur 6% der Einkommen. (Das sind gemittelte Werte über verschiedene Einkommensarten) (blaue Kurve).
Berechnet man nun den GINI-Koeffizienten über diese drei Kurven, erhält man:
0,30 Geldvermögen
0,72 Immobilien
0,37 Einkommen

Dem steht ein GINI-Koeffizient von 0,26 für Österreich aus dem Jahr 2005 gegenüber. Mongabay Statistic Rankings. Österreich erscheint also in den vergleichenden Rankings ausgeglichener als es einzelne Vergleichszahlen zeigen.

Leider wird bei den veröffentlichten Statistiken nicht genau angegeben, auf welchen Maßzahlen die Berechnung des GINI-Koeffizienten beruht. Möglicherweise wirkt sich ein größerer Anteil an gemeinschaftlichen Vermögen des Staates senkend auf den GINI-Koeffizienten aus.



Montag, 16. Juli 2012

Staatsschulden in der EU und in Österreich

Das folgende Diagramm zeigt die Staatsschulden europäischer Länder in Prozenten des BIP (x-Achse) und pro Einwohner (in Tausend Euro) (y-Achse). Abgesehen vom Ausreißer Griechenland scheint Italien in der ungünstigsten Position  zu sein. Spanien ist nicht weiter auffällig. (Quelle: Wikipedia Staatsverschuldung)
In Österreich steigt zwar die Gesamtverschuldung stetig an (besonders starker Anstieg ab Regierung Gusenbauer) gleichzeitig steigt aber auch das BIP stark an, sodass die auf das BIP bezogene Verschuldung sich kaum verändert.




Sonntag, 15. Juli 2012

GINI, der Geist der Ungleichheit

Wie sich das Vermögen und Einkommen in einem Land verteilt, beschreibt der GINI-Index. (Gini war ein italienischer Statistiker.) Wie das auf der Welt aussieht, zeigt eine Karte der Wikipedia (grün=gleichmäßg verteilt -> blau -> rot=ungleichmäig verteilt). Je mehr rot ein Land eingefärbt ist, desto mehr gilt: "wenige besitzen viel, viele besitzen wenig". (Quelle Wikipedia)
Gini-Koeffizient der Einkommensverteilung nach dem CIA World Factbook mit den Daten von 2009




Der Human Development Index (HDI) ist ein umfassender Wohlstandsindikator. In der folgenden Karte gilt: rot=arm, blau=reich (Quelle: Wikipedia)
HDI-Weltkarte mit Daten von 2011

Ich frage mich, ob und wie diese beiden Maßzahlen zusammenhängen und habe daher eine xy-Darstellung der beiden Indizes erstellt und eine Trendlinie eingezeichnet: Wer also die Wahl oder die Notwendigkeit hat, sich ein Land seiner Träume auszusuchen, kann wählen zwischen arm (unten) und reich (oben) sowie fair (links) und unfair (rechts). "Fair" und "Unfair" ist natürlich nur für diejenigen die richtige Diktion, die meinen, dass Reichtum keine Tugend ist sondern sich zufällig ergibt.
Zusammenhang zwischen GINI- und HDI-Index.
Diese Darstellung zeigt, dass europäische Länder etwa gleich wohlhabend sind wie die USA oder Hong Kong. Aber der Wohlstand verteilt sich in Europa besser über die Bevölkerung.

Das ist mein Kommentar zur Aussage von Terrence Boyd, dem Neo-Rapidler, der meint, das Land seiner Wahl wären die USA. 

Mittwoch, 25. April 2012

Enteignung von Großgrundbesitz

Martin Balluch kritisiert unbeschränkten_Großgrundbesitz in Österreich und könnte sich vorstellen, dass zukünftige Piratenparteien diesen einschränken könnten.


"Nägel mit Köpfen" ja. Der Großgrundbesitz kann aber auch in einem größeren Kontext, dem "Besitz an sich" gesehen werden. Wohin unkontrollierte, kapitalistische Wirtschaft führt, erleben wir hautnah: Verarmung der Massen und unbegrenzter Reichtum Weniger. Für die unkontrollierte Verarmung der Massen haben wir eine Untergrenze durch die Mindestsicherung eingezogen aber gegen den unkontrollierten Zuwachs an Reichtum aber nicht. Die Kritik von Martin Balluch am Großgrundbesitz muss auch für Vermögen an sich gelten. Wie es ein Minimum-Einkommen gibt, sollte es auch ein Maximum-Einkommen geben. Es ist natürlich leichter, den Grundbesitz zu regulieren, da Boden keine Beine hat. Beim Vermögen ist man auf die Solidarität der Staaten angewiesen. Die Solidarität der Arbeiterklasse des vorigen Jahrhunderts sollte als Beispiel für die Solidarität der Staaten des 21. Jahrhunderts gelten. Diese Obergrenzen bedeuten nicht, dass man nicht reich sein dürfte aber es bedeutet, dass Dinge nicht in den Himmel wachsen (und dann durch Terror von dort symbolisch heruntergeholt werden müssen). Ein mehr systematischer Ansatz dazu ist in der Gemeinwohl-Ökonomie zu finden: https://www.facebook.com/groups/106772879363005/ oder http://www.gemeinwohl-oekonomie.org/

Sonntag, 8. Januar 2012

Emergenz

Frau Lotte Ingrisch meinte in einem Gespräch mit Anton Zeilinger, dass ausreichend komplizierte Maschinen so etwas wie ein Bewusstsein entwickeln würden. Der Physiker nahm sie nicht ganz ernst und meinte, die müsse ihm das genauer erklären. Das ganze Gespräch findet sich auf einer ORF-CD.


Frau Ingrisch irrt, wenn sie meint, dass es eine Sache von Komplexität ist, wenn sich Neues herausbildet. Es kann sich durchaus um sehr einfache Einzelbestandteile handeln. Es muss nur viele davon geben und sie müssen gemeinsamen Gesetzmäßigkeiten folgen. Wir finden dieses Phänomen der Emergenz überall in der Natur.

Wie sich Vererbung, Mutation und Selektion im kleinsten Rahmen auswirken, kann man mit Programmen zeigen: Spiel des Lebens. Sehr hübsch das Beispiel mit der Ameise.