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Samstag, 13. April 2013

2000 Jahre sind genug

Na, ja, ungefähr 2000.

Damals hat man beschlossen, der Macht der Priesterkaste eine neue Qualität zu geben und neben dem Kaiser eine spirituelle Parallelstruktur zu entwickeln, die einerseits dem armen Hund auf der Straße Hoffnung gibt, ihn aber auch gleichzeitig gehorsam macht, ihn (weil ohne Bildung und eigene Einsicht) zivilisiert. Diesem dualen Konzept der macht haben wir Einiges zu verdanken, vielleicht sogar unsere heutige Form der Demokratie.

Aber heute sind die Voraussetzungen von damals nicht mehr gegeben und jene, die sich nicht einer Religionsgemeinschaft zugehörig fühlen - und das sind in Österreich etwa 20 Prozent - können die Vorteile, die die Anhänger von Höherer Macht nicht konsumieren. Das wiegt umso schwerer als der Rest der "Gläubigen" etwa so gläubig sind wie die, die für einen verpflichtenden Präsenzdienst waren, an die Wirksamkeit unseres Bundesheeres glauben. Man ist heute bei der Kirche, weil man glaubt, dass die Caritas Geld besser verteilt als die Volkshilfe, dass die konfessionellen Schulen jeweils frei von anderem Gesindel sind usw. aber nicht, weil man an die Auferstehung glaubt.

Die, die keinem Glauben angehören müssten daher im bestehenden System perverserweise eine Religionsgemeinschaft gründen, um auch zum Beispiel eine Schule oder eine Wohlfahrtseinrichtung betreiben zu können, deren Kosten der Staat überwiegend bezahlt. Ganz abgesehen von den Inhalten, die in den konfessionellen Schulen verpflichtend unterrichtet werden. Da gibt es sonderbare Auswüchse, auch hierzulande und nicht nur in den USA.

Es ist ein bisschen so wie in der Evolution und auch die kulturelle Evolution folgt denselben Gesetzmäßigkeiten wie die Evolution der Arten. Man erreicht eine gewisse evoutorische Stufe unter gewissen Umweltbedingungen, braucht aber in der Folge diese Umweltbedingungen nicht mehr. So, wie man einen Bootlader nachher zu nichts mehr braucht. Es leben nicht alle Menschen im 21. Jahrhundert, obwohl die meisten eine Handy benutzen. Viele Ewiggestrige können sich vom Gedanken einer Herrenrasse nicht losreißen, viele denken monarchisch aber noch mehr befinden sich noch im Zustand der Gegenreformation also noch vor der Aufklärung, manche auch noch davor.

Ich unterzeichne daher das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien, weil es eine einmalige Chance ist, die Idee der Aufklärung nicht hinter der Idee des Meinungsdiktats einer Religion entgegenzustellen.

Mittwoch, 10. April 2013

Eine Idee und eine Hymne

Nächste Woche ist das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien und wie fast kein Volksbegehren davor, ist es mir diesmal ein Anliegen, es zu unterschreiben. Nicht, dass ich mir ausrechne, dass moderne Erkenntnisse der Ethik im nächsten Schuljahr in den Klassenzimmern Einzug halten werden aber man muss einen Anfang machen und mit diesem Volksbegehren wäre ein solcher gemacht. Und er war längst überfällig.

Ein Lied, das wie kein anderes das Verhältnis von Glauben und institutionalisierten Glauben beschreibt, ist "Ich glaube nicht" von Reinhard Mey, nachzuhören hier und nachzulesen hier:

Hin und wieder geißl' ich mich und geh' hart mit mir ins Gericht
Und befrag' mich hochnotpeinlich, ob ich glaube oder nicht
Nur ein bißchen Folter und schon erpress' ich mir den Beweis
Dass ich erstens gar nichts glaube und zweitens gar nichts weiß
Ich glaub' nur, dass wenn es ihn tatsächlich geben sollte
Er, was hier in seinem Namen abgeht, gar nicht wollte!
Erstmal glaub' ich, dass die Weihwasserbeckenfrösche ihn stören
Und die viel zu großen Häuser, die angeblich ihm gehören
Glaubt ihr denn, er ist auf Lakaien und Grundbesitz erpicht?
Ja-Sager und Immobilien?
Ich glaube nicht!

Ich glaub' nicht, wenn es ihn wirklich gibt, dass er's überaus liebt
Dass sich jemand hartnäckig als sein Stellvertreter ausgibt
Und sich für unfehlbar hält. Ich glaub nicht, dass es ihm gefällt
Dass man ihm krause Ansichten als 'sein Wille' unterstellt
Ich verwette mein Gesäß: Brimborium und Geplänkel
Mummenschanz und Rumgeprotze gehn ihm auf den Senkel
Dieses Ringeküssen, diese selbstgefäll'gen Frömmigkeiten
Dies in seinem Namen Eselei'n und Torheiten verbreiten
Glaubt ihr, dass er will, dass irgendwer an seiner Stelle spricht?
Irgend so ein kleines Licht?
Ich glaube nicht!

Ich glaub' nicht, dass er in seiner Weisheit, seinem ew'gen Rat
Sowas Abartiges ausgeheckt hat wie den Zöllibat
Denn sonst hätt' er sich zum Arterhalt was andres ausgedacht
Und uns nicht so fabelhafte Vorrichtungen angebracht
Welch ein Frevel, daran rumzupfuschen, zu beschneiden
Zu verstümmeln! Statt sich dran zu erfreu'n, dran zu leiden!
Und wenn Pillermann und Muschi nicht in den Masterplan passen
Glaubt ihr nicht, er hätt' sie schlicht und einfach weggelassen?
Glaubst du Mensch, armsel'ger Stümper, du überheblicher Wicht
Dass du daran rumschnippeln darfst?
Ich glaube nicht!

Ich glaub' nicht, dass ihm der Höllenlärm etwas bedeutet
Wenn man in die göttliche Ruhe hinein die Glocken läutet
Ich bin sicher, dass er es als schlimme Lästerung betrachtet
Wenn man, um ihn zu bestechen kleine Lämmerchen abschlachtet
Und er muss sich sofort übergeben, denkt er nur ans Schächten
Oder an die schleim'gen Heuchler, an diese gottlosen Schlechten
Die scheinheilig die Kinderlein zu sich kommen lassen
Und ihnen in die Hose fassen!

Ich glaub' nicht, dass er in euren pompösen Palästen thront
Ich glaub' eher, dass er beim geringsten meiner Brüder wohnt
Eher bei den Junkies, bei den Trebern im Park als in Rom
Eher in den Slums, den Schlachthöfen, den Ghettos als im Dom
Im Parterre bei Oma Krause, in der Aldi-Filiale
Eher auf dem Straßenstrich als in der Kathedrale
Wo Schiefköpfige, Händeknetende Schuldgefühle schüren
Eitel, selbstgerecht, als würden sie IHN an der Leine führen
Eher als in eurer düstren, modrig-lustfeindlichen Gruft
Sitzt er unter freiem Himmel in der lauen, klaren Luft
Neben mir auf der Bank vor der Gartenlaube
Bei einer Flasche Deidesheimer Herrgottsacker
Ja, ich glaube!

Ja, ich glaube!