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Donnerstag, 26. Juli 2012

Religion ist eine Krankheit

Der Widerspruch, dass manche intelligente und gebildete Menschen gleichzeitig auch stark religiös sind, ist schwer zu verstehen.

Aus  leidvoller Erfahrung muss ich hier berichten, dass ganz normale, liebevolle Menschen phasenweise krankhaft in ein paranoides Verhalten umkippen können.

Sie haben diese Fehlinterpretation der Welt erlernt (und könnten es bei gutem Willen auch wieder verlernen - wenn sie wollten - sie wollen aber nicht, weil sie sich nicht krank fühlen).

Verfolgungswahn zum Beispiel ist eine Reaktion des Wesens auf unterdrückte Ängste, die aus durchaus reale Bedrohungen entstanden sind. Wenn aber diese Ängste nicht ausgelebt werden können, weil man sie unterdrückt, kommen sie als (phasenweise) Wahnvorstellungen wieder zum Vorschein.

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass Menschen in ihrer kindlichen Entwicklung durch massive religiöse Indoktrination die Sehnsucht nach einer eigenen Bewertung der Welt verlieren und die Welt nur mehr nach religiösen Werten taxieren. Etwa könnte das passieren, wenn in den entscheidenden Prägephasen der Kinder nicht Rationalität sondern eben Religion als Wertemuster angeboten wird.

Wenn das so wäre, dann könnte man Religiosität durchaus auch als eine psychische Erkrankung werten, die nur deshalb nicht auffällt, weil sie viele Menschen in gleicher Weise teilen.

Andersartige Störungen fallen aber durch ihre Einzigartigkeit auf. Das zeigt das traurige Beispiel des berühmtesten Mathematikers des 20. Jahrhunderts, Kurt Gödel, der an Geister glaubte und daran, dass man ihn vergiften wolle. Als seine Frau verstarb, verhungerte er, weil er nur von ihr das Essen annahm. (Diese Story wird derzeit von Michel Kehlmann in einem Theaterstück verarbeitet.)

Kurz: Religion ist eine Erkrankung, die Kindern mit auf den Lebensweg gegeben wird und zwar durch das Beharren der Eltern (und der engeren Umwelt) auf einer Wahrheit, die keine ist, bis schließlich die Kinder diese Weltsicht ohne Chance auf Änderung übernehmen (weil es sich um eine Prägung handelt).



Der Titel "Religion ist eine Krankheit" ist eigentlich falsch und reißerisch. Er sollte eigentlich heißen "Religion ist eine Prägung", weil im Reifungsprozess des Menschen durch Familie und Schule vorgelebten religiösen Wertemuster in nicht reversibler Form übernommen werden. Das schließt aber nicht aus, dass religiöse Menschen genau so scharfsinnige Wissenschaftler werden können wie nicht religiöse. Es liegt aber eine Irrationalität in spezifischen Fragen des Glaubens vor, die in anderen Zusammenhängen sehr wohl rational abgehandelt werden. Also ein ähnliches Phänomen wie das der Schizophrenie. Die Persönlichkeit kann sich - den äußeren Gegebenheiten entsprechend - verändern, und der Betreffende nimmt diese Veränderung nicht wahr, seine Umwelt schon. Wenn also ein religiös geprägter Mensch an Dinge glaubt, die außerhalb unserer Wahrnehmungsmöglichkeit sind oder die gegen jede Erfahrung gerichtet sind, dann hat er nur deshalb keine Wahnvorstellung, weil er seine Vorstellungen mit vielen anderen teilt.

Niemand wird als krankhaft bezeichnet, wenn er etwa an Marienerscheinungen glaubt. Aber wenn jemand glaubt, er wäre Napoleon oder wenn er seine Wohnung verbarrikadiert, weil er meint, die ganze Welt hätte ich gegen ihn verschworen, dann liegt offenbar eine psychische Störung vor.

Die Umgebung einer Kirche, in der alle Anwesenden den Aussagen des Pfarrers folgen, unterliegen einem Gruppendruck, der ein Ausscheren ausschließt. Erfolgt dieser Druck auch in der Jugend, wird er eingeprägt und ist nicht umkehrbar.


Dienstag, 17. Juli 2012

Wohlstandverteilung in Österreich

Die Verteilungsgerechtigkeit von Wohlstand in einem Land wird mit dem GINI-Koeffizienten zum Ausdruck gebracht. Der Bereich des GINI-Koeffizient ist von 0 bis 1 und erreicht in Schweden mit 0,23 ein Minimum und in Namibia mit 0.72 ein Maximum. Österreich ist mit einem GINI-Koeffizienten von 0,26 im Bereich der Länder mit einer sehr fairen Wohlstandsverteilung. Ein Liste der GINI-Koeffizienten aller Länder findet man zum Beispiel hier.

