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Samstag, 16. Mai 2009

Warum uns die Hunde so nahe stehen

Eine beliebte aber falsche Story ist, das der Mensch den Wolf gezähmt hätte.


Gehört in der Radiosendung am 14.5.

Ein Hunderudel hat eine ähnliche Struktur wie ein Affenrudel: es gibt ein Leittier, das neben seiner Führungsrolle auch das alleinige Recht auf Zeugung der Nachkommen hat. Alle anderen männlichen Tiere müssen auf Fortpflanzung verzichten. Für das Leittier gab es keine Veranlassung zur Annäherung an Menschen, und für untergeordnete Tiere gab es kein Überleben außerhalb des Wolfsrudels.

Es gab aber unter den körperlich unterlegenen männlichen Tieren solche mit einer geringeren Scheu vor dem Menschen und einer besser ausgebildeten Fähigkeit zur Anpassung. Und diese Tiere sahen eine Fortpflanzungschance, indem sie dem Menschenrudel folgten, sich diesem näherten und dessen Speisereste zum eigenen Überleben nutzten. Die Nachkommen dieser Tiere folgen nicht mehr der Selektion des stärksten sondern des am besten angepassten Tiers; es fand so etwas wie eine Negativselektion statt. Der sozialere Wolf überlebt und mutiert zum Hund als Begleiter des Menschen und dieser nutzt den weit besser ausgeprägten Geruchs- und Hörsinn des Wolfs für die eigene Jagd. Aus der hohen Anpassungsfähigkeit des Hundes resultieren auch die so verschiedenen Hunderassen.

Man kann darüber hinaus auch vermuten, dass möglicherweise der Hund bei der Sozialisation des Menschen eine wichtige Rolle gespielt hat, weil eine Wechselwirkung zwischen den beiden ungleichen Partnern bestand und beide von den Fähigkeiten des Anderen profitiert haben.

Beispielsweise kann der Hund auf die menschliche Körpersprache eingehen (und umgekehrt) wie es nicht einmal die Primaten imstande sind. Ein Hund reagiert auf Handzeichen oder auf Augenkontakt, was jeder Hundebesitzer als Selbstverständlichkeit betrachtet. Interessanterweise können das aber die Schimpansen, unsere genetisch nächsten Verwandten nicht.