Diese sehr wohlwollende Bewertung der Wohlstandsverteilung in Österreich scheint mir aber im Widerspruch mit anderen publizierten Zahlen zu stehen, die ich in der folgenden Darstellung zusammenfasse:

Geldvermögen

Nach dem Sozialbericht 2009 - Vermögensverteilung besitzt ein halbes Prozent der Bevölkerung ein Drittel des Geldvermögens in Österreich (grüne Kurve, wobei angenommen wurde, dass das restliche Vermögen gleichmäßig verteilt ist).

Immobilien

Nach dem Sozialbericht 2009 - Vermögensverteilung besitzen 40% der Haushalte keine Immobilie, sind daher Mieter. Gleichzeitig besitzen 10% der Haushalte 61% der Immobilien (rote Kurve).

Einkommen

Nach dem Sozialbericht 2009 - Einkommensverteilung  verfügen die reichsten 20% der Bevölkerung über 45% der Einkommen und die ärmsten 20% über nur 6% der Einkommen. (Das sind gemittelte Werte über verschiedene Einkommensarten) (blaue Kurve).
Berechnet man nun den GINI-Koeffizienten über diese drei Kurven, erhält man:
0,30 Geldvermögen
0,72 Immobilien
0,37 Einkommen

Dem steht ein GINI-Koeffizient von 0,26 für Österreich aus dem Jahr 2005 gegenüber. Mongabay Statistic Rankings. Österreich erscheint also in den vergleichenden Rankings ausgeglichener als es einzelne Vergleichszahlen zeigen.

Leider wird bei den veröffentlichten Statistiken nicht genau angegeben, auf welchen Maßzahlen die Berechnung des GINI-Koeffizienten beruht. Möglicherweise wirkt sich ein größerer Anteil an gemeinschaftlichen Vermögen des Staates senkend auf den GINI-Koeffizienten aus.



Montag, 16. Juli 2012

Staatsschulden in der EU und in Österreich

Das folgende Diagramm zeigt die Staatsschulden europäischer Länder in Prozenten des BIP (x-Achse) und pro Einwohner (in Tausend Euro) (y-Achse). Abgesehen vom Ausreißer Griechenland scheint Italien in der ungünstigsten Position  zu sein. Spanien ist nicht weiter auffällig. (Quelle: Wikipedia Staatsverschuldung)
In Österreich steigt zwar die Gesamtverschuldung stetig an (besonders starker Anstieg ab Regierung Gusenbauer) gleichzeitig steigt aber auch das BIP stark an, sodass die auf das BIP bezogene Verschuldung sich kaum verändert.




Sonntag, 15. Juli 2012

GINI, der Geist der Ungleichheit

Wie sich das Vermögen und Einkommen in einem Land verteilt, beschreibt der GINI-Index. (Gini war ein italienischer Statistiker.) Wie das auf der Welt aussieht, zeigt eine Karte der Wikipedia (grün=gleichmäßg verteilt -> blau -> rot=ungleichmäig verteilt). Je mehr rot ein Land eingefärbt ist, desto mehr gilt: "wenige besitzen viel, viele besitzen wenig". (Quelle Wikipedia)
Gini-Koeffizient der Einkommensverteilung nach dem CIA World Factbook mit den Daten von 2009




Der Human Development Index (HDI) ist ein umfassender Wohlstandsindikator. In der folgenden Karte gilt: rot=arm, blau=reich (Quelle: Wikipedia)
HDI-Weltkarte mit Daten von 2011

Ich frage mich, ob und wie diese beiden Maßzahlen zusammenhängen und habe daher eine xy-Darstellung der beiden Indizes erstellt und eine Trendlinie eingezeichnet: Wer also die Wahl oder die Notwendigkeit hat, sich ein Land seiner Träume auszusuchen, kann wählen zwischen arm (unten) und reich (oben) sowie fair (links) und unfair (rechts). "Fair" und "Unfair" ist natürlich nur für diejenigen die richtige Diktion, die meinen, dass Reichtum keine Tugend ist sondern sich zufällig ergibt.
Zusammenhang zwischen GINI- und HDI-Index.
Diese Darstellung zeigt, dass europäische Länder etwa gleich wohlhabend sind wie die USA oder Hong Kong. Aber der Wohlstand verteilt sich in Europa besser über die Bevölkerung.

Das ist mein Kommentar zur Aussage von Terrence Boyd, dem Neo-Rapidler, der meint, das Land seiner Wahl wären die USA.